Begegnungsreise

Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Rabbi Schlomo Hofmeister und Generalsekretär der Islamischen Seelsorge der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Imam Ramazan Demir unternahmen bereits im Dezember 2014 eine erste gemeinsame Reise nach Istanbul, Jerusalem und Hebron zu den dortigen heiligen Stätten. Die Reisenden wurden von der Task Force „Dialog der Kulturen“ im BMEIA unterstützt und von einem Journalisten und einem Fotografen begleitet.

Eine Präsentation der Begegnungsreise wurde beim hochrangigen Treffen zur Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen "Kultur für den Frieden" vorgestellt.
Die Fotoausstellung zur Begegnungsreise wird im Oktober in Istanbul und Ankara zu sehen sein.
Das daraus entstandene Buch kann in Buchhandlungen oder über office(at)amalthea.at bezogen werden.

Die diesjährige Begegnungsreise, wiederum von der Task Force „Dialog der Kulturen“ unterstützt, führte den Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Rabbi Schlomo Hofmeister, den Generalsekretär der Islamischen Seelsorge der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Imam Ramazan Demir und Dechant Ferenc Simon, Diözesanbeauftragter für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Erzdiözese Wien gemeinsam mit 6 jungen Menschen, die in ihren konfessionellen Gemeinden in Österreich aktiv sind, vom 29. März bis 5. April nach Jerusalem. Auch dieses Jahr besuchten die Begegnungsreisenden symbolische Stätten wie die Klagemauer, die Al Aqsa-Moschee und die Geburtskirche in Bethlehem, ebenso wie Familien aller Konfessionen. Die Begegnungsreisenden wurden vom ORF begleitet. Die Dokumentation kann über den ORF oder die Task Force Dialog der Kulturen bezogen werden.

Ziel der Reise war es, zu zeigen, dass Dialog und freundschaftliche Begegnungen zwischen Juden, Christen und Muslimen auch unter schwierigen Vorzeichen und jenseits politischer Konflikte möglich seien. 

Nicht Religion ist das Problem

BUCH-TIPP

Wenn zwei Freunde eine Reise machen, ist das nichts Besonderes. Anders, wenn der eine gläubiger Muslim ist und der andere ein ebensolcher Jude und beide auch die heiligen Stätten des jeweils anderen besuchen. Wenn Ramazan Demir und Schlomo Hofmeister - Imam resp. Gemeinderabbiner in Wien - gemeinsam reisen, tun sie das nicht ohne Hintergedanken. Traditionell religiös gekleidet, platzieren sie sich an religiösen Plätzen in der Türkei und in Israel/Palästina. Und ziehen Blicke auf sich. Vor der Blauen Moschee in Istanbul oder der Klagemauer in Jerusalem machen Fremde Fotos von den beiden, vom dunkelhaarigen Muslim in langem Mantel und mit traditioneller Kopfbedeckung eines islamischen Vorbeters und vom blonden Juden mit dem für Rabbiner typischen schwarzen Hut am Kopf. "Es ging uns vor allem darum, mit den Menschen in Kontakt zu kommen", erzählt Hofmeister im Buch "Reise nach Jerusalem" (erschienen im Amalthea Signum Verlag). Im Buch sprechen sie Themen an, die sie als religiöse Menschen ebenso betreffen wie Säkulare. Zuhören, Reden, Zuhören, Reagieren. Der interreligiöse Dialog, den Ramazan Demir und Schlomo Hofmeister auf diese Weise führen, behandelt aktuelle Themen wie Kopftuch-Debatte oder Radikalisierung im Namen der Religion ebenso wie grundlegendes Wissen über Judentum, Christentum und Islam. "Das Problem ist nicht die Religion", kommen beide im Buch überein. "Das Problem sind Menschen, die Religion missbrauchen."

Autorin: Anna Maria Steiner (DIE FURCHE)

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Österreichische jüdisch-muslimische Begegnungsreise nach Istanbul und Jerusalem

Der Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Schlomo Hofmeister und der Generalsekretär der Islamischen Seelsorge der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Imam Demir Ramazan unternahmen von 6.-11. Dezember 2014, unterstützt von der Task Force Dialog der Kulturen im BMEIA,  eine gemeinsame Reise nach Istanbul und Jerusalem zu den dortigen heiligen Stätten. Besucht wurden unter anderem die Sultan Ahmed Moschee, Klagemauer, Al Aqsa sowie das Grab des Patriarchen von Hebron. Auch das St. Georgs-Kolleg in Istanbul und das Österreichische Hospiz in Jerusalem befanden sich unter den Stationen dieser Reise.  

Ziel der Reise war es, die nicht-politische Komponente dieses in der Essenz politischen Konflikts kennenzulernen. Ebenso bestand das Ziel der gemeinsamen Reise, die von einem Fotografen (Florian Rainer) und einem Journalisten (Christian Ultsch) begleitet wurde, das Stereotyp der Unvereinbarkeit von jüdischem und muslimischem Glauben, der Unmöglichkeit einer jüdisch-moslemischen Freundschaft, und die Position einer militanten Exklusivität der heiligen Stätten aufzubrechen. Damit setzen österreichische religiöse Funktionsträger ein deutliches Zeichen der Dialogbereitschaft und der Moderation.  

Während der Reise führten Rabbiner und Imam zahlreiche Gespräche mit muslimischen und jüdischen Würdenträgern. Gesprächspartner, die von den beiden Geistlichen aus Wien mit der Videoaufnahme einer „Hasspredigt“ in der Al-Aqsa-Moschee konfrontiert wurden, erklärten, dass Geistlichen, welche vom Waqf beschäftigt würden, solche Predigten verboten und mit Konsequenzen belegt seien.  

Sowohl in Istanbul als auch in Jerusalem und Hebron wurden sie von österreichischen Vertretungsbehörden unterstützt (Kulturforum Istanbul, Österreichische Botschaft und Kulturforum Tel Aviv, ADA-Büro Ramallah). Unterstützend wirkte auch die türkische Botschaft in Wien.  Die israelischen und palästinensischen Behörden gewährten dankenswerterweise Hilfestellung für diese Begegnungsreise.  

Abgesehen vom deutlichen Zeichen, dass Dialog auch unter schwierigen Vorzeichen in der Region möglich ist, soll diese Begegnungsreise auch in Österreich den jüdisch-moslemischen Dialog befördern. Das BMEIA unterstützt bereits seit einiger Zeit diese und ähnliche Initiativen in Österreich, wie das Kunstprojekt „Close up: Abrahams Kinder“ und die ebenfalls österreichisch organisierte Muslim Jewish Conference (MJC).

Schlomo Hofmeister und Ramazan Demir vor der Klagemauer in Jerusalem
Bild: Florian RainerSchlomo Hofmeister und Ramazan Demir vor der Klagemauer in Jerusalem