Wien, 13. Oktober 2011 Rede/Interview

Rede von Vizekanzler Bundesminister Michael Spindelegger im König Abdullah Zentrum

Königliche Hoheit,
Eminenzen,
Exzellenzen,
Sehr geehrte Damen und Herren:

Es ist eine große Freude und Ehre für mich, diese Rede anlässlich der Unterzeichnung des Gründungsabkommens für das Internationale King Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog halten zu dürfen. Ich danke Seiner Königlichen Hoheit, Prinz Saud Al Faisaland und Ihrer Exzellenz, der Außenministerin des Königreichs Spaniens, Frau Trinidad Jiménez García-Herrera, für ihre Teilnahme an dieser wichtigen Unterzeichnungszeremonie hier in Wien.

Ich danke auch Seiner Eminenz, dem Leiter des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran und Seiner Exzellenz Erzbischof Celata für ihr Kommen.

Gestatten Sie mir als Einleitung den ehemaligen Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, zu zitieren, der anlässlich der Ausrufung des Jahres des Dialogs zwischen den Kulturen 2001 Folgendes sagte: "In unserer globalisierten Welt sind die Völker der Erde weit mehr durch ihr gemeinsames Schicksal geeint als sie durch unterschiedliche Identitäten gespalten sind.“ Dieser Satz trifft immer noch zu, vor allem heute an diesem wichtigen Tag.

Wir sind höchst dankbar für die Initiative Seiner Majestät König Abdullah Bin Abdulaziz zur Gründung eines internationalen Zentrums für den Dialog zwischen den Religionen. Österreich ist als einer der drei Gründungsstaaten besonders glücklich, dass diese wichtige dauerhafte Plattform für den internationalen Dialog ihren Sitz in Wien haben wird. 

Hauptziel des Zentrums ist die Förderung des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen auf allen Ebenen. Damit ergänzt und verstärkt es Österreichs langjährige Tradition des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. Seit vielen Jahren bemüht sich Österreich als Plattform des internationalen Dialogs zu Stabilität und Frieden weltweit beizutragen.

Gestatten Sie mir, dass ich Sie an meinen Überlegungen zu zwei Themen teilhaben lasse: erstens, dem steigenden Bedarf nach interreligiösem und interkulturellem Dialog in unseren modernen pluralistischen Gesellschaften; und zweitens der wichtigen Rolle, die das Internationale König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog in diesem Zusammenhang spielen kann.

Zuerst möchte ich unser unverrückbares Bekenntnis zum Dialog auf allen Ebenen betonen. Wir sehen uns Realitäten gegenüber, die sich immer schneller ändern. Dialog ist das unverzichtbare Gerüst, das jede Gesellschaft zusammenhält. Wir halten Dialog für die Grundvoraussetzung für friedliche Koexistenz verschiedener Kulturen und Religionen.

Wir sind alle gemeinsam dafür verantwortlich, das Alltagsleben der kulturellen Vielfalt realistisch zu gestalten: in der Schule, in Wohnbauten, bei der Ausübung unseres Glaubens, aber auch beim Erwerben von Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein. Fehlendes gegenseitiges Verständnis muss durch Dialog überwunden werden. Es gibt keine Alternative zum Dialog! Vom österreichischen Standpunkt aus gesehen, beruht offener und ehrlicher Dialog auf dem Respekt der Vielfalt, auf den Menschenrechten und Grundfreiheiten, einschließlich der Freiheit der Religionsausübung und der Gewissensfreiheit.

Dialog braucht auch Strukturen und Kontinuität. Das bringt mich zu meinem zweiten Punkt – der künftigen Rolle des Internationalen König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrums für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog. Wir hoffen, dass dieses Zentrum eine dauerhafte Plattform bietet, wo offen darüber diskutiert werden kann, wie Glaubensgemeinschaften zu Konfliktlösung, Frieden und Versöhnung sowie sozialer Kohäsion und Entwicklung beitragen können. Die Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaftsgemeinde werden es möglich machen, dass das Zentrum auf wahrhaft interreligiöse und interdisziplinäre Art arbeitet.

Gleichzeitig müssen alle Bemühungen um die Förderung des Dialogs zwischen Kulturen und Zivilisationen auch die breite Öffentlichkeit erreichen. Die Aufgabe, die uns als Regierungen, sowie religiösen Führern, Autoren und Journalisten gemeinsam zufällt, ist es Menschen eine faire Chance für Verständnis zu bieten, es ihnen zu ermöglichen, verschiedene Kulturen und Zivilisationen zu verstehen und zu schätzen. Ich bin daher zuversichtlich, dass das Zentrum auch als wichtiger Treffpunkt für Menschen mit verschiedenem Hintergrund dienen wird.

Gestatten Sie mir, abschließend noch einmal zu betonen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass es keine Alternative zu offenem und wahrhaftem Dialog zwischen Kulturen und Zivilisationen gibt. Daher wünsche ich dem Internationalen König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog alles Gute für die Herausforderungen, die vor ihm liegen. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass wir unser Bestes tun werden, um das Zentrum in all seinen Bemühungen zu unterstützen.

Vielen Dank!