Chancen für Österreich

Die große Erweiterung von 2004 hat sich als enorme politische und wirtschaftliche Herausforderung und als großer Erfolg  für die  EU erwiesen: Sie hat zu mehr Stabilität und Wohlstand in Europa beigetragen. Österreichische Unternehmen haben die Investitionschancen in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) früher genutzt als die internationale Konkurrenz. Der Bestand an österreichischen Direktinvestitionen in dieser Region stieg von 0,4 Milliarden Euro 1990 auf 66 Milliarden Euro 2012. Dieser Wert entspricht ungefähr 50 % der gesamten Direktinvestitionen Österreichs im Ausland.

Die dynamische Entwicklung des österreichischen Außenhandels mit den MOEL erfuhr durch deren EU-Beitritt einen weiteren Aufschwung. Laut WKO verzeichnete Österreich durch die EU-Erweiterungen 2004 und 2007 einen jährlichen Zuwachs des realen BIP von +0,4 % pro Jahr. Insgesamt wurden dadurch jährlich über 5000 zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich geschaffen.

Österreichs Warenausfuhr nach Mittel- und Osteuropa hat sich allein in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Weiters haben sich die Exporte in die fünf EU-Mitgliedstaaten Ungarn, Slowenien, Slowakei, Tschechien, und Polen seit dem österreichischen EU-Beitritt 1995 bis 2012 mehr als vervierfacht: diese stiegen von 4 Milliarden Euro 1995 auf 17 Milliarden Euro im Jahr 2012. Österreich ist damit der Hauptprofiteur der EU-Erweiterung.

Für österreichische Erwerbstätige bestehen in den neuen EU-Mitgliedstaaten (mit der vorübergehenden Ausnahme Kroatiens) keine Beschränkungen der Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreizügigkeit. In Österreich gelten Beschränkungen nur mehr gegenüber Kroatien bis 30. Juni 2015.

Österreich tritt auch mit Nachdruck dafür ein, dass sämtliche Länder des westlichen Balkans Mitglieder der EU werden. Österreich ist größter Investor in Bosnien und Herzegowina sowie Serbien und liegt auch in allen anderen Staaten der Region auf einem der vordersten Plätze. Wirtschaftliche Entwicklung benötigt stabile wirtschaftliche Verhältnisse und verlässliche rechtsstaatliche Strukturen. Die Erfahrung lehrt uns, dass die Beitrittsperspektive der wichtigste Motor für die Stabilisierung und Modernisierung der Länder des westlichen Balkans ist. Im Rahmen des Beitrittsprozesses unterstützt Österreich den Aufbau von stabilen Institutionen, welche die europäischen Werte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz wiederspiegeln.