Nordostasien

Prägend für die Region sind vor allem die Entwicklung Chinas vom Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, die politische Spaltung der Koreanischen Halbinsel und die Taiwan-Frage. Auch überlappende Gebietsansprüche auf Inseln im Ostchinesischen Meer führen immer wieder zu Spannungen in der Region.

Seit der Umsetzung der Reformpolitik 1978 durchläuft die Volksrepublik China einen raschen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch. Durch den Beitritt zur WTO (Welthandelsorganisation) im Dezember 2001 ist zusätzlicher Anpassungsdruck entstanden, welcher von den zu respektierenden WTO-Normen ausgeht. Die Folgen der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung sind wachsende soziale Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Küsten- und Binnenprovinzen, Engpässe in der Wasser- und Energieversorgung, sowie negative ökologische Auswirkungen. Folglich wurde im jüngsten Fünf-Jahres-Plan ausgewogenes Wachstum als politisches Ziel formuliert.

Die EU ist Chinas größter Handelspartner und Investor, umgekehrt ist China zweitgrößter Handelspartner der EU (nach den USA). Seit 2003 besteht die Strategische Partnerschaft EU-China, die der wachsenden Bedeutung Chinas Rechnung trägt. Seit 1994 findet halbjährlich ein Menschenrechtsdialog der EU mit China statt. Darüber hinaus findet ein regelmäßiger politischer Meinungsaustausch auf verschiedenen Ebenen statt, u. a. ein jährliches Gipfeltreffen EU-China. Ziel ist die effektive Zusammenarbeit mit China bei internationalen und globalen Anliegen, in den multilateralen Gremien und bei der Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen.

Österreich verfolgt in Übereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit der Staatengemeinschaft – darunter alle EU-Mitgliedsstaaten - die „Ein-China-Politik“. Österreich unterhält daher mit Taiwan keine diplomatischen Beziehungen. In vielen Bereichen wie Kultur, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft bestehen aber seit vielen Jahren enge und sehr gut funktionierende Kooperationen. In Taipei gibt es zudem ein Österreich-Büro.

Japan bemüht sich seit dem Ende des Kalten Krieges um aktives, globales Engagement, beispielsweise im Rahmen von internationalen Friedens- und Hilfskonferenzen und in der Teilnahme an friedenserhaltenden Maßnahmen der Vereinten Nationen. In diesem Zusammenhang bemüht sich Japan auch, im Zuge einer möglichen VN-Reform, um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Es kommt immer wieder zu politischen Spannungen mit den Nachbarstaaten (China, Südkorea).

Die seit 1869 bestehenden offiziellen Österreich-Japan Beziehungen zeichnen sich durch intensiven kulturellen und wirtschaftlichen Austausch aus. Japan bleibt für Österreich einer der wichtigsten Handelspartner in Übersee und ist nach China der zweitwichtigste Markt in Asien.

Prognosen des IWF zufolge zählt die Mongolei zu den am stärksten wachsenden Ländern des kommenden Jahrzehnts. Obwohl das wirtschaftliche Niveau noch relativ niedrig ist, veranlassen die reichhaltigen Ressourcen des Landes (Kohle, Kupfer, Gold, Eisenerz, Uran, Seltene Erden) zu einem positiven Ausblick. Der seit 2009 bestehende „Human Development Fund“ soll einen Teil der aus den Bodenschätzen erwarteten Einnahmen direkt an bedürftige Bürger weitergeben.

Die Nuklearproblematik prägt die politische Situation der Koreanischen Halbinsel. Die Internationale Gemeinschaft betrachtet das Nuklearprogramm der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) als inakzeptabel und hat dementsprechende Sanktionen im Rahmen der Vereinten Nationen verhängt. Im Korea-Krieg wurde 1953 ein Waffenstillstand unterzeichnet, jedoch kein Friedensvertrag. Zur Lösung des Konflikts sollen die sogenannten „Sechs-Parteien-Gespräche“ zwischen Nordkorea, Südkorea, China, USA, Japan und Russland beitragen, die derzeit jedoch unterbrochen sind.

Die Republik Korea (Südkorea) hat nach den Zerstörungen im Koreakrieg einen beachtenswerten Aufstieg von einem Entwicklungsland zu einer bedeutenden Wirtschafts- und Handelsmacht gemacht. Der Umstand, dass die Republik Korea im November 2010 als erstes asiatisches Land Gastgeber des G20-Gipfels war, trug dieser rasanten Entwicklung der letzten Jahrzehnte in anerkennender Weise Rechnung.