Wien, 12. März 2001 Aussendung

AUSLANDSKULTUR NEU

12.03.2001

DAS KONZEPT (12. März 2001)

1.Einleitung

Kernaussagen:

  • Kultur prägt das Bild Österreichs in der Welt. Für die meisten Menschen erfolgt der erste Kontakt mit Österreich über die Kultur.
  • Kulturpolitik ist Teil des internationalen Wettbewerbes. Eine aktive Auslandskulturpolitik liegt daher in unserem vitalen Interesse.
  • Auslandskulturpolitik heißt, angesichts von Globalisierung und Standardisierung die Identität und Unverwechselbarkeit Österreichs zu sichern.
  • Auslandskulturpolitik ist ein Bestandteil internationaler Konfliktprävention und des "post conflict management".

Das Umfeld der österreichischen Auslandskulturpolitik hat sich mit dem Ende der Teilung Europas 1989, dem EU-Beitritt 1995 und der bevorstehenden EU-Erweiterung grundlegend geändert. Es ist ein anderes Europa und die österreichische Position in Europa und in der Welt ist eine andere geworden.

Hintergrund:

Es ist die Kultur, die das Bild Österreichs in der Welt prägt. Das Spezifische und Besondere eines Staates wird zunehmend anhand seiner Kultur wahrgenommen. Menschen reagieren auf Globalisierung mit einer Sehnsucht nach kultureller Differenzierung.

Das Selbstverständnis Österreichs ist komplexer als jenes vieler anderer Staaten, weil es nicht primär ethnisch bestimmt ist, sondern das Ergebnis historischer Erfahrungen ist, die mit der Vorstellung der produktiven Kraft kultureller Vielfalt, aber auch mit den negativen Erfahrungen nicht-demokratischer Epochen zusammenhängen.

Die Auslandskulturpolitik ist seit 1945 auf dem klaren Konzept der Stärkung der österreichischen Identität und Unverwechselbarkeit aufgebaut.

Die Auslandskulturpolitik hat gleichzeitig als dritte Säule der Außenpolitik eine klare Aufgabe innerhalb der Außenpolitik und der österreichischen Kulturpolitik.

Sie muß ihr in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickeltes Konzept laufend aktualisieren und mit den anderen außenpolitischen Schwerpunkten abstimmen.

 

2. 10 Leitsätze der österreichischen Auslandskulturpolitik

  1. Das internationale kulturelle Interesse an Österreich verlangt eine aktive Auslandskulturpolitik.
  2. Auslandskulturarbeit ist Serviceleistung für die österreichischen Kulturschaffenden und ihre internationalen Partner.
  3. Der Standortvorteil Kultur - ein "Unique Selling Point" Österreichs - muß auch in der Außenpolitik genutzt werden.
  4. Die kulturelle Basis der europäischen Einigung muß verstärkt werden.
  5. Die Strukturen müssen flexibel sein: "think global, act local".
  6. Die Auslandskulturpolitik exportiert Innovation und Tradition, Avantgarde und Mainstream als Ausdruck der Pluralität österreichischen Kulturschaffens.
  7. Die Auslandskulturarbeit kann spezifische Kompetenzen anbieten.
  8. Die Auslandskulturpolitik unterstützt die Mobilität in Wissenschaft und Bildung.
  9. Die Auslandskulturpolitik ist aktiver und kreativer Bestandteil der österreichischen Kulturpolitik.
  10. Die Auslandskulturpolitik ermöglicht, daß Österreich international nicht nur von Fremdbildern geprägt wird: Wir wollen selbst unsere Geschichten erzählen können.

 

3. Die Ziele

Kernaussagen:

  • "Winning Friends and Influencing People"
  • Darstellung der kulturellen Vielfalt Österreichs und Europas
  • Verstärkung des historisch gewachsenen Netzwerkes von kulturpolitischen Einrichtungen und Partnern im Ausland
  • Momente der Aufmerksamkeit für Österreich gewinnen
  • Definitionsmacht über unsere eigenen Traditionen und kulturellen Vorstellungen erreichen
  • Kulturelle Prozesse, die Österreich betreffen, müssen im Ausland auch aktiv erarbeitet werden

Hintergrund:

"Winning Friends and Influencing People"

Die Auslandskulturpolitik erreicht ihre Ziele durch einen weiten inhaltlichen Kulturbegriff und durch Projektarbeit nach klaren Kriterien und Schwerpunkten. Bei der Projektarbeit wird zwischen klaren grundsätzlichen Zielen abgewogen:

  • Informationsziel (über Österreich informieren)
  • Kommunikationsziel (Österreich in einem Dialog positionieren)
  • Internationalisierungsziel (die Internationalität Österreichs stärken)

Darstellung der kulturellen Vielfalt Österreichs und Europas

Albert Camus: "Europa lebt durch seine Gegensätze, es blüht durch seine Unterschiede auf (...) und hat eine Zivilisation geschaffen, von der die Welt abhängig ist, selbst wenn sie diese ablehnt". Die Vermittlung des kulturellen Beitrags Österreichs im Ausland schließt an diese Idee an. Wir verstehen Europa als gemeinsames kulturelles Projekt, sind mit dieser Überzeugung Mitglied der Europäischen Union geworden und verstehen dies als wesentliches Prinzip der österreichischen Auslandskulturpolitik.

Mit Kultur Identität und Verbindungen schaffen

Kultur bestimmt in einer globalisierten Welt zunehmend das Selbstverständnis und das Fremdbild der Staaten und weist gleichzeitig darauf hin, daß jede Identität sich in Unterscheidung von Anderen definiert, die als Bereicherung oder als Bedrohung empfunden werden können. Für Österreich war das Integrieren von Fremdem immer selbstverständlich, weil seine Identität vor allem kulturell bestimmt ist. Österreich ist keine klassische ethnische Nation, keine Nation, die sich nur über die Sprache begründet, sondern eine historisch gewachsene Kulturnation.

Verstärkung des historisch gewachsenen kulturellen Netzwerkes

Kultur ist ein österreichischer Standortvorteil. Österreich versteht sich nicht nur selbst als Kulturnation, sondern wird weltweit mit seinen reichen kulturellen Traditionen identifiziert. Wenn dies in einer raschlebigen Medienwelt in der Form von positiv simplifizierten Österreichbildern geschieht, so ist dies prinzipiell für die Auslandskulturpolitik ein "asset". Auf dieser Grundlage ist es möglich, das heutige künstlerische und wissenschaftliche Schaffen in den Mittelpunkt der Auslandskulturpolitik zu stellen. Bei dieser Aufgabe müssen alle neuen Kommunikationsmethoden und Technologien genutzt werden, um Informationen über Österreich rasch und gezielt vermitteln zu können.

