Wien als Sitz internationaler Organisationen und Institutionen

Vienna International Center
Vienna International CenterBild: Österreich Werbung/Popp

Wien ist einer der bedeutendsten Amtssitze internationaler Organisationen und präsentiert sich als Drehscheibe für die Förderung von Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung, den Kampf gegen Verbrechen, Drogenmissbrauch und Terrorismus. Weitere Schwerpunkte hat der Standort auf dem Gebiet der Abrüstung und Nichtverbreitung von Nuklearwaffen.

Österreich war schon zu Zeiten des Kalten Krieges aufgrund seiner geopolitischen Lage und seines neutralen Status eine Plattform für internationalen Dialog. Diese Position konnte 1979 mit der Eröffnung des Internationalen Zentrums Wien (VIC - Vienna International Centre), auch UNOCity genannt, gestärkt werden. Seither ist  Wien neben New York, Genf und Nairobi auch Hauptsitz der Vereinten Nationen (VN).

Die Internationalen Organisationen in Wien beschäftigen über 6.000 Mitarbeiter aus aller Welt. Über ein Viertel davon, also etwas mehr als 1.500 Bedienstete der Organisationen, sind Österreicher. Die Tendenz ist sowohl hinsichtlich der Ausgaben internationaler Organisationen wie auch hinsichtlich der Beschäftigtenzahlen, langfristig kontinuierlich steigend.

Im VIC sind derzeit die folgenden Internationalen Organisationen ansässig:

Die 1957 gegründete Internationale Atomenergieorganisation (IAEO, derzeitiger Generaldirektor Yukiya Amano) war die erste bedeutende in Wien ansässige Internationale Organisation und sie ist mit ihren rund 2.550 Bediensteten bis heute die größte. In den letzten Jahren hat sich ihr Schwerpunkt von der Förderung der Atomenergie zunehmend auf nukleare Sicherheit und die Verhinderung der missbräuchlichen Verwendung spaltbaren Materials verlagert.

Eine weitere in Wien ansässige internationale Organisation ist die seit 1966 bestehende Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (UNIDO), die derzeit unter Leitung von Generaldirektor Li Yong steht. Als einzige Organisation im VN-System unterstützt sie durch technische Hilfe, Beratung und Vermittlung sowie Forschungs- und Studienprogramme die möglichst umweltschonende Industrialisierung in den Ländern der Dritten Welt und in den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas einerseits, sowie die industrielle Zusammenarbeit zwischen Entwicklungs- und Industrieländern andererseits.

Die Sekretariatseinheit UNOV (United Nations Office at Vienna), welche mit der Eröffung der UNO City 1979 gegründet wurde, sorgt für die administrative Unterstützung der verschiedenen Gremien und Einrichtungen der VN, für Konferenzplanung und Dolmetscherdienste der alljährlich mehr als 2000 Konferenzen und Sitzungen sowie für den Sicherheitsdienst im VIC. UNOV umfasst auch das Büro für Weltraumangelegenheiten (OOSA/Office for Outer Space Affairs), die Hauptabteilung für Verwaltung und Gemeinsame Dienste (DACS/Division of Administrative and Common Services) mit der VN Postverwaltungsstelle für Europa (UNPA/United Nations Postal Administration) sowie den VN Informationsdienst (UNIS/United Nations Information Service).

Weitere Sekretariatseinheiten, die allerdings an andere Sekretariatsstellen berichten, sind die Abteilung für Internationales Handelsrecht (UNCITRAL/United Nations Commission on International Trade Law) sowie das Sekretariat des Wissenschaftlichen Ausschusses der VN zur Untersuchung der Auswirkungen radioaktiver Strahlen (UNSCEAR/United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation). Aus der VN-Familie sind u.a. noch eine Zweigstelle des VN Büros für Projektdienste (UNOPS/United Nations Office for Project Services) und das Regionalbüro des Flüchtlingshochkommissars (UNHCR/United Nations High Commissioner for Refugees) im VIC untergebracht.

