Europarat

Kultur ist für den Europarat das Schlüsselelement zur Verwirklichung seines Mandats der Förderung der Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Die Förderung des Bewusstseins um die kulturelle Identität und Vielfalt Europas und die Unterstützung von deren Entwicklung zählen zu den vier Prioritäten des Europarates. Erstmals seit 1993 hat Österreich im November 2013 wieder den Vorsitz im Ministerkomitee des Europarats übernommen.  

1955 trat die Kulturkonvention des Europarates in Kraft, welche den gegenseitigen Respekt der verschiedenen nationalen Identitäten Europas mit einem Schwergewicht auf Sprachen, Geschichte und Gesellschaft als Ziel hat. Organisatorisch werden die Kulturagenden im Sekretariat des Europarats seit 1. Oktober 2011 in der neu geschaffenen Abteilung für Demokratie, Kultur und Vielfalt innerhalb der Sektion II für Demokratie zusammengefasst.

Die kulturelle Agenda des Europarats umfasst verschiedene Programme mit der Priorität auf der Unterstützung beim Aufbau kulturpolitischer Kapazitäten der Regierungen sowie Analyse und Berichterstattung zur Kulturpolitik der einzelnen Mitgliedsländer. Das wichtigste Monitoring Programm des Europarats sind die regelmäßigen Bewertungen der Kulturpolitik der Mitglieder. Im Rahmen dieses Programms wurde Österreichs nationaler Bericht 1993 geprüft. Zuletzt hat Russland als 29. Mitgliedsland seinen Bericht zur Prüfung an den Europarat übermittelt.

Ein wichtiger Aspekt der Aktivitäten des Europarats bildet die Unterstützung des europäischen Films, wofür ein eigener Fonds „Euroimages“ eingerichtet wurde. Der Europarat betreibt darüber hinaus Programme, in denen Fragen im Zusammenhang mit den Roma thematisiert werden und organisiert diesbezüglich eigene Ausstellungen. 

Die Mehrsprachigkeit als eines der zentralen Elemente der Tätigkeit des Europarates im Bereich Bildung wird durch das 1994 in Graz gegründete Europäische Fremdsprachenzentrum des Europarats gefördert. Ziel des Zentrums ist es, Menschen zu ermutigen, Sprachen zu lernen und Sprachlehrer zu unterstützen sowie Exzellenz und Innovation im Sprachunterricht zu schaffen. Der Europarat hat zur Betonung der Bedeutung der Mehrsprachigkeit den 26. September jeden Jahres zum Europäischen Tag der Sprachen erklärt. 

Österreich ist im Dezember 2010 Gründungsmitglied des erweiterten Teilabkommens (Enlarged Partial Agreement – EPA) für Europäische Kulturstraßen geworden. Es handelt sich dabei um ein besonders erfolgreiches Programm des Europarates, das darauf abzielt, einen nachhaltigen, sanften Tourismus speziell in strukturschwachen Regionen zu fördern und zugleich das Bewußtsein für das gemeinsame historische und kulturelle Erbe sowie die gemeinsamen europäischen Werte zu stärken. Gegenwärtig gibt es europaweit 26 Kulturstraßen, die das Zertifikat des Europarates tragen. In Österreich sind bislang vier  Routen ausgezeichnet (Die Mozartwege 2004, die Transromanica 2007, die Europäische Friedhofsroute 2010 und seit April 2014 die sog. Habsburgerstraße).

Als eine der ersten großen Veranstaltungen während des österreichischen Vorsitzes richtete Österreich im November 2013 das sog. „Beratende Forum“ des Kulturstraßenprogramms des Europarates in der Innsbrucker Hofburg aus. Dieses von der EU unterstützte Programm versucht durch den Ausbau eines sanften Tourismus in Form von thematischen Kulturwegen zur regionalen wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen. Österreich stellt noch bis 2015 die Präsidentin des Verwaltungsrates. 2013 gab das BMEIA, gemeinsam mit dem BMWFW, ein Handbuch heraus, das den Mehrwert des österreichischen Beitritts zu diesem Teilabkommen evaluiert und praktische Ratschläge zur Einrichtung von Kulturstraßen gibt.