Im internationalen Vergleich verfolgen Staaten mit Auslandskulturpolitik oft sehr unterschiedliche Ziele: Dies reicht vom ideologischen Wettbewerb über Bemühungen, die eigene staatliche Identität bekanntzumachen, die Absicht, das eigene Land weltoffener und internationaler zu machen bis zu wirtschaftlichen Überlegungen, die Standortpolitik, Tourismusförderung und Exportankurbelung betreffen, und bis zur Zieldefinierung einer "ethischen Außenpolitik".

Momente der Aufmerksamkeit für Österreich gewinnen

Um diese Ziele zu erreichen muß die Auslandskulturpolitik Kommunikationsebenen für die österreichische Kultur im Ausland schaffen und den Dialog fördern. Im Mittelpunkt stehen eine hohe Wertschätzung für kulturelles Schaffen und Kulturschaffende und eine Botschaft der Offenheit und Liberalität. Staaten berufen sich wieder mehr auf ihre kulturelle Differenz, aber tatsächlich spielen nationale und staatliche Grenzen weltweit in der wissenschaftlichen und künstlerischen Produktion und Vermittlung eine immer geringere Rolle. Dies bietet der Auslandskulturpolitik die Chance, kulturelle Vielfalt als Reichtum menschlichen Zusammenlebens darzustellen und Ängste vor kultureller Fremdheit abzubauen. Dies beruht auf der Überzeugung, dass Kultur im Prozess der Kommunikation entsteht und damit österreichische Auslandskulturpolitik dezentral nach den Interessen und Voraussetzungen in den jeweiligen Partnerstaaten inhaltlich und organisatorisch unterschiedlich agieren können muss.

Auslandskulturpolitik ist dabei nicht politischen oder wirtschaftlichen Zielen untergeordnet. Sie ist kein Mittel zur Durchsetzung unserer Vorstellungen über eine gerechte Ordnung der Welt. Wir exportieren keine Demokratiemodelle, sondern der realistische Auftrag lautet, Prozesse der Begegnung und des Dialogs in Gang zu setzen.

Definitionsmacht über unsere eigenen Traditionen und kulturellen Vorstellungen erreichen

Als kleiner Staat ist es nicht einfach, das Auslandsbild des eigenen Staates mitbestimmen zu können. Dafür bedarf es gezielter Anstrengungen der Auslands-kulturpolitik.

Bei Staaten, die neben einem wirtschaftlich und politisch mächtigen Nachbarn liegen, wird der Auslandskulturpolitik meist auch eine Abgrenzungsrolle zugemessen. Das Ziel heißt "to tell our own stories" und umfaßt jenen Bereich, der auch für Österreich übertragbar ist: einen größeren Anteil bei der Definition des Fremdbildes des Landes zu erreichen.

Kulturelle Prozesse, die Österreich betreffen, auch im Ausland aktiv erarbeiten

Eine wesentliche Aufgabe der Auslandskulturpolitik ist es, als Serviceeinrichtung für interessierte österreichische Personen und Institutionen die Möglichkeiten zu fördern, mit Partnern im Ausland in Kontakt zu treten, gemeinsame Projekte durchzuführen und Kooperationen zu entwickeln.

Damit wird im Ausland das Interesse und Verständnis für Österreich als Partner in kulturellen Bereichen gefördert und die internationale Einbindung Österreichs und seiner Kulturschaffenden gefördert. Die bessere Kenntnis Österreichs trägt in den Außenbeziehungen zu mehr Sicherheit und Kooperation bei.

Eine aktive Auslandskulturpolitik trägt im Inland dazu bei, auf breiter Basis das Konzept einer offenen Gesellschaft und die Internationalisierung der Kultur- und Bildungsstrukturen zu stärken.

 

4. Die Schwerpunkte 2001 - 2005

Kernaussagen:

Der Auslandskulturpolitik liegt ein Konzept geographischer Schwer-punkte zugrunde:

  • Globale Kulturzentren: New York, London, Paris, Rom, Tokio, Madrid, Moskau, Berlin
  • Kulturelle Nachbarn (Staaten mit traditionell engen kulturellen Beziehungen, wie z.B. Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei, Slowenien, Polen, Deutschland, Italien, Israel) unter Einschluß Südosteuropas (z.B. Kroatien, Bulgarien, Bundesrepublik Jugoslawien, Türkei)
  • Entwicklungspartner (Schwerpunktländer EZA und Osthilfe, südlicher Kaukasus)

Die Auslandskulturpolitik setzt inhaltliche Schwerpunkte:

  • Europa und die europäischen Werte: Diskussion um Europa und die "europäischen Werte" in Großveranstaltungen und Seminaren in europäischen Hauptstädten
  • Innovation aus Traditionen: Respektierte Traditionen nicht als Klischees festschreiben, sondern als Ausgangspunkt für Innovation nützen
  • Facing History: Auseinandersetzung mit der österreichischen Geschichte im 20. Jahrhundert (z.B. Vertriebene Kunst, Exilliteratur, jüdisch-österreichische Traditionen, Habsburgermythos, Widerstand vor 38, Aufarbeitung nach 45)
  • Culture for Enlargement: Österreich als Partner der mitteleuropäischen Nachbarn (z.B. gemeinsame Kunst- und Kulturprojekte, Diskussionen zu Abbau von nationalen Stereotypen und Vorurteilen)
  • Culture for Stability: Der Beitrag der Kultur zur Stabilisierung des Balkans (z.B. Projekte zur Stärkung von Demokratie und Zivilgesellschaft, neue Österreichbibliotheken in der Bundesrepublik Jugoslawien, Mazedonien und Moldawien).
  • Culture for Development: Kulturkooperation im Dialog mit unseren Partnerländern in der Dritten Welt.

Hintergrund:

Mit der Zeitenwende 1989, die ein Ende der geopolitischen Teilung Europas gebracht hat und in Europa Kultur zum Grundmuster internationaler Beziehungen gemacht hat, sowie dem österreichischen EU-Beitritt 1995 haben sich die Voraussetzungen und Möglichkeiten der Auslandskulturpolitik grundlegend geändert.

