Wien, 9. April 2008 Rede/Interview

ZIB 2-Interview mit Außenministerin Plassnik zum Fall Ebner/Kloiber

9. April 2008

Wolf Armin (ORF):
Zu den österreichischen Geiseln  in Mali gibt es in den letzten Tagen sehr unterschiedliche Informationen und wenig direkte Information aus dem Außenministerium. Jetzt ist mir schon klar, dass das alles sehr heikel ist, aber vielleicht könnten Sie zumindest sagen: Was sind denn jetzt tatsächlich die Forderungen der Entführer an Österreich?

Plassnik:
Es geht hier um die Sicherheit von zwei österreichischen Staatsbürgern. Wir sind mit aller Ernsthaftigkeit und mit allen Mitteln bemüht, ihre Sicherheit sicher zu stellen, sie unversehrt wieder nach Österreich zurückzuholen. Das ist unsere Aufgabe, ich bitte um Verständnis dafür, dass wir im Rahmen dieser Aufgabe nicht laufend zu den verschiedensten Meldungen, die auftauchen, Äußerungen und Kommentare machen können. Hier muss präzise unterschieden werden: wenn auf irgendwelchen Internetseiten Meldungen auftauchen, dann ist das nicht etwas, was von der österreichischen Bundesregierung kommentiert werden soll und muss. Von Anfang an, und das bitte ich Sie auch zu bedenken, war eines klar: Wir haben es hier mit Terroristen zu tun, deren deklarierte Absicht es ist, die österreichische Bundesregierung unter Druck zu setzen. So haben es diese Menschen in der allerersten Botschaft über Al Jazeera auch entsprechend kund getan.  

Wolf Armin:
Jetzt blühen aber die wildesten Spekulationen, auch über die Forderungen, auch darüber ob Österreich möglicherweise schon Lösegeld bezahlt hätte – das könnten Sie ja klar machen, wenn Sie einfach einmal sagen, was tatsächlich die Forderungen sind, was ist das Problem daran?

Plassnik:
Nein, Herr Wolf, das werden wir nicht klar machen, denn wir diskutieren hier nicht zu zweit und wir diskutieren hier nicht nur vor österreichischen Fernsehzuschauern. Wir diskutieren hier vor Terroristen, vor Menschen, die zwei österreichische Staatsbürger in ihre Gewalt gebracht haben.  Und wir werden daher, das haben wir in der Bundesregierung so vereinbart und daran werde ich mich ganz sicher halten, nicht im Detail Forderungen, Ansprüche, Meldungen, Gerüchte oder Spekulationen kommentieren. Ich bitte Sie noch einmal darum, Verständnis zu haben, im Interesse der Sicherheit der beiden Geiseln. 

Wolf Armin:
Ihr Honorarkonsul in Mali hat recht forsch vor einigen Wochen schon gesagt, bis Ostern wird das alles glimpflich ausgegangen sein und die Geiseln frei sein. Da war er offenbar ein bisschen vorschnell - was glauben Sie, wie lange das noch dauern wird?

Plassnik:
Sie sehen, es hat hier wenig Sinn, Spekulationen in die Welt zu setzen. Denken Sie an die Betroffenen, denken Sie auch an die Angehörigen für die diese Zeit eine besonders schwierige und anspruchsvolle ist. Es ist ihnen gegenüber nicht fair, hier Erwartungen zu wecken oder Spekulationen öffentlich zu betreiben, die dann nicht erfüllt werden können - nicht vom Herrn Honorarkonsul in Mali oder von irgendjemand anderen.