Die Geschichte der Österreichischen Botschaft in Prag und die Botschaftsgebäude


Die Anfänge der Österreichischen Botschaft in Prag

Keine Person zeigt die wechselvollen Anfänge der österreichischen Botschaft in Prag bis kurz nach dem 2. Weltkrieg besser wie jene von Dr. Ferdinand Marek. Er war der erste offizielle Vertreter der jungen Republik Österreich in der neu gegründeten Tschechoslowakei und wurde im Jänner 1919 beauftragt, die österreichische Botschaft in Prag aufzubauen. Er erwarb dafür 1922 in der Jungmannova 9 (heute Viktora Huga 10) im Prager Stadtteil Smíchov ein Eckhaus, den noch heute bestehenden Sitz der Botschaft. Bis 1922 war Ferdinand Marek allerdings nur Geschäftsträger, denn erst am 11. April 1922 konnte er sein Beglaubigungsschreiben, welches ihn „zum ersten Gesandten der österreichischen Republik in Prag bestellt“, an den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryk übergeben.

Im März 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, musste die Gesandtschaft geschlossen werden, das Eigentum ging komplett auf das Deutsche Reich über und Ferdinand Marek wurde entlassen. Die Kriegsjahre über blieb Marek in Prag und bereitete bereits ab Feber 1945 gemeinsam mit dem ehemaligen österreichischen Generalkonsul in Prag, Dr. Herbert Schallenberg, die Wiedereröffnung einer österreichischen Vertretung in Prag vor. Bereits am 12. Mai 1945, nur vier Tage nach Kriegsende, beschloss die tschechoslowakische Regierung, das vormals genutzte Gebäude in der Jungmannova/Viktora Huga für eine österreichische Vertretung bereitzustellen. In der ersten Zeit nach Kriegsende diente es tausenden Menschen, die nach Österreich zurück wollten, als provisorische Unterkunft, ebenso wie die der Botschaft gegenüber liegenden Schulgebäude. Marek selbst wurde jedoch noch im Mai 1945 von der sowjetischen Besatzung verhaftet und nach Moskau gebracht, wo man ihm Spionage gegen die Sowjetunion vorwarf. Er starb am 4. Mai 1947 in Moskauer Haft und wurde erst 1993 offiziell von allen Vorwürfen rehabilitiert.

Botschaftsgebäude 1968

Die Botschaft während des Prager Frühlings und nach dem militärischen Einmarsch in der Tschechoslowakei 1968

Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei am 20. August 1968 wurde das Gebäude der Botschaft in der Viktora Huga 10 zuerst von vielen Österreichern/-innen aufgesucht, um möglichst rasch und unversehrt nach Österreich zurückkehren zu können. Schon bald war der Ansturm so groß, dass kaum noch ausreichender Platz gefunden werden konnte und die Botschaft schnellstmöglich die Heimreise organisieren musste. Ebenso rasch stieg die Anzahl der tschechoslowakischen Bürger/-innen, die sich um Ausreisevisa nach Österreich anstellten. In den ersten Tagen nach dem 20. August und im September 1968 wurden tausende Visa pro Tag ausgestellt, ohne Beschränkung auf die sonst gültigen Amtszeiten. Der Andrang war deshalb so stark weil die Angst vor Grenzsperren in dieser Zeit der politischen Unsicherheit unter tschechoslowakischen Staatsbürgern besonders groß war. Die Ausstellung dieser hohen Anzahl an Visa ermöglichte vielen Reformern bzw. regimekritischen Menschen die kurz- oder auch langfristige Ausreise ins neutrale Österreich oder die Weiterreise in andere westliche Staaten und wurde von vielen Seiten oftmals gewürdigt. Kanzler Richard Gerstenecker war Zeitzeuge dieser Wochen an der österreichischen Vertretung in Prag und hat die Geschehnisse rund um das Botschaftsgebäude im Jahr 1968 fotografisch dokumentiert. Die beiden Bilder unten zeigen das Botschaftsgebäude in der Viktora Huga 10 mit der langen Warteschlange von Visawerbern.

Botschaftsgebäude 1968 mit Visawerbern

Österreichische Botschaft in Prag

In der Viktora Huga 10 befindet sich das Hauptgebäude der Österreichischen Botschaft in Prag (das Konsulat ist über den Eingang zur Drtinova 4 erreichbar), das seit 1922 im Eigentum der Republik Österreich steht. Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des Wäschereiinhabers Rudolf Richter nach den Plänen des Architekten František Tesař gebaut. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 war hier die Konsularabteilung der Botschaft des Deutschen Reiches untergebracht.

Botschaftsgebäude aktuell
Botschaftsgebäude aktuell

Österreichische Residenz

Die Österreichische Residenz unweit der Prager Burg ist im Palais des Albrecht Hložek von Žampach beheimatet. Es handelt sich dabei um ein Ende des 17. Jahrhunderts aus einem älteren Renaissancebau umgestaltetes Frühbarockgebäude. Im Jahr 1798 erhielt das Gebäude seinen ersten bürgerlichen Besitzer: Václav Hájek ersteigerte das Palais und es wurde nach 1826 in der Familie weitervererbt. Im 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer schnell und bautechnisch wurde das Palais nicht bedeutend verändert. Erst E. Morawitz führte nach den Plänen des Architekten Viktor Kafka umfassende bauliche Veränderungen durch, bei denen u.a. die ursprünglich angemalten hölzernen Decken aus dem späten 17. Jahrhundert freigelegt und konserviert wurden. Im Jahr 1928 wurde der Garten restauriert und der Stützmauer am Hirschgraben wieder errichtet. Die letzte Besitzerin des Palais vor dem Zweiten Weltkrieg war Gräfin Kunigunda Nostitz.

Am 2. Dezember 1942 wurde das Palais von Franz Anton Graf Nostiz-Rieneck enteignet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zur Residenz der Österreichischen Botschaft.

Über die Gebäude der Österreichischen Botschaft und der Österreichischen Residenz produzierte das Tschechische Fernsehen im Jänner 2011 eine Dokumentation, die im Internet unter folgendem Link abgerufen werden kann.

Österreichische Residenz

Österreichisches Kulturforum Prag

Das Österreichische Kulturforum Prag befindet sich am Jungmannovo náměstí 18 im Zentrum Prags in einem Gebäude der Ordensgemeinschaft der Franziskaner, der auch die Kirche „Maria Schnee“ (Kostel Panny Marie Sněžné) hinter dem Kulturforum gehört. Die Räumlichkeiten wurden erst 1996 für die Zwecke des Kulturforums adaptiert und bezogen. Dort stehen heute eine öffentlich zugängliche Galerie, eine umfangreiche Bibliothek sowie ein Veranstaltungs- und Konzertsaal für ca. 100 Personen zur Verfügung. Die Franziskaner betreiben neben der Kirche immer noch ein Kloster, das bereits seit dem Jahr 1603 an diesem Ort besteht, jedoch zwischen 1950 und 1989 aufgelassen werden musste. Die Kirche „Maria Schnee“ selbst wurde 1613 fertiggestellt und hat gemäß dem Wunsch von Kaiser Karl IV. mit einer Höhe von 39 Metern das höchste Kirchenschiff in Prag.

Österreichisches Kulturforum Prag