Ohne Schwerpunktsetzungen mit einem klaren und nachvollziehbaren Profil kann österreichische Kulturarbeit im Ausland nicht zu einem nationalen Anliegen gemacht werden. Es werden daher für einen mehrjährigen Planungszeitraum inhaltlich, geographisch und strukturell Schwerpunkte formuliert und umgesetzt.

Es geht um Projekte, die den mitteleuropäischen Standort Österreichs und die Eingebundenheit in die Vielfalt der europäischen Kultur vermitteln und damit einen Beitrag zur Qualität und zum Tempo europäischer Integration leisten. Die Erweiterung der Europäischen Union nach Mittel- und Osteuropa ist heute ein zentrales kulturelles Anliegen Österreichs in Europa.

Europäisch denken verlangt klare Schwerpunktsetzungen: etwa Beiträge zur Stabilisierung Südosteuropas zu leisten, und innerhalb der Europäischen Union einen bürgergesellschaftlichen Diskurs über europäische Werte zu führen, der nicht von den Interessen von Regierungen oder vom Macht- und Marktpotential großer Staaten dominiert wird.

Gleichzeitig müssen unsere kulturellen Kontakte mit jenen Entwicklungen, die in so unterschiedlichen Ländern wie den Vereinigten Staaten und Rußland neu und innovativ sind, ausgebaut werden.

Als Teil dieser mittelfristigen Schwerpunktsetzung wird eine Abstimmung mit den Aufgaben und den Strukturen der "Österreichischen Osthilfe" und der "Entwicklungszusammenarbeit" vorgenommen.

Die zunehmende internationale Vernetzung in den Bereichen Bildung und Wissenschaft bietet die Möglichkeit, Österreich international noch stärker mit seinen kulturellen und wissenschaftlichen Kontakten zu positionieren. Voraussetzung dafür ist eine gezielte Koordinierung der Auslandskulturpolitik mit den Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen in Österreich und mit den Auslandsaktivitäten des BMBWK.

 

5. Die Strukturen

Kernaussagen:

Die Auslandskulturpolitik wird konzeptiv und organisatorisch vom BMaA gestaltet. Zur Erreichung ihrer Ziele steht ein umfassendes Netz von Vertretungsbehörden und spezieller Institutionen zur Verfügung. Um die operativen Ziele der Auslandskulturpolitik zu erreichen, werden die bestehenden Instrumente laufend an geänderte politische, kulturelle und technologische Entwicklungen angepaßt. Die Instrumente der Auslandskulturpolitik sind auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen lokalen Nutzer und Partner ausgerichtet.

Für die kulturpolitische Schwerpunktarbeit im Ausland erfolgt eine Aufwertung und Fokussierung durch eine einheitliche corporate identity aller bestehenden Einrichtungen (Kulturinstitute und Kulturabteilungen), die die neue Bezeichnung führen werden:

"Österreichisches Kulturforum"

Entsprechend den jeweiligen lokalen Voraussetzungen werden alle bestehenden Kulturinstitute und Kulturabteilungen diese neue gemeinsame Positionierung und diesen neuen Markennamen der österreichischen Auslandskulturpolitik übernehmen und die derzeitigen Leiter der Institute und Abteilungen erarbeiten für ihre Standorte gemeinsam mit der Kulturpolitischen Sektion des BMaA mittelfristige Arbeitskonzepte.

Die traditionelle Offenheit in der Arbeit unserer Kultureinrichtungen wird weiter ausgebaut. Die "Kulturforen" arbeiten inhaltlich (wie bisher Institute und Abteilungen) eigenverantwortlich, die Verwaltung erfolgt - wo dies möglich ist - jeweils durch die Botschaft.

Für diese Zentren der österreichischen Kulturarbeit wird ein gemeinsames "Design" (einschließlich Logo) entwickelt.

Zur Stärkung der Schwerpunktarbeit in Südosteuropa wird zusätzlich 2001 ein neues "Österreichisches Kulturforum" in Belgrad eröffnet

Damit verfügt Österreich weltweit über ein Netzwerk von insgesamt 28 Österreichischen Kulturforen:

 

Agram, Ankara, Belgrad, Berlin, Bern, Budapest, Bukarest, Brüssel, Istanbul, Kiew, Krakau, Laibach, London, Madrid, Mailand, Moskau, New York, Ottawa, Paris, Prag, Pressburg, Rom, Stockholm, Teheran, Tel Aviv, Tokio, Warschau, Washington

In der neuen Struktur zählen zu den Instrumenten der Auslandskulturpolitik im Ausland:

  • alle Botschaften und Generalkonsulate
  • die "Österreichischen Kulturforen"
  • Österreichbibliotheken
  • Österreich-Institute
  • EZA - Büros

Weitere Reformüberlegungen:

  • Projektzentren auf Zeit (für Schwerpunktthemen und Großprojekte)
  • Standorte und Wirkung von Kulturforen (einschließlich Überlegungen bezüglich Teilrechtsfähigkeit) regelmäßig prüfen
  • Österreichische Kulturzentren für europäische Regionen statt für Staaten (z. B. für Südosteuropa, Skandinavien)
  • allfällige zusätzliche Kulturbeauftragte in den Beitrittswerberstaaten für Sonderveranstaltungen (bis zur EU-Mitgliedschaft)
  • "Public-Private"-Partnerschaften mit Wirtschaftsunternehmen
  • Stärkere Kooperation mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen/Rundfunk (incl. 3sat)
  • Nutzung aller Möglichkeiten der neuen Informationstechnologien
  • Ausbau der Österreichbibliotheken (Informations- und Servicefunktion verbessern)
  • Heranziehung von Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Medien als
  • "kulturelle Sonderbotschafter" für konkrete Großprojekte und spezifische kulturelle Anliegen Kulturelle Mitarbeit von Honorarkonsulaten
  • Motivations- und Belohnungsstrategien (z.B. Auslandskulturpreis, Ausschreibung von Wettbewerben zu Schwerpunktthemen)
  • Verstärkte Koordinierung mit bestehender Auslandsinfrastruktur anderer öffentlicher Stellen (z.B. Historische Institute in Madrid und Rom, Bildungsbeauftragte des BMBWK, Außenstellen des OSI, Auslandsbüros von Ländern und Städten)
  • Vernetzung mit den Lektoren- und Stipendienprogrammen (BMBWK)
  • Evaluierung der Rolle der Österreichzentren und Österreichlehrstühle an ausländischen Universitäten
  • Überprüfung des Stellenwertes und der Funktion der Förderung der deutschen Sprache im Ausland für österreichische Auslandskulturpolitik

Die Instrumente (z.B. Ideenbörsen anstelle von klassisch strukturierten Instituten), Methoden (z.B. nachhaltige Projekte anstelle von Einzelveranstaltungen) und Zielsetzungen (z.B. Dialogangebote mit Österreich anstelle reiner Präsentation eines Österreichbildes) werden ständig weiterentwickelt.

