Bildung und Sprache


Die stärkste Identifikation eines Kulturraums erfolgt weiterhin über die Sprache. Die österreichische Auslandskulturpolitik darf daher diesen Aspekt nicht außer Acht lassen, sondern muss die Verantwortung für Pflege und Verbreitung der deutschen Sprache übernehmen und öffentlich dafür eintreten. Dies liegt umso näher, als Kultur und Tradition vieler Länder, vor allem Mittel-, Ost und Südosteuropas, noch stets Deutsch als internationales Verständigungsmittel anerkennen, zum politischen und wirtschaftlichen Vorteil dieses Sprachraums.

Österreich Institut GmbH

Mit der Gründung der zu 100 Prozent im Bundeseigentum stehenden Österreich Institut GmbH und der Errichtung von Österreich Instituten setzte die österreichische Außenkulturpolitik ein Zeichen ihres Interesses an Sprachenfragen in Europa. Die Österreich Institute sollten die bis dahin von den Österreichischen Kulturinstituten geführten Österreich-bezogenen Deutschkurse an verschiedenen europäischen Standorten in privatrechtlicher Form durchzuführen. Damit erreichte man eine größere Professionalität bei der Umsetzung, klare arbeitsrechtliche Verhältnisse des Lehrpersonals und eine marktwirtschaftliche Organisation. Das Österreich Institut Gesetz (BGBl. Nr. 177/1996) definiert die Aufgabe des Österreich Instituts mit der „Pflege der kulturellen Auslandsbeziehungen insbesondere über das Medium der deutschen Sprache“. Österreich Institute gibt es in Mittel- und Osteuropa (Belgrad, Bratislava, Brünn, Budapest, Krakau, Warschau, Rom und Wrocław) und in der Türkei (Istanbul). Seit der Gründung wurde die Zahl der KursteilnehmerInnen von rund 4.500 auf circa 10.000 jährlich gesteigert.
Die Gesellschaft finanziert sich zu nahezu zwei Dritteln selbst und entlastet so die öffentliche Hand. Dieses beachtenswerte Ergebnis erwirtschaftet die Gesellschaft mit besonders qualitätsvollen Deutschkursen. Ihre erfolgreichen Bemühungen um Qualität im Deutschunterricht haben die Europäische Union veranlasst, dem Institut 2002 das "Europäische Gütesiegel für innovative Sprachenprojekte" zu verleihen. Um das hohe Niveau zu halten, werden die Sprachkursangebote regelmäßig evaluiert und laufend neue Angebote entwickelt. Ein kontinuierliches Fortbildungsprogramm der 120 Sprachlehrer ist eingerichtet.
Seit 1998 gibt das Institut den "Österreich Spiegel. Die Zeitung für den Deutschunterricht" heraus. Motto: "Lesen, was man in Österreich liest. Hören, was man in Österreich hört. Medial dabei sein." Als Internetangebot besteht seit September 2001 das "Österreich Portal" als multimediale Plattform für den Deutschunterricht, das 2004 durch „Blended Learning –Kurse“ erweitert wurde. Darüber hinaus werden laufend Materialien für den Fachsprachenunterricht entwickelt, wie „Deutsch für Juristen“, „Deutsch für die Bank“ und „Deutsch für medizinische Berufe.“ Weitere Informationen finden sich im Festbericht, der zum 10-jährigen Jubiläum des Österreich Instituts erschienen ist.

Österreichische Schulen im Ausland

Derzeit unterrichten 134 österreichische Lehrerinnen und Lehrer nach österreichischem Lehrplan an insgesamt sieben österreichischen Auslandsschulen in nicht deutschsprachigen Ländern. Mehr als 3.300 Schülerinnen und Schüler profitieren vom Unterricht mit Native Speakers in einer Vielzahl der Unterrichtsfächer. Allen Schulen gemeinsam ist, dass sie im Gastland einen hervorragenden Ruf genießen und daher Bildungsstätte für die geistige Elite des Landes sind.

