Bilaterales

Zu keinem anderen Land hat Österreich so enge und vielfältige Beziehungen wie zu Deutschland.

Während nach 1918 der Großteil der Bewohner der kleinen Republik Österreich, die nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie „übriggeblieben“ war, einen Anschluss an den großen Nachbarn Deutschland wünschte, kam es besonders nach der Katastrophe des Nationalsozialismus zu einer Stärkung des Österreich-Bewusstseins. Nach dem Abschluss des Österreichischen Staatsvertrags 1955, durch den die volle Souveränität des Landes wiederhergestellt wurde, trugen die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der II. Republik und nicht zuletzt die Rolle Österreichs als neutrales Land maßgeblich zur Identitätsfindung bei. Gleichzeitig kam es im Laufe dieser Jahrzehnte zu einer Stärkung der engen Verbindungen auf wirtschaftlichem, kulturellem und zwischenmenschlichem Gebiet. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 hat eine qualitative Änderung des bilateralen Beziehungsgefüges und die Europäisierung des Verhältnisses mit sich gebracht. Deutschland und Österreich teilen im europäischen Integrationsprozess zahlreiche gemeinsame Interessen.

220.000 Auslandsösterreicher leben in Deutschland, 213.000 Personen deutscher Herkunft in Österreich (Stand: 2015). Für Österreich ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner: Etwa 40 % der österreichischen Importe kommen von hier und ungefähr ein Drittel der österreichischen Ausfuhren geht nach Deutschland. Mehr als 53 % aller ausländischen Direktinvestitionen in Österreich fließen 2011 aus dem nördlichen Nachbarland, das mit 20% gleichzeitig das wichtigste Zielland österreichischer Direktinvestitionen im Ausland ist. Deutsche Unternehmen sind an einer Reihe von wichtigen Unternehmen in Österreich, wie Banken, Medienunternehmen oder Supermarktketten beteiligt. Von besonderer Bedeutung für die österreichische Wirtschaft ist auch der hohe Anteil deutscher Touristen am österreichischen Fremdenverkehr: Fast die Hälfte der Nächtigungen in österreichischen Tourismusbetrieben entfällt auf deutsche Gäste.

Besonders eng ist das Verhältnis im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich: Zahlreiche Kulturschaffende und Wissenschaftler aus Österreich arbeiten permanent oder vorübergehend in Deutschland und umgekehrt. Viele österreichische Autoren publizieren in deutschen Verlagen, zahlreiche österreichische Journalisten sind bei deutschen Medien tätig. Nicht zuletzt führt auch die enge Verflechtung des österreichischen Medienmarktes mit deutschen Verlagen und die Möglichkeit, mehrere deutsche Fernsehkanäle im österreichischen Kabelfernsehen zu empfangen, dazu, dass die öffentliche Diskussion politischer oder sozialer Themen sehr oft in beiden Ländern parallel abläuft.