Für kulturellen Transfer sind flexible Strukturen und Methoden erforderlich. Als Pilotversuch werden daher Projektinitiativen auf Zeit vorbereitet, die Schwerpunktthemen und Großprojekte eigenverantwortlich betreuen.

Pilotprojekt: "Schwerpunktkooperation auf Zeit"

Um flexibel auf neue Anforderungen und Chancen der Auslandskulturarbeit reagieren zu können, zur Entwicklung regionenspezifischer Strategien und zur Initiierung kultureller Großprojekte, werden als Pilotprojekt an europäischen Orten, die in den nächsten Jahren für die österreichische kulturpolitische Positionierung von entscheidender Bedeutung sind, Kulturexperten als "Kulturpartner" für einen mehrjährigen Zeitraum eingesetzt. Als erstes wird mit Paris begonnen:

Kulturpartner "Standort Paris"

Die "Kulturpartner" konzentrieren sich in Abstimmung mit den Kulturverantwortlichen des BMaA vor Ort auf die Entwicklung und Durchführung von neuen künstlerischen und wissenschaftlichen Kooperationsprojekten, die eine Teilnahme an innovativen kulturellen Prozessen unterstützen und neue Impulse für eine nachhaltige Kulturkooperation geben. Sie agieren frei von den traditionellen Strukturen der Kulturarbeit. Für diesen Zweck erhalten sie ein Budget für Projektentwicklungen und -durchführungen.

Hintergrund:

Die wesentlichen Kriterien für erfolgreiche operative Auslandskulturpolitik sind:

  • Kompetenz
  • Innovation
  • Glaubwürdigkeit

Wichtig sind Persönlichkeiten, die kulturellen Transfer glaubhaft und kreativ zustandebringen und die mit Partnerinstitutionen im jeweiligen Empfangsstaat zusammenarbeiten. Neben dem Pilotprojekt "Kulturpartner" werden weitere Flexibilisierungsschritte überlegt:

Wenn für begrenzte Zeiträume Schwerpunktregionen formuliert werden, könnten Österreichische Kulturzentren für europäische Regionen statt für Staaten (z. B. für Südosteuropa, Skandinavien) die Projektarbeit unterstützen.

Persönliche Kulturbeauftragte in den EU-Beitrittswerberstaaten würden zusätzliche Impulse für den Kulturtransfer und die kulturelle Nachbarschaft schaffen.

Vernetzungen mit dem öffentlich-rechtlichen Radio/Fernsehen in Österreich als Teil seines öffentlichen Auftrages könnten der Auslandskulturpolitik zusätzliche Wirkung verschaffen. In der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Medien könnten als "kulturelle Sonderbotschafter" für konkrete Großprojekte und spezifische kulturelle Anliegen gewonnen werden.

Die neuen Technologien und die fortschreitende Digitalisierung von Information machen Wissen sofort und global verfügbar. Eine moderne Kulturpolitik muß "on line" und "off line" präsent sein. Die Möglichkeiten der neuen Informationstechnologien müssen auch im nichtkommerziellen Bereich des Kulturschaffens gefördert und damit genutzt werden.

Das österreichische Auslandslektorenprogramm und andere wissenschaftspolitische Mobilitätsmaßnahmen könnten im Zusammenwirken mit der Auslandskulturpolitik eine stärkere Wirkung entfalten.

Die zahlreichen Österreichzentren und Österreichlehrstühle an ausländischen Universitäten könnten gezielt mit anderen Initiativen der Auslandskultur koordiniert werden. Dies gilt auch für die österreichische Spracharbeit im Ausland.

Für entscheidende Bereiche der Zukunftsfähigkeit Österreichs, etwa die Vorbereitung der EU-Erweiterung in Mitteleuropa, können strategische Partner in der österreichischen Wirtschaft in die kulturpolitischen Aktivitäten einbezogen werden, um gemeinsame Projekte in den Beitrittsstaaten durchzuführen.

Aufgaben der Auslandsvertretungen des BMaA im kulturellen Bereich

Aufgaben der diplomatischen und konsularischen Vertretungsbehörden

Kulturarbeit ist ein integraler Bestandteil der Arbeit aller bilateralen diplomatischen und konsularischen Vertretungsbehörden - an jenen Orten, an denen "Österreichische Kulturforen" eingerichtet sind, wird sie von diesen Zentren betreut.

Der Vertretungsbehörden erhalten daher zur Stärkung ihrer Projektarbeit ab 2001 wie die "Kulturforen" ein jährliches Veranstaltungsbudget.

Die grundsätzlichen Ziele und Jahresplanungen der Kulturarbeit im Gastland werden im Einvernehmen mit der Kulturpolitischen Sektion des BMaA festgelegt. Die mit der Umsetzung der Ziele betrauten Kulturverantwortlichen der Botschaften tragen die Verantwortung für Projektinitiierungen und die organisatorische Durchführung.

Die Vertretungsbehörden bieten für die kulturelle Außenpolitik Know-How, Infrastruktur und ein kontinuierlich aufgebautes Kontaktnetz. Sie konzentrieren sich auf die

  • Präsentation österreichischen Kulturgutes, mit einem Schwerpunkt auf dem zeitgenössischen Kulturleben
  • Kulturelles Projektmanagement in Partnerschaft mit Institutionen des Gastlandes
  • Förderung kultureller und wissenschaftlicher Begegnungen
  • Funktion als Informations- und Servicestelle für kulturelle Angelegenheiten
  • Mitwirkung bei der Durchführung der Kulturabkommen.

