Austausch zwischen Österreich und dem Iran

Österreichisches Kulturforum Teheran

Als im Gefolge der Revolution von 1979 sämtliche anderen westlichen ausländischen Kultureinrichtungen im Iran geschlossen wurden, blieb das bereits seit 1955/56 aktive und im Jahre 1958 offiziell eröffnete österreichische Kulturinstitut als einziges von diesem Schicksal verschont. So konnte die jahrhundertealte Tradition kultureller und wissenschaftlicher Beziehungen zwischen Iran und Österreich auch in jenen schwierigen Zeiten weitergeführt werden. Das nunmehrige Kulturforum erlangte so eine wohl weltweit einzigartige Monopolstellung, die in der Folge dazu genützt werden konnte, den am Ausland interessierten Iranern ein differenziertes Bild nicht nur der österreichischen, sondern der westlichen Kultur überhaupt zu vermitteln.

Die Tätigkeit des Kulturforums konzentriert sich vor allem auf drei Bereiche. Besondere Bedeutung hat das Engagement in der Deutsch-Ausbildung und Fortbildung von iranischen Deutschlehrern. Deutschunterricht bedeutet im Iran nicht nur die Vermittlung von Sprache, sondern die Begegnung mit der Elite des Landes, zählen zu den Teilnehmern doch in erster Linie angehende Akademiker, Wirtschaftstreibende und Künstler. Der rege Andrang zu den Deutschkursen – etwa 3000 Teilnehmer im Jahre 2015 – ist einer der Gründe, warum das Kulturforum auch nach der administrativen Anbindung an die österreichische Botschaft in seinem eigenen Gebäude verbleibt. Ein weiterer Grund ist die Bibliothek im Hause, die von 1900 registrierten Lesern regelmäßig benützt wird.

Das iranische Publikum ist begeistert von österreichischer Musik. Die Kooperation des Teheraner Symphonie-Orchesters mit österreichischen Musikern findet auf regelmäßiger Basis statt. Durch Gesprächskonzerte, Meisterkurse und Workshops wird über die musikalische Darbietung hinaus eine umfassende Vermittlung unserer Kultur und unseres musikalischen Know-how erreicht.

Dritte und heute in besonderer Weise aktuelle Zielrichtung der Kulturarbeit ist die Förderung des Dialoges der Zivilisationen, wobei wichtige Elemente hier besonders die Wissenschaftskooperation und die Ausbildung von Journalisten sind. Auch Vorträge und Seminare über österreichische Philosophen treffen auf Interesse, wobei freilich philosophisch-weltanschauliche Themen im Iran nach wie vor behutsam angegangen werden müssen.

Das Kulturforum Teheran sieht seine Tätigkeit in erster Linie eingebettet in die Aufgabe, im Rahmen des Dialoges der Zivilisationen zu Frieden und Verständnis zwischen dem christlich-abendländisch geprägten und dem islamischen Kulturkreis beizutragen. Da der Iran eines der politisch und kulturell einflussreichsten Länder im islamischen Raum ist, kann zielgerichtetes kulturpolitisches Engagement hier besonders große Wirkung entfalten.