Wien, 10. September 2003 Rede/Interview

Ferrero-Waldner: Statement anlässlich der Präsentation des Gutachtens von PricewaterhouseCoopers

10.09.2003

 

"Ermittlung der volkswirtschaftlichen Wirkungen der Internationalen Organisationen am Amtssitz Wien unter Berücksichtigung der sonstigen diplomatischen Vertretungen"

Wien, am 10. September 2003

 

Sehr geehrte Damen und Herren !

Österreich ist heute einer der bedeutendsten - und begehrtesten - Amtssitze internationaler Organisationen. Neben New York und Genf ist Wien wie Sie wissen der dritte Hauptsitz des Sekretariats der Vereinten Nationen. Darüber hinaus beherbergt Österreich andere renommierte Organisationen wie z.B. die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO), die Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (UNIDO), die vorbereitende Kommission der Atomteststoppbehörde (CTBTO), die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die Organisation Erdöl Exportierender Staaten (OPEC) und viele andere mehr. Das allein ist schon eine beeindruckende Liste, es kommen aber auch laufend neue Organisationen noch dazu: So hat z.B. die Europäische Weltraumorganisation (ESA) im Dezember 2002 beschlossen, das Europäische Institut für Weltraumpolitik (ESPI) in Wien anzusiedeln, allein an diesem Institut haben zwanzig Wissenschaftler ihre Arbeit aufgenommen.

Dass sich Österreich und auch Wien auf diese Weise auf dem internationalen Parkett profiliert, steht außer Zweifel. Dass Österreich dadurch außenpolitisch an Gewicht gewinnt, ist ebenfalls offensichtlich. Ich denke hier etwa nur an die im Rahmen des Gouverneursrates der Internationalen Atomenergie Organisation in den letzten Tagen geführten Diskussionen und Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Fernsehstationen und Printmedien der ganzen Welt haben über diese Frage berichtet, Wien und Österreich war damit wieder einmal für einige Stunden Zentrum der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit.

Der politische und diplomatische Wert, der durch solche Ereignisse für Wien und Österreich entsteht, lässt sich sicher nicht in Geld ausdrücken.

Es gibt aber durch die Ansiedlung Internationaler Organisationen auch Vorteile ökonomischer Natur für Österreich, die sich sehr wohl in Zahlen fassen lassen. Und genau das war für das Außenministerium der Grund, die nunmehr vorliegende Studie bei der Firma PricewaterhouseCoopers in Auftrag zu geben. Wir wollten die harten Zahlen, die Effekte für die österreichische Wirtschaft, für den Wohnungsmarkt, das Bildungswesen, usw. beleuchten.

Lassen Sie mich nur einige der Kernergebnisse der Studie anführen, die Studienautoren werden dann in der Folge auf die näheren Details eingehen: Nimmt man etwa die Effekte der in Wien ansässigen Internationalen Organisationen, der multilateralen Vertretungen und der bilateralen Botschaften zusammen, dann ergibt sich eine direkte und indirekte Nachfrage an Gütern und Dienstleistungen im Ausmaß von jährlich fast 800 Millionen Euro.

Obwohl die Internationalen Organisationen, die Botschaften und die dort beschäftigten Personen Steuerprivilegien genießen, werden aufgrund der indirekten Effekte insgesamt Gütersteuern und sonstige Abgaben im Ausmaß von jährlich 52 Millionen Euro bezahlt. Dazu kommen noch Sozialversicherungsbeiträge (der Arbeitgeber) im Ausmaß von insgesamt 37,6 Millionen Euro.

Mit rund 10.200 direkt und indirekten geschaffenen Arbeitsplätzen gehen von den Internationalen Organisationen sowie den multilateralen und bilateralen Botschaften in Wien erhebliche Beschäftigungseffekte aus.

Der größte Teil der soeben von mir geschilderten Effekte betrifft den Großraum Wien. Insgesamt geht die nunmehr vorliegende Studie von Wertschöpfungseffekten von ca. 529 Millionen Euro für den Großraum Wien aus, das entspricht ca. 1% der Wertschöpfung dieser Region.

Darüber hinaus gibt es noch weitere positive Effekte für den Wohnungsmarkt, für den Konferenztourismus, für das Bildungswesen etc. die in der Folge noch dargestellt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als vor rund eineinhalb Jahren Botschafter Dr. Johannes Kyrle seine Funktion als Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten angetreten hat, hat er die Stärkung Österreichs als Amtssitz Internationaler Organisationen einer der Prioritäten unseres Hauses genannt. Das Außenministerium ist tatsächlich in hohem Maße darum bemüht, Österreichs Rolle als Ort der Begegnung und Standort Internationaler Organisationen zu stärken. Die nunmehr vorliegende Studie ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Denn es ist uns dadurch gelungen, die oft behaupteten positiven Effekte auch einmal zu konkretisieren, sie also "auf den Punkt" zu bringen. Österreich als Ort der Begegnung, das entspricht, glaube ich, erstens unserem Selbstverständnis und das macht zweitens auch aus rein ökonomischen Gesichtspunkten für unser Land sehr viel Sinn.