Im künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich organisieren, vermitteln oder initiieren die Vertretungen u.a:

  • Ausstellungen
  • Film- und Videoprojekte/veranstaltungen
  • Kulturtage, Österreichwochen
  • literarische Vorträge, Lesungen, Buchpräsentationen
  • Konzerte
  • Theater- und Tanzvorführungen
  • Multimediaprogramme
  • wissenschaftliche Vorträge
  • Seminare, Workshops, Symposien, Diskussionsveranstaltungen
  • Sprachkurse, Lehrerfortbildungskurse
  • wissenschaftliche Kooperationsprojekte
  • Buchspenden
  • die Übersetzung österreichischer Autoren
  • die Herausgabe von Publikationen österreichbezogener Inhalte
  • Aufenthalte von Wissenschaftlern, Lektoren, Sprachassistenten, Studenten und Kulturschaffenden
  • Österreichzentren, -bibliotheken, -lehrstühle
  • Information mit Hilfe traditioneller und neuer Medien

Sie orientieren sich bei Projektentwicklungen und -entscheidungen an den folgenden Kriterien:

  • Inhaltliche Qualität der Projektidee
  • Projektzielformulierung
  • Projektzielbeurteilung:
  • Übereinstimmung mit inhaltlichen (z.B. "europäische Werte"), geographischen (z.B. "Südosteuropa") und methodischen (z.B. Neue Medien/Internet)Schwerpunktsetzungen der Auslandskulturpolitik Zielgruppenorientierung
    Ressourceneinsatz
    Wirkung
  • Zu erwartende Professionalität bei der Umsetzung

Die "Kulturforen" bieten all dies und haben zusätzliche Möglichkeiten

Ein "Österreichisches Kulturforum" ist jeweils an einem Ort mit einem besonderen auslandskulturpolitischen Interesse Österreichs eingerichtet. Es bietet, auf Grund der eigenen Infrastruktur und Kompetenz, zusätzliche Möglichkeiten, selbständig Projekte und Veranstaltungen von kulturpolitischem oder außenpolitischem Interesse durchzuführen.

Kulturforen bieten:

  • Informationszugang und -vermittlung durch für kulturelle Aufgaben geschulte Mitarbeiter (teilweise auch Bibliothek, Medienzentren und Publikationsforen)
  • Infrastruktur für kulturelle Großprojekte
  • praktische Unterstützung österreichischer Kulturschaffender (Kontakte, Technik, Infrastruktur, Unterbringung)

Die Bibliotheken der bisherigen Kulturinstitute werden bezüglich des Raumangebotes, der Möglichkeiten moderner Informationsvermittlung und der Benützerbetreuung attraktiver gemacht. Wo dies auf Grund fehlender räumlicher oder finanzieller Ressourcen nicht möglich ist, werden Auslagerungen an interessierte Facheinrichtungen des Landes (Bibliotheken, Universitäten) vorbereitet.

Um auf die Möglichkeiten und Erfordernisse am jeweiligen Standort flexibel und kreativ reagieren zu können, gestalten die Kulturforen ihr Programm dezentral in Abstimmung mit den generellen Prinzipien und Schwerpunkten der Auslandskulturpolitik. Für kulturelle Veranstaltungen und Projekte werden jährlich Kreditmittel zugewiesen.

Um den operativen Gestaltungsraum der in Zukunft insgesamt 28 Österreichischen Kulturforen zu stärken, werden entsprechend den jeweils spezifischen lokalen Voraussetzungen alle Möglichkeiten zur Verwaltungsvereinfachung und Herstellung von Synergien in der Vertretungsbehörde vor Ort genutzt, um das Verhältnis zwischen Strukturkosten und operativen Kosten deutlich zu verbessern.

Die Kulturforen erhalten die Möglichkeit, Praktikanten und Volontäre zur Mitarbeit heranzuziehen.

Wo bisherige Kulturinstitute in gemeinsamen Gebäuden mit einer anderen österreichischen Vertretungsbehörde untergebracht sind (Budapest, Istanbul) oder dies auf Grund von erfolgten Prüfungen vorgesehen ist (Mailand), werden Verwaltungszusammenlegungen vorbereitet.

Österreichische Kulturforen mit eigenen Gebäuden (derzeit London, New York, Prag, Rom, Warschau) werden hinsichtlich des Input-Output-Verhältnisses regelmäßig überprüft.

Österreichbibliotheken

Die seit 1989 an derzeit 44 Orten in 20 Staaten überwiegend im mittel- und osteuropäischen Raum eingerichteten Österreichbibliotheken stellen ein innovatives und flexibles Instrument österreichischer Auslandskulturpolitik dar. Sie bestehen jeweils in Partnerschaft mit lokalen Einrichtungen im Gastland (Bibliotheken und Universitäten) in Städten, in den keine österreichische Vertretungsbehörde besteht und bieten auf den jeweiligen Standort abgestimmte Informationen über österreichische Kultur (Bücher, Videos, Zeitungen, Zeitschriften, Zugang zu online-Medien). Die Fixkosten werden überwiegend vom lokalen Partner getragen. Das Außenministerium fungiert als "content provider" (Grundausstattung mit Büchern, jährliche Aktualisierung durch Ankaufsbudgets, Stärkung des Österreichbezugs des lokalen Personals und lokaler Germanisten durch Stipendienaufenthalte in Österreich und Organisation von Fortbildungsseminaren). Zusätzliche Ressourcen können daher zu 100 Prozent für operative Ziele (Veranstaltungen) eingesetzt werden.

Die fachliche Betreuung in Österreich erfolgt unter Nutzung von in diesem Bereich tätigen Institutionen (Österreichisches Ost- und Südosteuropainstitut und Österreichische Gesellschaft für Literatur), wodurch im BMaA keine Parallelstrukturen aufgebaut werden mußten. Mit einem Jahresaufwand von weniger als ATS 100.000.- pro Bibliothek ist dieser Teil der Auslandskulturarbeit ein Beispiel dafür, wie bei Nutzung von Synergien und dem gezielten Ansprechen von Österreichinteressen im Ausland vorhandene Mittel effizient und aufgabenorientiert eingesetzt werden können.

In Umsetzung der aktuellen kulturpolitischen Schwerpunktsetzungen werden 2001 Bibliotheken in Belgrad (Jugoslawien), Riga (Lettland) und Bitola (Mazedonien) eröffnet.

Zur Frage eines weiteren Ausbaus des Bibliotheksnetzes und einer Evaluierung und Stärkung der bestehenden Bibliotheken wird ein mittelfristiges Entwicklungskonzept erstellt.

