Afrika südlich der Sahara

Afrika südlich der Sahara bietet auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach den ersten Entkolonialisierungswellen ein sehr differenziertes Bild. Einem Wirtschaftswachstum, das in vielen Ländern über dem der industrialisierten Welt liegt, und der stetigen Konsolidierung demokratischer Strukturen in manchen Ländern stehen weiterhin gewalttätige Auseinandersetzungen und fragile Friedens-und Demokratisierungsprozesse insbesondere am Horn von Afrika und in der Großen Seen Region gegenüber. Die Zahl der Länder, in denen Mehrparteienwahlen stattfinden, nimmt weiter zu, auch wenn diese Wahlen keineswegs immer ohne größere oder kleinere Unzulänglichkeiten ablaufen. Die Stabilität der Großen Seen Region rund um die Demokratische Republik Kongo ist trotz eines Rahmenabkommmens, das von allen Staaten der Region unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen abgeschlossen wurde, äußerst fragil. In Somalia konnten Fortschritte beim Zurückdrängen des Einflusses der islamistischen Kräfte verzeichnet werden, dennoch ist das Land von stabilen Verhältnissen noch weit entfernt. Im Südsudan, dem jüngsten Staat Afrikas, der sich im Jahr 2012 nach einer Volksabstimmung vom Sudan getrennt hat, hat die Rivalität zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und seinem Vizepräsidenten Riek Machar im Südsudan zu einem gewalttätigen Konflikt entlang ethnischen Linien geführt. Eine humanitäre Krise unvorstellbaren Ausmasses haben Gewalttätigkeiten als Folge eines Putsches in der Zentralafrikanischen Republik hervorgerufen.

Österreichs Beziehungen zu Afrika zeichnen sich durch ein durch Kolonialisierung unbeschwertes Verhältnis aus und konzentrieren sich aus Kapazitätsgründen auf wenige Länder und spezifische Themen. Österreich unterhält Botschaften in 5 der politisch wichtigsten Staaten, Senegal, Nigeria, Äthiopien, Kenia und Südafrika, sowie 4 Koordinationsbüros der Austrian Development Agency ADA (www.entwicklung.at) in den Schwerpunktländern der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, Burkina Faso, Uganda, Äthiopien und Mosambik, sowie Außenhandelsstellen in Nigeria und Südafrika (mit Außenstelle in Kenia). Österreich nimmt jedoch sehr aktiv an der Politik der EU gegenüber Afrika teil und bringt sich dort stark insbesondere zu übergreifenden Themen wie Schutz der Zivilbevölkerung, Schutz von Journalisten, Frauen und Kindern, „Rule of Law“, Rüstungsabbau, sowie Dialog der Religionen und Kulturen ein.

Die strategische Partnerschaft zwischen der EU und Afrika stellt die am meisten institutionalisierte Partnerschaft Afrikas dar und ist darauf ausgerichtet, den politischen Dialog und konkrete Maßnahmen in Bereichen gemeinsamen Interesses zwischen gleichwertigen Partnern auszubauen. Die im Jahre 2007 in Lissabon angenommene EU-Afrika-Strategie stellt dabei den politischen Rahmen für die Beziehung beider Partner in acht thematischen Schlüsselbereichen dar. Trotz verstärkter Hinwendung der Länder Afrikas zu neuen Partnern in Asien, Lateinamerika und dem arabischen Raum bleibt die EU weiterhin Afrikas größter Handelspartner. Vor allem in den Bereichen Frieden und Sicherheit, Infrastruktur und im Entwicklungsbereich wird die Kooperation laufend weiter ausgebaut (siehe GSVP Operationen in Afrika). Die EU stellt einerseits humanitäre Soforthilfe in Krisensituationen zur Verfügung, andererseits bleibt die EU auch weiterhin der wichtigste Geber von Entwicklungshilfe in Afrika. Nicht zuletzt fördert die EU den Handel zwischen afrikanischen und EU-Mitgliedstaaten und hilft mit, die Rahmenbedingungen für Investitionen in Afrika zu verbessern. Der 4. EU-Afrika-Gipfel, der im April 2014 in Brüssel stattfand, konzentrierte sich auf die Themen Frieden und Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Menschen.