Im Zuge der Reformen der Vereinten Nationen wurde Wien 1997 zum Zentrum aller VN-Bemühungen im Kampf gegen Verbrechen, Drogenmissbrauch und Terrorismus ausgebaut. Dadurch erfolgte die Einrichtung des Büros zur Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung (ODCCP - Office for Drug Control and Crime Prevention), das im Herbst 2002 in UNODC (UN Office on Drugs and Crime) umbenannt wurde und seit 2010 unter der Leitung von Yury Fedotov als Exekutivdirektor steht, welcher gleichzeitig auch Untergeneralsekretär und Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Wien (UNOV/United Nations Office at Vienna) ist. Das ODC besteht aus dem VN-Programm zur internationalen Drogenkontrolle (UNDCP/United Nations International Drug Control Programme) sowie dem Zentrum für Verbrechensverhütung (CICP/Centre for International Crime Prevention).

Seit 1997 ist die Vorbereitende Kommission der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Atomtests (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization, CTBTO) in Wien tätig. Ihr ist ein hochtechnisiertes internationales Datenzentrum angeschlossen. Seit Sommer 2013 ist Lassina Zerbo Exekutivsekretär der CTBTO.

Die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (ICPDR) beschäftigt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1998 mit nachhaltiger und umweltverträglicher Nutzung der Donau und Umsetzung des Donauschutzübereinkommens von 1994 sowie der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG).

Eine Reihe weiterer Internationaler Organisationen sind außerhalb des Internationalen Zentrums Wien (VIC) untergebracht.

Seit 1965 hat auch die 1960 in Bagdad gegründete OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) ihren Sitz in Wien. Diese zwischenstaatliche Organisation zur Koordination der Erdölpolitik ihrer Mitgliedstaaten hat die Aufgabe, stabile Preise für Erdölproduzenten zu erreichen und verlässliche Lieferungen für Konsumentennationen zu sichern. Sie besteht aus der Konferenz der Erdölminister, dem Gouverneursrat und einem Sekretariat unter einem von der Konferenz bestellten Generalsekretär (Abdalla Salem El-Badri).

Der ebenfalls in Wien untergebrachte OFID (OPEC-Fund for International Development) wurde 1976 von den OPEC-Mitgliedstaaten gegründet, um aus deren Öleinnahmen einen Beitrag zur Entwicklung der Dritten Welt an Regierungen der nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländer und an internationale Entwicklungsagenturen in Form von Darlehen und Zuschüssen zu leisten (Generaldirektor Suleiman Jasir Al-Herbish).

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE, Generalsekretär Lamberto Zannier) bemüht sich vor allem um Stabilität und Sicherheit in ganz Europa. Die OSZE hat sich im letzten Jahrzehnt zu einer operativen Organisation weiterentwickelt, die auch im Feld aktiv ist. Sie unterhält 18 Langzeitmissionen im GUS-Raum und auf dem Balkan. Sie hat dabei ihren Personalstand, auch im Sekretariat in Wien, stark ausgeweitet. 1997 wurde hier auch ein Büro eines OSZE-Repräsentanten für Medienfreiheit eingerichtet. Neben dem Forum für Sicherheitskooperation und dem Ständigen Rat tagen hier ebenfalls in enger organisatorisch-technischer Verbindung mit den OSZE-Institutionen die ständigen Gremien gemäß dem Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa und dem Vertrag über den Offenen Himmel (Open Skies Treaty).

Das Sekretariat des Wassenaar-Arrangements, weltweiter Nachfolger des COCOM, eine Einrichtung zur Kontrolle von konventionellen Waffen sowie von doppelverwendungsfähigen Gütern und Technologien, nahm im Jahr 1997 seine Tätigkeit auf.