Österreich Institut G.m.b.H

Mit BGBL. Nr. 177/1996 wurde die zu 100 Prozent im Bundeseigentum stehende Österreich Institut G.m.b.H. geschaffen, um bis dahin von den Kulturinstituten geführte österreichbezogene Deutschkurse an verschiedenen europäischen Standorten in privatrechtlicher Form durchzuführen. Angestrebt wurde eine erhöhte Professionalität, klare arbeitsrechtliche Anstellungsverhältnisse des Lehrpersonals und eine marktwirtschaftliche Organisation.

Die Sprachkurstätigkeit erfolgt in der Schwerpunktregion Mittel- und Osteuropa (Bratislava, Budapest, Krakau, Mailand, Warschau). In den knapp fünf Jahren des Bestandes wurde die Gesamtteilnehmerzahl von rund 4500 auf derzeit 8000 gesteigert. Der jährliche Zuschußbedarf seitens des BMaA beträgt derzeit ca. ATS 13 Mio (vor Ausgliederung ATS 14 Mio). Bei einer Überprüfung seitens der Finanzierungsgarantiegesellschaft (FGG) wurde die Österreich Institut GmbH als erfolgreiche Ausgliederung genannt. Ein detailliertes Unternehmens- und Marketingkonzept ist derzeit in Ausarbeitung. Um Mittel für die operative Arbeit in der Auslandskulturpolitik freizusetzen, wird nach der Aufbauphase des Institutes der Eigentumsanteil des Bundes durch Einbeziehung privater Interessenten reduziert werden. Die Österreich Institut GmbH ist beauftragt, die Struktur und Qualität des Kursangebotes sowie die Fortbildungsmöglichkeiten der Sprachlehrer regelmäßig zu prüfen.

Auf Grund der Budgetsituation stehen keine Bundesmittel für eine Ausweitung der Kursorte zur Verfügung. Nach Absprache mit der Geschäftsführung werden realistische Vorgaben für eine Reduzierung des Gesamtzuschußbedarfes festgelegt werden. Unter der Voraussetzung, daß sich das BMBWK und private Wirtschaftspartner an diesem Projekt beteiligen, wird die Österreich Institut GmbH mit einer Starthilfe des BMaA als Internetangebot ein "Österreich-Portal" für Deutsch als Fremdsprache entwickeln.

Die Förderung der deutschen Sprache im Ausland ist seit langem ein zentrales Aufgabengebiet der deutschen Auslandskulturpolitik. Österreich beschränkt sich im Sprachkursangebot im wesentlichen auf Aktivitäten in Nachbarstaaten, die uns historisch und kulturell eng verbunden sind. Über eine relativ größere Präsenz verfügt Österreich derzeit im Bereich von Lehrern an Auslandsschulen und Lektoren an ausländischen Germanistikinstituten, die vom BMBWK finanziert werden (siehe Anhang).

Sprachenpolitik keine Kernaufgabe der Auslandskulturpolitik. Sie ist eine Querschnittsmaterie, die von verschiedenen Ressorts wahrgenommen wird und auch im Interesse der österreichischen Wirtschaftsbeziehungen liegt. Sie kann nicht ausschließlich von der österreichischen Auslandskulturpolitik geleistet werden. Inhaltliche Kulturarbeit zu Schwerpunktthemen und -regionen hat einen höheren Stellenwert. Daher ist bei beschränkten Ressourcen eine Prioritätenabwegung des Mitteleinsatzes vorzunehmen.

Kulturpolitik in multilateralen Institutionen

Die Vertretung der kulturpolitischen Interessen Österreichs in internationalen Organisationen, wie beispielsweise in der Europäischen Union und im Europarat, ist Teil der Auslandskulturpolitik. Das Gesamtbild Österreichs wird auch von unserem Auftreten und Einsatz in internationalen multilateralen Gremien geprägt.

 

6. Aktionsplan

Kernaussagen:

Auf Grundlage dieses auslandskulturpolitischen Konzeptes werden die folgenden Modernisierungsschritte gesetzt:

  • Umgestaltung der bestehenden Kulturabteilungen und Kulturinstitute zu insgesamt 28 Zentren mit der Bezeichnung "Österreichisches Kulturforum"
  • Einrichtung eines neuen "Österreichischen Kulturforums" in Belgrad
  • An den Österreichischen Kulturforen werden Ausbildungs- und Mitarbeitsmöglichkeiten für junge Österreicher als Volontäre und Praktikanten geschaffen (1-6 Monate)
  • Stärkung der operativen Kulturarbeit durch Nutzung des Sparpotentials von Verwaltungszusammenlegungen an Orten mit mehreren Vertretungsbehörden
  • Stärkung der Auslandskulturpolitischen Sektion im BMaA durch eine Geschäftseinteilung, die den Strukturen des neuen Konzeptes angepaßt wird
  • Mittelfristige Steigerung des operativen Kulturbudgets am gesamten Außenamtsbudget von derzeit ca. 1,8% (ATS 70 Mio) auf 3% durch Verbesserung des Verhältnisses zwischen Fixkosten (Personal- und Sachaufwand) und Projektkosten
  • Konzentration der Personal- und Finanzressourcen auf die mittelfristig festgelegten Schwerpunktregionen
  • Einrichtung von "Schwerpunktkooperationen auf Zeit" für Projektentwicklungen und neue Impulse kultureller Kooperation: "Kulturpartner Standort Paris"
  • Aufbau inhaltlicher und struktureller Partnerschaften mit den offiziellen Auslandskultureinrichtungen in den Beitrittskandidaten (Plattform mitteleuropäische Auslandskulturpolitik) und in den EU-Staaten (Kooperationen innerhalb und außerhalb des EU-Raumes)
  • Einrichtung von "public-private" Partnerschaften für gemeinsame Großprogramme mit Wirtschaftspartnern (Pilotprojekt: "Culture for Enlargement")
  • Verbesserung der budgetrechtlichen Möglichkeiten für die Zusammenarbeit der Vertretungsbehörden mit privaten Sponsoren (Sponsorenerlaß)
  • Höherer finanzieller Gestaltungsrahmen für dezentrale Projektentscheidungen zur Stärkung der Eigenverantwortlichkeit
  • Jahreskulturbudgets für alle bilateralen Vertretungsbehörden, um deren Konzept- und Planungsarbeit zu stärken
  • Verstärkung der Aus- und Fortbildungsangebote im Kultur-management innerhalb des BMaA
  • Einbeziehung von externen Fachleuten und Kulturschaffenden (z.B. Kuratoren) für längerfristige Projekte und zur Stärkung inhaltlicher Kompetenz
  • Weiterer Ausbau der Web-Präsenz der Auslandskulturstellen sowie Einrichtung von Webportals für die Österreichbibliotheken
  • Erstellung eines mittelfristigen Entwicklungskonzeptes für die Österreichbibliotheken (2001: neue Bibliotheken in Belgrad, Riga und Bitola/Mazedonien)
  • Reduzierung des staatlichen Zuschußbedarfes für die Österreich Institut G.m.b.H durch Verkauf von Eigentumsanteilen (derzeit zu 100% in Staatsbesitz). Zweckgebundene Verwendung der Erlöse für projektbezogene Auslandskulturarbeit
  • Verstärkte Koordinierung mit den Bundesländern und Gemeinden. Entwicklung gemeinsamer Strategien und Projektvorhaben (derzeit Vorbereitung einer Wiener Kulturwoche in Belgrad)
  • Vorbereitung eines koordinierten Gesamtkonzeptes der Auslandskulturpolitik unter Einschluß der Bereiche Bildung, Schule, Universität sowie Forschung, Bibliotheken und Museen (gemeinsam mit Kunststaatssekretariat und BMBWK)