Die sieben Schulen sind das St. Georgs-Kolleg in Istanbul, die älteste Auslandsschule Österreichs; das Gymnasium in Prag; die Peter Mahringer-HTL in Shkodra (Albanien); ein Oberstufengymnasium und die österreichisch-ungarische Europaschule mit Grundschule und Mittelstufe in Budapest; die mit 1.800 Schülerinnen und Schülern größte Auslandsschule in Guatemala; sowie die jüngste Auslandsschule, eine im akademischen Jahr 2011/2011 in Querétaro (Mexiko) eröffnete Volksschule.

Deutschsprachige Schulen, an denen österreichische LehrerInnen eingesetzt werden können, befinden sich jedoch auf der ganzen Welt. Lehrerinnen und Lehrer an zweisprachigen Schulen der Nachbarländer Slowakei, Tschechien und Ungarn tragen in besonderer Weise zur Förderung der deutschen Sprache bei und vermitteln österreichische Landeskunde. Sie werden vor allem für den Deutschunterricht eingesetzt, unterrichten aber auch Geographie, Biologie, Mathematik, Physik, Chemie, in betriebswirtschaftlichen Fächern u.a. auf Deutsch.

LektorInnen und SprachassistentInnen

Das Lektoratsprogramm für graduierte Geistes- und Kulturwissenschaftler dient dem Unterricht der deutschen Sprache, der Literatur und Landeskunde Österreichs an ausländischen Universitäten. Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung finanziert und von der Österreich-Kooperation auf der Grundlage von Förderungsvereinbarungen mit ausländischen Universitätsinstituten und Hochschuleinrichtungen durchgeführt. Der Großteil der Lektoratsstellen befindet sich an germanistischen Lehrstühlen. Aber auch Hochschulen mit wirtschaftlichen, technischen und linguistischen Fachrichtungen werden mit Lektoratsstellen unterstützt.

Wegen des mehrjährigen Lehraufenthalts ermöglichen Lektorate außerdem den Aufbau nachhaltiger Beziehungen zwischen Österreich und dem Gastland und bilden somit ein wichtiges Instrument österreichischer Kultur- und Wissenschaftsvermittlung.

Der Einsatz von Sprachassistenten ermöglicht den Teilnehmern, neben dem Erwerb von Sprach- und Landeskenntnissen erste praktische Unterrichtserfahrung zu sammeln. Studenten, insbesondere des Lehramts, ab dem 2. Studienabschnitt, Unterrichtspraktikanten und Lehrer, bis zum 30. Lebensjahr, können sich ein authentisches Bild von der Schulrealität in anderen Ländern machen und sich für ihre Arbeit in Österreich Anregungen holen.

Studieren im Ausland

Die letzten Jahre haben eine wesentliche Intensivierung der akademischen Mobilität gebracht. Ein Auslandsaufenthalt während oder nach der Ausbildung kann vom Studienplan vorgeschrieben, für ein bestimmtes Vorhaben notwendig oder einfach eine sinnvolle Erweiterung der eigenen Ausbildung sein. Dazu dienen Mobilitätsprogramme der EU, einzelner Länder oder Hochschulen/Universitäten. Österreich war treibende Kraft hinter dem "Central European Exchange Programme for University Studies" (CEEPUS), das seit 1995 die Zusammenarbeit von neun Ländern Mittel- und Osteuropas bei der Aus- und Weiterbildung im Wege gemeinsamer Studienangebote mit gemeinsamen Abschlüssen zum Ziel hat und damit die Absicht der europäischen Bildungsminister verwirklichen soll, einen europäischen Hochschulraum zu schaffen (Bologna-Erklärung).

Darüber hinaus wird künftig die verstärkte Beteiligung österreichischer Hochschuleinrichtungen an Joint Degree-Programmen zu einer wesentlichen Attraktivitätssteigerung des Hochschulstandorts Österreich führen.

Über das Angebot an Studienmöglichkeiten informieren internationale Datenbanken im Internet, die jeweiligen diplomatischen Vertretungen oder die Betreuer an der Heimatuniversität.