Chancen für Österreich

Die große Erweiterung von 2004 erwies sich als enorme politische und wirtschaftliche Herausforderung und als großer Erfolg  für die  EU: Sie trug zu mehr Stabilität und Wohlstand in Europa bei. Österreichische Unternehmen nutzten die Investitionschancen in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) früher als die internationale Konkurrenz, sodass österreichische Direktinvestitionen bereits massiv in der Abschlussphase der Beitrittsverhandlungen getätigt wurden. Die OeNB weist den Anstieg des Bestands an österreichischen Direktinvestitionen in die Länder Mittel- und Osteuropas (MOEL) von 0,4 Mrd. Euro im Jahr 1990 auf 60.3 Mrd. Euro im Jahr 2014 aus.

Die dynamische Entwicklung des österreichischen Außenhandels mit den MOEL erfuhr durch deren EU-Beitritt einen weiteren Aufschwung. Die österreichischen Exporte in die neuen Mitgliedsstaaten haben sich seit deren EU-Beitritt fast verdoppelt: nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich stiegen diese von 11,3 Mrd. Euro 2003 auf fast 22 Mrd. Euro im Jahr 2015. Allein die Ausfuhren in die fünf Staaten in unmittelbarer Nachbarschaft in Mittel- und Osteuropa stiegen auf 19 Mrd. Euro 2015 an.

Österreich profitiert also als relativ kleine Volkswirtschaft stark vom Zugang zu einem größeren Markt ohne Handelsschranken. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat etwa berechnet,  dass die Ausweitung der Handelsmöglichkeiten durch die Ostöffnung zusammen mit der EU-Erweiterung Österreich ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von fast 20 Milliarden Euro sowie die Schaffung von rund 130.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gebracht hat.
 
Österreich tritt auch mit Nachdruck dafür ein, dass sämtliche Länder des westlichen Balkans Mitglieder der EU werden. Österreich ist größter Investor in Bosnien und Herzegowina sowie in Serbien und rangiert auch in allen anderen Staaten der Region auf einem der vordersten Plätze. Wirtschaftliche Entwicklung benötigt stabile wirtschaftliche Verhältnisse und verlässliche rechtsstaatliche Strukturen. Die Erfahrung lehrt uns, dass die Beitrittsperspektive der wichtigste Motor für die Stabilisierung und Modernisierung der Länder des westlichen Balkans ist. Im Rahmen des Beitrittsprozesses unterstützt Österreich den Aufbau von stabilen Institutionen, welche die europäischen Werte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz widerspiegeln.