Hintergrund:

Die Modernisierung der Strukturen, die Schwergewichtsverlagerung auf konzeptives projektorientiertes Arbeiten, die intensivierte Koordinierung mit anderen staatlichen Akteuren im Kunst-, Bildungs- und Wissenschaftsbereich und der Ausbau von Vernetzungen mit ausländischen Partnerorganisationen und mit der Wirtschaft kann sicherstellen, daß trotz budgetärer Sparmaßnahmen zur Erreichung der Haushaltsziele der Regierung die inhaltlichen Zielsetzungen österreichischer Auslandskulturpolitik erreicht werden - selbst das Bild Österreichs im Ausland zu gestalten.

Ziel dieses Aktionsplanes ist es, daß die österreichische Auslandskultur-politik schwerpunktorientiert, stärker auf die Nutzung moderner Technologien ausgerichtet, und in ihren Strukturen effizient und damit international wettbewerbsfähig agieren kann.

 

ANHANG

Staatliche Österreichische Kultureinrichtungen und Initiativen im Ausland (Stand März 2001)

Struktur

Österreich verfügt derzeit über ein reiches Netzwerk an Institutionen und Personen, die sich im Ausland zur Gänze oder teilweise mit der Präsentation und Vermittlung österreichischer Kultur befassen. Die Schwerpunkte liegen im EU-Raum, den mitteleuropäischen Nachbarstaaten und in Nordamerika.

Diese Institutionen ressortieren zu unterschiedlichen Bundesdienststellen. Ergänzt werden sie von Ländereinrichtungen (z.B. Wienbüros und Außenstellen der Österreichwerbung), die teilweise kulturelle Aktivitäten setzen.

Daneben bestehen in zahlreichen Staaten universitäre österreichbezogene Organisationen, die von Österreich initiiert und unterstützt werden.

Organisation

Die Organisationsformen reichen von nachgeordneten Dienststellen über Vereine bis zu GmbHs.

Übersicht der vom Bund getragenen Institutionen und Personengruppen im Ausland, die mit kultureller Zusammenarbeit befaßt sind:

Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten

  • "Österreichisches Kulturforum" (bisher Kulturinstitute und Kulturabteilungen)

Mit Ausnahme des Institutes in Rom (1935) wurden die Kulturinstitute im wesentlichen in vier Phasen nach dem Zweiten Weltkrieg zur Stärkung und Präsentation der österreichischen Eigenständigkeit und seiner kulturpolitischen Schwerpunkte geschaffen:

  • Im Umfeld des Staatsvertrages (Paris, London, New York)
  • An der Schnittstelle Europa/arabische Welt (Kairo, Istanbul, Teheran)
  • Am Beginn einer gezielten Nachbarschaftspolitik (Agram, Budapest, Warschau)
  • Zum Ausbau der mitteleuropäischen Nachbarschaft (Prag, Mailand)

Mit der Neustrukturierung wird es insgesamt 28 Österreichische Kulturforen geben:

Agram (seit 1974)
1955 Gründung einer österr. Lesehalle. 1972 großzügiger Umbau (incl. Schaffung eines Mehrzwecksaales für ca. 120 Personen). 1974 Umwandlung der Lesehalle in ein Kulturinstitut. Ab 2001 administrativ mit Botschaft verbunden; Weiterführung eigener Räumlichkeiten.
Ankara (seit 2000)
Belgrad (ab 2001)
Berlin (seit 1991) Neueröffnung mit Botschaft im Juli 2001; eigene Galerie, Veranstaltungsraum
Bern
Budapest (seit 1977)
Bukarest (seit 1999)
Brüssel
Istanbul (seit 1963) 1961 Gründung der Nebenstelle Istanbul des Österr. Kulturreferates in Kairo; 1963 in das "Österr. Kulturreferat - Istanbul" umgewandelt; gemeinsame Unterbringung mit Generalkonsulat.
Kiew (seit 1994)
Krakau (seit 1989) zunächst Kulturbüro der ÖB Warschau, seit 1991 Generalkonsulat "mit besonderer Berücksichtigung der kulturellen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit" mit Kulturabteilung
Laibach
London (seit 1956) eigenes Gebäude
Madrid (seit 1992)
Mailand (seit 1993) eigenes Gebäude (Stockwerk); gemeinsame Nutzung mit Generalkonsulat geplant.
Moskau
New York (seit 1963) 1956 Einrichtung des "Österr. Kulturreferates"; 1963 Umwandlung in Kulturinstitut; Eröffnung des neuen Gebäudes im Oktober 2001.
Ottawa
Paris (seit 1954) 1947 Abschluß eines Kulturabkommens. 1951 Konstituierung einer österreichisch-französischen Gesellschaft unter dem Namen "Centre Culturel Autrichien en France"; Verkauf des eigenen Gebäudes wird vorbereitet, Integration in Botschaft.
Prag (seit 1993) Auf der Basis eines Kulturabkommens zwischen Österreich und der Tschechischen Republik; eigenes Gebäude.
Pressburg (seit 1990) bisher unter der Bezeichnung "Österreichisches Kulturzentrum"; eigene Veranstaltungsräumlichkeiten.
Rom (seit 1935) 1881 Gründung des Österr. Historischen Institutes in Rom. 1935 Abschluß des Kulturabkommens zwischen Österreich und Italien und Erweiterung des Österr. Historischen Institutes in
Rom zu einem Kulturinstitut; eigenes Gebäude wird gemeinsam mit dem Historischen Institut genutzt.
Stockholm
Teheran (seit 1959) Bis 1969 Teil des "Kulturreferates für den Vorderen Orient" mit Sitz in Kairo. Seit Juli 2000 administrativ mit Botschaft verbunden; eigenes Gebäude bleibt auf Grund der Sprachkurse erhalten.
Tel Aviv
Tokio

Warschau (seit 1965) 1963 als Lesehalle gegründet; seit 1965 führt es die Bezeichnung Kulturinstitut; eigenes Gebäude.
Washington multifunktionaler Veranstaltungsraum.

