Deutsch-Österreichisch-Italienische Tagung
Das deutsche und italienische Bibliothekswesen im Nationalsozialismus und Faschismus – Versuch einer vergleichenden Bilanz

- villa vigoni
Die zweitägige internationale Veranstaltung in der Villa Vigoni nimmt sich dem Thema Bibliotheken im Faschismus bzw. im Nationalsozialismus in einer vergleichenden Betrachtung an. Sowohl die historische als auch die bibliothekarische Fachwelt haben sich in den letzten Jahren verstärkt diesem Thema zugewandt. Dies gilt für alle drei beteiligten Länder. Auslöser war vielfach, das gilt zumindest für das deutsche und österreichische Bibliothekswesen, zum einen die Aufarbeitung der jüngeren Geschichte in einzelnen großen Häusern im Zusammenhang mit anstehenden Jahrestagen und Jubiläen (vgl. hierzu u.a. die Universitätsbibliothek Wien), zum anderen internationale und darauf aufsetzend nationale Übereinkünfte zur Rückgabe von unrechtmäßig erworbenen Kulturgütern in der NS-Zeit. In vielen Gedächtniseinrichtungen, wie Museen, aber auch Bibliotheken wurde daraufhin die Provenienz bestimmter Sammlungsteile bzw. von einzelnen Stücken näher unter die Lupe genommen. In einem zweiten Schritt wurden dann - und dies gilt vor allem für die Bibliotheken - auch die damals handelnden Personen in ihrem berufsständischen und - fachlichem Kontext näher untersucht. Es kam dabei zu sehr interessanten Ergebnissen, die nunmehr unter bestimmten Aspekten mit den Erkenntnissen der italienischen historischen Archiv- und Bibliotheksforschung verglichen werden sollen.
Die Vortragenden:
- Prof. Dr. Christof Dipper (Technische Universität Darmstadt/Institut für Geschichte). Forschungsschwerpunkt: Italien im 20. Jahrhundert/Faschismus; NS-Regime und Wissenschaft etc.; vgl. Forschung zu Faschismus/NS
- Frau Dr. Andrea Hindrichs, Rom, freie Historikerin und Expertin für italienische Zeitgeschichte, Schwerpunkt: Faschismus und Kulturpolitik/Kulturgeschichte (vertritt Prof. Dr. Martin Baumeister, LMU München, der kurzfristig verhindert ist)
- Prof. Dr. Angelo Turchini (Università Bologna/Ravenna - Zeitgeschichte/Inhaber des Lehrstuhls für Archivistik): Archive und Bibliotheken in der Innenpolitik des faschistischen Italiens;
- Ltd. Bibl.-Direktor Klaus Kempf (Bayerische Staatsbibliothek); größte Bibliothek für Geschichtswissenschaft in Mitteleuropa; Thema: Provenienzforschung der BSB - Rahmenbedingungen und Ergebnisse;
- Dr. Alfred Schmidt (Österreichische Nationalbibliothek/ÖNB(Persönlicher Referent von Fr. GD Rachinger - in Vertretung von Fr. Generaldirektor Dr. Rachinger): Die ÖNB im Nationalsozialismus und ihre Provenienzforschung;
- Prof. Dr. Alberto Petrucciani (Università Sapienza, Rom): Ordentlicher Prof. für Bibliothekswesen; Experte für Geschichte des ital. Bibliothekswesens im 20. Jh./Faschismus;
- Mag. Markus Stumpf (Universitätsbibliothek Wien): Maßgeblicher Pionier der NS-Zeit-Provenienzforschung in Österreich; zahlreiche Publikationen/Vorträge zum Thema NS-Raubgut in österr. Bibl./Bibliothekare in der NS-Zeit;
- Bibl. Direktor Dr. Sven Kuttner (UB der LMU München/Leiter der Abt. Altes Buch. Dr. Kuttner ist ein renommierter Bibliothekshistoriker und Autor zahlreicher einschlägiger Forschungsarbeiten zur Bibliotheksgeschichte in der NS-Zeit
- Ltd. Bibl.-Direktor Dr. Michael Knoche - Leiter der namhaften Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Außerdem Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen zur Bibliotheksgeschichte in der NS-Zeit
- Dr. Jan-Pieter Barbian, Leiter der Stadtbibliothek Duisburg. Experte der Literaturgeschichte im 3. Reich. Zahlreiche Beiträge zur Buch-, Literatur- und Bibliotheksgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jh.
- Dr. Johannes Andresen, Direktor der "Friedrich-Tessmann-Landesbibliothek" in Bozen, Historiker und Autor zahlreicher Beiträge zur Buch- und Bibliotheksgeschichte
- Prof. Dr. Mauro Guerrini, Ordentlicher Professor für Bibliothekswesen an der Università Firenze; international renommierter Katalogexperte; langjähriger Präsident des italienischen Bibliotheksverbandes (AIB)
