Wien, 24. Januar 2011 Rede/Interview

Rede von Außenminister Michael Spindelegger anlässlich der PaN-Preisverleihung an die Österreichisch-Chinesiche Gesellschaft

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

 

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Uyunqimg !
Sehr geehrter Herr Botschafter Mingde Shi !
Sehr geehrter Herr Minister Chen Haosu !
Sehr geehrter Herr Vizeminister Wu Ritu !
Sehr geehrter Walter Strutzenberger, Vizepräs. des Bundesrates und Präsident der Österreichisch Chinesischen Gesellschaft!
Sehr geehrter DDr Walter, Präsident des Dachverbands PaN!

Sehr geehrte Damen und Herren Präsidenten und Vorstandsmitglieder bilateraler Freundschaftsgesellschaften!

Liebe Gäste!

Es ist für mich eine Freude, Sie heute in unserem Festsaal, dem „Marmorsaal“, willkommen zu heißen. Dieser Saal wird für feierliche Momente der offiziellen bilateralen Beziehungen, so meist für Besuche  ausländischer Regierungsmitglieder verwendet, aber auch für besondere Anlässe der Außenpolitik wie am heutigen Tag.

Ich möchte daher kurz

  • den Rahmen der bilateralen Beziehungen abstecken, um dann auf
  • die Bedeutung der kulturellen und persönlichen Kontakte und
  • die Rolle der österreichisch chinesischen Freundschaftsgesellschaft einzugehen

Beziehungen Österreich-China

Wie sie wissen, feiern wir heuer das 40-Jahr-Jubiläum der österreichisch-chinesischen Beziehungen. Nach unserer erfolgreichen Teilnahme an der Weltausstellung in Shanghai 2010 – u.a. mit 3,3 Mio. Besuchern - bietet dieses Jubiläum eine hervorragende Gelegenheit, das große Potential und das Ansehen, das Österreich in China genießt, noch stärker zu nutzen. 

China ist ein bedeutender Wirtschaftspartner Österreichs und der zweitwichtigste Handelspartner außerhalb Europas. Trotz der Wirtschaftskrise konnten die österreichischen Exporte im ersten Halbjahr um 43 Prozent gesteigert werden. Insbesondere in den Sektoren Infrastruktur, Hochtechnologie, Maschinen- und Anlagenbau, erneuerbarer Energie, Umweltschutz und Dienstleistungen bieten sich Chancen für eine intensivere Zusammenarbeit.

Wir wollen uns trotzdem nicht zurücklehnen, sondern diese Erfolge als Ansporn nehmen, unsere Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur weiter auszubauen. Ich freue mich daher ganz besonders, dass ich mit Vizekanzler Josef Pröll bereits nächsten Monat nach China reisen und damit den politischen Auftakt für dieses Jubiläumsjahr setzen werde.

Die Bedeutung von Kultur und menschlichen Kontakten

Hinter den reinen Wirtschaftsdaten und Statistiken stehen jedoch auch vermehrt persönliche und kulturelle Kontakte. So möchte ich daran erinnern, dass allein im Wintersemester 2009 mehr als 1400 chinesische StudentenInnen in Österreich studierten! Dazu betreibt Österreich mit 65 offiziellen Kooperationsabkommen eines der umfangreichsten universitären Kooperationsnetzwerke aller EU-Mitgliedstaaten mit China. 

Weil wir überzeugt sind, dass die Kultur eine wesentliche Säule der Aussenpolitik, oder besser gesagt Seele und Motor weitreichender Beziehungen sein kann, haben wir beschlossen, anlässlich des Jubiläums auch ein reiches kulturelles Veranstaltungsprogramm in China und in Österreich anzubieten. 

Es sind rund 100 Projekte geplant, die von musikalischen Veranstaltungen über Ausstellungen, Gala-Abende und ein Filmprojekte reichen. So werden zum Beispiel in China ein Schiwochenende in der Nähe von Peking ebenso wie Tanzkurse auf öffentlichen Plätzen unter dem Motto "Österreich tanzt mit China - Alles Walzer" angeboten werden. In kaum mehr als 24 Stunden werden wir aber auch in Wien im Musikverein das traditionelle chinesische Neujahrskonzertes genießen.

Die Österreichisch-Chinesische Gesellschaft

2011 ist nicht nur das „Jahr des Hasen“ sondern wurde auch von der EU zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft“ ausgerufen. Es soll dazu beitragen, freiwilliges Engagement als eine der wesentlichen Dimensionen der aktiven Bürgerbeteiligung und der Demokratie ins Bewusstsein zu rücken, weil europäische Werte wie Solidarität und Nichtdiskriminierung in die Tat umgesetzt werden.

Es fügt sich daher ganz besonders gut ein, dass wir heute das Wirken und den Einsatz der Österreich-Chinesischen Gesellschaft auszeichnen.

Viele der vorher erwähnten Projekte des Österreich-China Jahres wurden von der Österreich-Chinesischen Gesellschaft initiiert und sollen von ihr umgesetzt werden. Dieser Beitrag folgt einer langen Tradition. Es erinnert uns daran, dass neben den offiziellen Beziehungen zwischen den Ländern die bilateralen Freundschaftsgesellschaften eine wesentliche Rolle in den „people to people“ Kontakten wahrnehmen. Diese persönlichen Kontakte sind notwendig, um in der Tiefe UND in der Breite nachhaltige Kenntnis des Anderen, Interesse und Verständnis für die Kultur des Gegenübers zu pflegen. 

PaN-Präsident DDr. Claus Walter hat uns dargestellt, welche Leistungen die Österreichisch-Chinesische Gesellschaft in den letzten 40 Jahren erbracht hat, und ich kann mich hier nur dem verdienten Lob, insbesondere für den jetzigen Vorstand und dessen Mitarbeiter, anschließen. Ich bin überzeugt, dass die heutige Präsenz einer hochrangigen Delegation aus China unter der Leitung von Frau Vizepräsidentin Uyunqimgals besonderes Zeichen der Anerkennung seitens der offiziellen chinesischen Seite gedeutet werden kann.

Es ist mir nun eine Freude, heute in diesem ganz besonderen Jubiläumsjahr, sowohl der bilateralen Beziehungen als auch unseres Preisträgers, den PaN-Preis meines Hauses der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen zugunsten der Völkerverständigung zwischen China und Österreich zu überreichen.   

Herr Präsident Walter Strutzenberger, darf ich Sie bitten, den Preis im Namen ihrer Gesellschaft entgegenzunehmen.