  • Botschaften, Generalkonsulate, Vertretungen bei Internationalen Organisationen
  • Österreichbibliotheken (44)

Albanien: Shkoder
Bosnien-Herzegowina: Sarajevo, Tuzla
Bulgarien: Sofia, Veliko Tirnovo
Bundesrep. Jugoslawien: Novi Sad, Prishtina
Estland: Tallinn Georgien: Tiflis
Israel: Jerusalem
Italien: Udine, Trient
Kasachstan: Alma Ata
Kroatien: Osijek
Litauen: Vilnius
Polen: Posen, Krakau, Breslau, Przemysl, Oppeln
Rumänien: Bukarest, Temesvar
Russland: Moskau, St. Petersburg, Nishnij Nowgorod
Slowakei: Pressburg, Kosice
Slowenien: Marburg
Tschechische Republik: Brünn, Reichenberg, Znaim, Olmütz, Budweis, Troppau
Ukraine: Lemberg, Cernowitz, Kiew, Charkov
Ungarn: Szeged, Szombathely, Pecs, Debrecen
Weißrussland: Minsk

  • Österreich Institut GmbH (5 Außenstellen)

Derzeit in Mailand, Pressburg, Warschau, Krakau und Budapest

  • Koordinationsbüros Osthilfe (7)

Sarajevo, Montenegro, Pristina, Tirana, Skopje, Bukarest und Sofia

  • Koordinationsbüros Entwicklungszusammenarbeit (11)

Managua, Nicaragua
Kampala, Uganda
Bujumbura, Burundi
Praia, Kap Verde
Thimphu, Bhutan
Beira, Mosambik (+Liaisonbüro Maputo)
Addis Abeba, Äthiopien
Ouagadougou, Burkina Faso
Dakar, Senegal
Ramallah, Palästina

Gemeinsame Einrichtungen/Initiativen BMAA und BMBWK

  • Österreichzentren und Lehrstühle (ca. 10-15)

An einer Reihe ausländischer Universitäten und Hochschulen sind mit österreichischer Unterstützung österreichische Studienzentren bzw. Österreich-Lehrstühle eingerichtet, die in Kooperation mit österreichischen Universitäten und anderen wissenschaftlichen oder kulturellen Institutionen die wissenschaftliche Zusammenarbeit fördern. Über ihren wissenschaftlichen Beitrag hinaus präsentieren sie Österreich, seine Kultur, seine Wirtschaft und Politik im Gastland. Auswahl: "Arbeitsstelle für österreichische Literatur und Kultur" an der Universität Saarbrücken
"Centre d`Etudes et de Recherches Autrichiennes"/Universität Haute Normandie in Rouen
"Center for Austrian Studies" an der Universität von Minnesota
"Visiting Austrian Professorship" an der Universität Stanford
"Schumpeter-Lehrstuhl" an der Universität Harvard
"Canadian Centre for Austrian and Central European Studies"/Universität von Alberta
"Kardinal König-Lehrstuhl" sowie "Center for Austrian Studies" an der Hebräischen Universität Jerusalem (seit 2000)
"Zentrum für Österreichstudien" an der Hochschule von Skövde/Schweden

  • Kooperationsbüro Lemberg

In Lemberg besteht seit Herbst 1998 ein von BMBWK und BMaA finanziertes und vom Verein "Österreich-Kooperation" eingerichtetes "Österreich-Ukrainisches Kooperationsbüro für Wissenschaft, Bildung und Kultur".

Wissenschaftsattachés (2)

Derzeit in Washington und Brüssel

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

  • Außenstellen Österreichisches Ost- und Südosteuropainstitut (5)
    Derzeit in Brünn, Pressburg, Laibach, Budapest und Sofia
  • Bildungsbeauftragte (11)
    Büros in Brünn, Pressburg, Budapest, Sarajevo, Sofia, St. Petersburg, Agram, Skopje, Tirana, Bukarest und Belgrad (seit Jänner 2001)
  • Historische Institute (2)
    Derzeit in Rom und Madrid
  • Archäologische Einrichtungen (3)
    Derzeit in Kairo, Athen und Ephesos
  • Universitätslektoren (ca. 130)
    Derzeit überwiegend an Germanistischen Instituten in 24 Staaten
  • Österreichische Schulen im Ausland (4)
    Derzeit in Istanbul, Guatemala, Budapest und Prag
  • Zweisprachige Schulen mit österreichischer Beteiligung (9)
    Derzeit 2 in der Slowakei, 2 in der Tschechischen Republik und 5 in Ungarn Österreichische Lehrer an deutschsprachigen Schulen im Ausland (ca. 170)

Kunststaatssekretariat/Bundeskanzleramt

  • Österreichateliers (9)

Das BKA-Kunst stellt jüngeren österreichischen oder in Österreich wohnhaften Künstler/innen ein Wohnatelier samt Stipendium zur Verfügung (Das Stipendium am P.S.1-Museum in New York wird gemeinsam mit dem ÖKI New York und der Austrian-American Foundation finanziert): Derzeit in London, New York, Paris, Rom, Chicago, Fujino, Krumau

Bundesministerium für Inneres

  • Gedenkdiener (66)

Gedenkdienst-Verein zur Leistung eines Gedenkdienstes an Holocaust-Gedenkstätten: 24 Niemals Vergessen-Verein für die Förderung von Holocaust-Gedenkstätten: 16 Verein für Dienste im Ausland nach § 12b Zivildienstgesetz: 26