Waffenhandelsvertrag (ATT)

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 2. Dezember 2009 in ihrer 64. Sitzung mit Resolution 64/48 die Abhaltung einer vierwöchigen Staatenkonferenz im Jahr 2012 beschlossen, in deren Rahmen ein rechtlich verbindlicher internationaler Waffenhandelsvertrag (Arms Trade Treaty/ATT) ausgearbeitet werden sollte. Demnach sollten mit dem Vertrag international höchstmögliche Standards für den Transfer konventioneller Waffen festgelegt werden. Der ATT sollte gemäß dem Beschluss der Generalversammlung einen Beitrag zur Bekämpfung bzw. Begrenzung der negativen Auswirkungen des illegalen und verantwortungslosen Waffenhandels auf Stabilität, Sicherheit und Menschenrechte, aber auch auf nachhaltige Wirtschafts- und Entwicklungspolitik leisten.
Österreich hat gemeinsam mit seinen EU-Partnern den Prozess zur Ausarbeitung des ATT im Rahmen der Vereinten Nationen nachdrücklich unterstützt. Damit verfolgte Österreich sein traditionelles Engagement im den Bereichen Abrüstung, Rüstungskontrolle und Stärkung des humanitären Völkerrechts. Österreich setzte sich im Kontext der Vereinten Nationen, auf EU-Ebene und in bilateralen Kontakten insbesondere dafür ein, dass der geplante internationale Waffenhandelsvertag höchstmöglichen Standards entspricht. Dazu zählen insbesondere die Schaffung zwingender menschenrechtlicher Genehmigungskriterien, ein lückenfreier Anwendungsbereich und effiziente Durchsetzungsmechanismen.
Die VN-Generalversammlung hat am 2.April 2013 mit ¾ Mehrheit (154 Ja-, 3 Nein-Stimmen und 23 Enthaltungen) die Annahme des Textes des ATT beschlossen. Der Text wurde im Rahmen einer Staatenkonferenz, die von der VN-Generalversammlung mandatiert unter dem Vorsitz des australischen Abrüstungsbotschafters Woollcott vom 18. – 28. März 2013 in New York stattgefunden hat, erarbeitet. Die Arbeiten erfolgten auf der Basis eines Vertragsentwurfs, der vom Vorsitzenden der ATT-Staatenkonferenz im Juli 2012, Bot. Moritan, vorgelegt wurde. Die Annahme des Textes durch die Staatenkonferenz am 28.März 2013 mit Konsens scheiterte zunächst am Widerstand Irans, Nordkoreas und Syriens. Unter den Enthaltungen bei der Abstimmung in der VN-Generalversammlung befanden sich China, Indien, Indonesien, Russland sowie Ägypten und ein Großteil der arabischen Gruppe. Der Vertrag lag erstmals am 3. Juni 2013 in New York zur Unterschrift auf und ist mit Hinterlegung der 50sten der Ratifikationsurkunde beim VN-Generalsekretär am 24. Dezember 2014 in Kraft getreten. Der aktuelle Stand der Unterschriften/Ratifikationen ist der Homepage des United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA) bzw. der Homepage des ATT Sekretariats zu entnehmen. Österreich hat den ATT am 3. Juni 2013 unterzeichnet und seine Ratifikationsurkunde genau ein Jahr später, am 3. Juni 2014 in New York hinterlegt.

Das Zustandekommen des ATT ist als historischer Erfolg zu bezeichnen, werden damit doch erstmals internationale Regeln für den Transfer von konventionellen Waffen aufgestellt. So werden Waffenexporte bei massiven Verstößen gegen humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte verboten, bei Exportentscheidungen sind auch Kriterien wie die Auswirkungen auf Frieden und Sicherheit, Weiterleitungsgefahr (inklusive Informationsaustausch zu Korruption) oder geschlechtsspezifische Gewalt zu berücksichtigen. Der Vertrag enthält Transparenzregeln, Vertragsänderungen sind mit qualifizierter Mehrheit möglich. Das ATT Sekretariat wurde von den Vertragsstaaten in Genf eingerichtet, wo in der Regel auch die jährlichen Vertragsstaatenkonferenzen stattfinden. 

Österreich wird so wie die EU-Partner und andere Unterstützer des ATT den Text im Sinne hoher Standards auslegen. So sind nach österreichischer Lesart Munition, Bestandteile und Komponenten ebenso zur Gänze vom Vertrag erfasst wie Leihgaben und Geschenke. Die Abwägung von schweren Menschenrechtsverletzungen gegenüber anderen Umständen wird von Österreich abgelehnt, die Berichtspflichten im Sinne einer Veröffentlichungspflicht von summierten Daten ausgelegt. Die höheren Standards von EU und Österreich bleiben weiter aufrecht. Die EU hat ein Programm zur Unterstützung von Drittstaaten bei der Umsetzung des ATT eingerichtet, in dessen Rahmen Österreich seine Expertise in Exportkontrollfragen einbringt.