Im selben Jahr wurde die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) gegründet. Sie errichtete 1998 ihren Sitz in Wien und wurde im März 2007 infolge der Verordnung des Rates Nr 168/2007 in die Europäische Grundrechteagentur (European Fundamental Rights Agency EFRA) umgewandelt. Direktor der FRA ist der Däne Morten Kjaerum, der seinen Posten am 1. Juni 2008 antrat. Ihre Hauptaufgabe ist es, der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten objektive und vergleichbare Informationen über rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Phänomene auf europäischer Ebene bereitzustellen.

Mit der Ansiedlung der unmittelbaren zentralen Kontaktstelle für den Haager Verhaltenskodex gegen die Weiterverbreitung von ballistischen Raketen (The Hague Code of Conduct against the Proliferation of Ballistic Missiles - HCoC) im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten konnte im Jahr 2002 ein weiterer Schritt zur Stärkung des Amtssitzes Wien gesetzt werden. Im selben Jahr hat die Europäische Weltraumorganisation (ESA) beschlossen, das neu gegründete Europäische Institut für Weltraumpolitik (ESPI) in Wien anzusiedeln.

Das Sekretariat der Energiegemeinschaft hat seit 2006 seinen Sitz in Wien. Die Vertragsparteien der Energiegemeinschaft sind auf der einen Seite die Europäische Union, und auf der andren Seite die sechs Vertragsstaaten Albanien, Bosnien & Herzegovina, Mazedonien, Montenegro, Serbien und die Interimsverwaltung der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK). Das Ziel liegt primär darin, den EU Binnenmarkt im Energiesektor auf Süd-Ost-Europa auszuweiten. Die Energiegemeinschaft strebt somit an, stabile und einheitliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Energiemarktes, die Investitionen fördernd wirken, zu schaffen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen, die Umweltsituation zu verbessern, sowie den Wettbewerb anzuregen.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM), die die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Migration fördert, hat im Jahr 2011 zusätzlich ein Regionalbüro in Wien errichtet, das sich themenspezifisch mit dem Raum Ost-, Südosteuropa und Zentralasien beschäftigt.

Das Internationale Zentrum für die Entwicklung von Migrationspolitik (International Centre for Migration Policy Development, ICMPD) wurde 1993 auf Initiative Österreichs und der Schweiz gegründet. Heute hat diese internationale Organisation mit Sitz in Wien 15 europäische Mitgliedstaaten. ICMPD ist für seine Mitgliedstaaten und die EU zu einem wichtigen Partner bei der Entwicklung innovativer und nachhaltiger migrationspolitischer Konzepte und Projekte geworden, insbesondere was  die Kooperation mit Drittstaaten in der östlichen und südlichen Nachbarschaft der EU betrifft.

Weiters wurden im Jahr 2011 das Vienna Center for Disarmament and Non-Proliferation (VCDNP) und die Abrüstungsabteilung der VN (UNODA) eröffnet.

Weitere Aufwertung erfuhr der Amtssitz Österreich durch die Ansiedlung der Internationalen Antikorruptionsakademie (IACA) 2011 in Laxenburg und durch die Gründung des im November eröffneten Internationalen King Abdullah Bin Abdulaziz Zentrums für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog (KAICIID) in Wien. Ebenso 2011 eröffnete das Wiener Büro des International Peace Institute (IPI). Seit 2011 ist Wien auch Sitz dreier Büros der Weltbankgruppe (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung – IBRD, Multilaterale Investitions-Garantie Agentur – MIGA, Internationale Finanz-Corporation – IFC).

Neben den internationalen Organisationen gibt es in Wien auch eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen (NGOs - Non-Governmental Organizations) sowie einige Einrichtungen, die einen Status sui generis haben, wie zum Beispiel das Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA), das Wiener Institut für Entwicklung und Zusammenarbeit und das Internationale Presse Institut.

Die neueste Ansiedelung am Standort Wien ist das Büro der Sustainable-Energy-for-All-Initiative (SE4All), das im Sommer 2013 seine Arbeit aufgenommen hat. Es wird vom ehemalige Generaldirektor der UNIDO, Kandeh Yumkella, dem nunmehrigen Sonderrepräsentanten der VN für nachhaltige Energie, geleitet.