Ars Electronica Futurelab mit "Le Sacre du Printemps" - Festival Internacional Cervantino

- Ars ElectronicaBild: Ars Electronica
Die Epoche vor dem Ersten Weltkrieg, als Strawinsky „Le Sacre du Printemps“ komponierte, war durch ein rauschhaftes Verlangen nach Intensität des Lebens gekennzeichnet, das später ebenso heftig in Kriegsbegeisterung umschlug. Vor diesem Hintergrund konzipierte Strawinsky „Le Sacre“ als orgiastisches Massenballett.
Heute, beinahe hundert Jahre später, stellt sich die Frage nach Authentizität des Erlebens aufgrund stetig fortschreitender Virtualisierung unserer Lebensräume. Die Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und der scheinbar objektiven Wahrnehmung durch stereoskopische Kamerasysteme, deren Bilder durch Computer gefiltert und manipuliert werden, bildet die Basis für meine Inszenierung von „Le Sacre du Printemps“.
Auf der Bühne verteilte Stereokameras und ein komplexes Computersystem transferieren die Tänzerin Julia Mach in einen virtuellen dreidimensionalen Raum. Zeitschichten und ungewöhnliche Blickwinkel überlagern und vervielfältigen sich und ermöglichen völlig neue Einblicke auf den Körper und seine Bewegungsabläufe. Echtzeit-generierte virtuelle Räume kommunizieren und interagieren mit der Tänzerin. Der menschliche Körper ist einmal mehr die Schnittstelle zwischen Realität und Virtualität. Über Mikrofone ist das Orchester interaktiv eingebunden. Musikalische Motive, einzelne Stimmen und Instrumente beeinflussen die Form, Bewegung und Komplexität sowohl der 3D-Projektionen des virtuellen Raumes, als auch die der Tänzerin. Musik ist nicht mehr nur Ausgangspunkt, sondern auch Vollendung der Choreografie.
