Kulturelle Veranstaltungen 2007
Im Kulturellen Arbeitsprogramm des Kulturforums für das Jahr 2007 steht die bewusste Verstärkung der akademischen Kooperation mit Universitäten und Hochschulen in der VR China im Vordergrund, dabei sollen nicht nur die bislang gesetzten Schwerpunkte wie Bildende Kunst, Architektur, Design und Neue Medien fortgesetzt werden, sondern es soll das Projekt- und Themenspektrum kultureller Aktivitäten weiter ausgedehnt werden.Die Förderung des modernen, zeitgenössischen Musikrepertoires soll zugunsten der in der VR China zwar äußerst erfolgreichen, aber mittlerweile kommerziell verwertbaren Wiener Klassik in den Vordergrund gestellt werden (Teilnahme des Ensembles „Die Reihe“ beim Beijing Modern Music Festival, Mai 2007; Arcus Ensemble mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts, Okt. 2007).
Im Bereich Neue Medien, Kommunikation und Design soll die gezielte Förderung österreichischer Beteiligungen an Festivals, Messen, Biennalen (Prof. Mag. Richard Kriesche – „Datenwerk Mensch", Shanghai Juli 2007), den bis 2006 etablierten Kontakten und Beiträge (ars electronica – code:blue, Juli 2006 und Art & Science Nov. 2006) nun auch eine thematische und inhaltliche Vernetzung folgen lassen.
Wissenschaftliche Vorträge, Konferenzen und Symposien erwiesen sich in der VR China generell als erfolgreiche und zuverlässige Präsentationsformate. Ein Symposium zum Thema Architektur, das die in der VR China nach dem Erfolg der österreichischen Architekturausstellung in der 2. Hälfte 2006 noch bestehenden Synergien erfasst, soll in der ersten Jahreshälfte 2007 realisiert werden, um diesen nunmehr mit Österreich assoziierten Bereich Architektur in der VR China nachhaltig als Schwerpunkt zu verankern.
Die Erfahrungen des kürzlich zu Ende gegangenen Mozartjahres 2006 – und in einem viel kleineren Rahmen auch des Sigmund Freud-Gedenkjahres oder der Jubiläen rund um die Geburtstage von Ingeborg Bachmann und Thomas Bernhard (Förderungen von dazugehörigen Publikationen 2006) zeigen, dass in der VR China Jubiläen - gleich welchen Genres - zur Bewerbung von Veranstaltung gut geeignet sind. Dennoch soll auch weiterhin durch eine gezielte Aufbereitung von Hintergrundinformation oder Begleitpublikationen dafür Sorge getragen werden, den Kontext für das chinesische Publikum zu erschließen. Dadurch kann, wenngleich oft nur punktuell, Aufmerksamkeit für eine bestimmte Kunstsparte, einen Künstler und seine Zeit erzeugt werden. Dabei handelt es sich zweifellos um einen geeigneten Ansatz, mit dem im hiesigen, auf Rekorde und schnelle kommerzielle Erfolge ausgerichteten Kulturbereich für österreichisches Kulturschaffen Aufmerksamkeit erzielt werden kann.
Die in anderthalb Jahren bevorstehenden Olympischen Spiele in Beijing 2008 werfen im Kulturbereich bereits ihre Schatten voraus. Die Positionierung ausländischer Kulturprojekte im kommenden Jahr scheint angesichts der Dimensionen, die sich für die Olympischen Spiele in Beijing schon jetzt abzeichnen, eine große Herausforderung zu werden. Schon jetzt ist klar, dass in der Hauptstadt Chinas alle Energien und damit auch viel Geld in Olympia-Projekte fließen werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist Ähnliches auch für Shanghai und die dort 2010 veranstaltetet EXPO zu erwarten, genauso wie für Guangzhou, als Gastgeber der nächsten Asian Games - der „Asienolympiade“, die China schon jetzt im Medaillenspiegel anführt.
Für die konkrete Kulturarbeit in der VR China 2007 bedeutet dies, dass 2007 als ein Jahr im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 gesehen werden muss, in dem alles was passiert von den chinesischen Verantwortlichen unter diesem Blickwinkel gesehen wird – ein Umstand, der auch bewusst für österreichische Interessen genutzt werden kann und soll. Aufgrund der eingangs skizzierten Gegebenheiten werden daher im Kulturforum für das Jahr 2007 folgende Arbeitsweisen zur Umsetzung des Kulturellen Arbeitsprogramms im Vordergrund stehen:
Die verstärkte Zusammenarbeit und der Ausbau der Kooperation mit akademischen Partnern – das sind die Universitäten und Hochschulen in der VR China mit ihren angeschlossenen Fachinstituten, die sich in der bisherigen Zusammenarbeit als verlässliche und interessierte Partner bewährt haben.
Im Musikbereich kommt den Konservatorien als Kernzentren einer hochqualitativen chinesischen Musikausbildung (Central Conservatory of Music und China Conservatory in Beijing als Sitz der geplanten Joint School of Music der drei österreichischen Musikuniversitäten Wien, Graz und Salzburg), die sich primär nach inhaltlichen/thematischen Gesichtspunkten ausrichten (Festival für Elektronische und Computer-Musik) und sich somit nicht dem Diktat kommerzieller Agenturen unterwerfen müssen, eine besondere Rolle zu.
Im Bereich der Bildenden Kunst rücken ebenfalls Festivals, Biennalen und Messen, aber auch private Museen, Galerien und universitäre Einrichtungen als Austragungsorte von Einzel- und Gruppenausstellungen zunehmend in den Mittelpunkt der Kultur-Kooperation, da sich auch die Bildenden Kunst kommerziellen Einflüssen nicht völlig entziehen kann und mittlerweile selbst im Beijing Kunstviertel der 798-Factory in Dashanzi sehr hohen Mietkosten verlangt werden.
Eine große Herausforderung für die österreichische Kulturarbeit stellt der Bereich der Literatur und Darstellende Kunst inklusive Tanz dar. Seit Inbetriebnahme des Kulturforums im Herbst 2004 wurde konsequent an der Weiterentwicklung von Kontakten und Projekten aus den genannten Bereichen gearbeitet, und nach einer Sondierungsphase im vergangenen Jahr, die mit der Förderung von Übersetzungen österreichischer Literatur sowie einer Einladung des Tanzateliers Wien zum „China-Europe Performing Arts Meeting“ in Beijing verbunden war, wird für 2007 wieder eine Lesereise eines österreichischen Autors/einer Autorin in Zusammenarbeit mit den vier in China tätigen Lektoren der Österreich-Kooperation entwickelt und organisiert werden.
Die stärkere Einbindung der österreichischen Lektoren in die Durchführung von Kulturprojekten und wissenschaftlichen Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit chinesischen Hochschulen und Universitäten, die Miteinbeziehung des in Shanghai ansässigen „Österreich-Zentrums“, sowie die Kooperation mit dem „Eurasia-Pacific-Network“, dem Netzwerk österreichischer Hochschulen und ihrer chinesischen Partnerinstitute sollen 2007 dazu beitragen, dass österreichische Kulturaktivitäten und Bildungsangelegenheiten in der VR China entsprechender Entfaltungsraum und die ihnen gebührende Aufmerksamkeit durch das chinesische Publikum zuteil wird.
