Südostasien

In Thailand konnte sich bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 2011 die Partei des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawartra, der sich derzeit im Exil befindet, durchsetzen. Regierungschefin wurde seine Schwester Yingluck Shinawatra, erste weibliche Premierministerin des Landes. Die innenpolitische Lage ist geprägt vom Antagonismus zwischen zwei Gruppen, den sog. Rothemden (Anhängern von Thaksin Shinawartra in den ärmeren Gebieten im Osten und Nordosten) und den sog. Gelbhemden (vorwiegend Mittel- und Oberschicht in Bangkok und Zentralthailand). Letztere boykottierten die Neuwahlen vom Februar 2014 und fordern die Einsetzung einer nicht gewählten „Expertenregierung“, die grundlegende Reformen durchführen soll. Die nationale Aussöhnung mit Separatisten im Süden steht ebenfalls aus.

Nach der Herrschaft der Roten Khmer und dem darauf folgenden Bürgerkrieg fanden die ersten Wahlen in der konstitutionellen Monarchie Kambodscha im Jahr 1993 statt. 1998 legten die Roten Khmer die Waffen endgültig nieder. Ein Tribunal, eingerichtet durch die Vereinten Nationen und Kambodscha, arbeitet die Verbrechen auf. Es wird von Österreich finanziell als auch durch Beistellung einer Ersatzrichterin unterstützt. Die Aufarbeitung und Bewältigung der Vergangenheit sind besonderes schwierig. Innenpolitische Spannungen zwischen Opposition und Langzeit-Premier Hun Sen haben bestehen anlässlich Vorwürfen des Wahlbetrugs.

Im Konflikt um den Tempel Preah Vihear zwischen Thailand und Kambodscha fällte der Internationale Gerichtshof (IGH) ein Urteil im November 2013. Kambodscha wurde nunmehr das unmittelbar an den Tempel angrenzenden Gebiet zugesprochen, nicht jedoch der ebenfalls beanspruchte Hügel Phnom Trap. Die Tempelanlage ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Demokratische Volksrepublik Laos, ein Binnenland, bemüht sich um gute Beziehungen zu den Nachbarstaaten, wobei Thailand angesichts der ethnischen und historischen Verbindungen eine besondere Rolle zukommt. Laos zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern, weist jedoch aufgrund seiner Bodenschätze großes Potential auf.

In Myanmar gab es seit den Wahlen im November 2010 unter der Regierung von Präsident Thein Sein eine Reihe positiver Entwicklungen, unter anderem: Aufhebung des Hausarrestes von Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und deren Einbindung in das politische Leben, Freilassung der politischen Gefangenen, Fortschritte bei der Aussöhnung mit den ethnischen Minderheiten, Pressefreiheit, Verbot der Zwangsarbeit und wirtschaftlichen Reformen. Die EU konnte daraufhin die Sanktionen, mit Ausnahme eines Waffenembargos, auslaufen lassen.

Vietnam hat im Rahmen der Doi Moi-Reformpolitik (Erneuerung), die 1986  von der Kommunistischen Führung beschlossen worden war, in den letzten Jahren wichtige wirtschaftliche und soziale Erfolge erzielen, insbesondere hohe Wachstumsraten und Reduzierung der Armut. Von der Weltbank wird das Land mittlerweile als Middle Income Country eingestuft.

Die konstitutionelle Wahlmonarchie Malaysia wurde 1963 als Föderation gegründet. Sie umfasste ursprünglich die britische Kronkolonie Singapur, das 1965 ausschied, sowie Teile von Nordborneo. Das wirtschaftlich erfolgreiche Land engagiert sich stark in der Süd-Süd-Kooperation und hat sich das wirtschaftspolitische Ziel gesetzt, bis 2020 ein Industrieland zu werden. Die Bevölkerung besteht zur Hälfte aus Malaien, die größte Minderheit sind Chinesen, gefolgt von Indern.

Der reiche Inselstaat Singapur gehört zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Ländern der Welt. Die Außenpolitik ist stark von den Wirtschaftsinteressen geprägt und setzt auf Freihandel, regionale Kooperation (ASEAN) und gute Beziehungen zu allen Staaten, insbesondere in der Nachbarschaft. Singapur spielt vor allem als globales Finanzzentrum (nach London, New York und Hong Kong) eine bedeutende Rolle.

Das Erbsultanat Brunei Darussalam ist seit 1984 unabhängig. Das Land zählt aufgrund großer Erdöl- und Erdgasvorkommen zu den reichsten der Welt. Die außenpolitische Linie orientiert sich unter anderem am Regionalforum ASEAN.

Die Regierung der Philippinen hat immer wieder eine Reihe von Krisen zu bewältigen, inklusive bewaffneter Aufstände im islamischen Süden des Landes und alljährlicher Umweltkatastrophen. Neben dem notwendigen Krisenmanagement standen Armutsbekämpfung und die Eindämmung der Korruption auf der Prioritätenliste der Regierung. In den Verhandlungen mit der Moro Islamic Liberation Front (MILF) zur Schaffung einer neuen Gebietskörperschaft auf Mindanao (Bangsamoro) wurden Fortschritte erzielt. Im Friedensprozess mit kommunistischen Aufständischen blieben Erfolge allerdings weitgehend aus.

Mit dem Ende der militärisch-autoritären Regierung von Langzeitpräsident Suharto im Jahr 1998 verläuft der Prozess der Demokratisierung im 240 Millionen Land Indonesien relativ positiv, auch in Bezug auf Medienfreiheit. Der 30 Jahre andauernde Konflikt in der Provinz Aceh konnte 2005 beendet werden und der Provinz wurden zusätzliche Autonomierechte eingeräumt. Die zivile Beobachtermission beendete 2006 ihre Tätigkeit. Indonesien besitzt die größte Volkswirtschaft der Region (Mitglied der G20) und konnte in den Jahren seit der Finanzkrise in Asien 1998 hohe Wachstumsraten vorweisen.

Die politische Situation in Timor-Leste, seit 2002 unabhängig, konnte sich, dank der UNMIT-Mission der Vereinten Nationen und einer australisch-neuseeländischen Friedenstruppe, weiter konsolidieren. Die Präsidentschafts- und die Parlamentswahlen 2012 verliefen weitestgehend friedlich und fair. Die UNMIT-Mission konnte damit am 31. Dezember 2012 erfolgreich beendet werden. Timor-Leste hat Beobachterstatus bei ASEAN, im Jahre 2011 wurde ein Antrag auf Vollmitgliedschaft gestellt.