Wien, 9. Oktober 2012 Aussendung

Eskalation der Gewalt in Syrien, Botschafter ins Außenministerium einbestellt

Österreich übergibt Forderungskatalog zu Menschenrechte in Syrien

Wien, 09. Oktober 2012 – Im Auftrag von Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger wurde gestern (08. Oktober) der syrische Botschafter in Österreich vom Generalsekretär für Auswärtige Angelegenheiten, Johannes Kyrle, ins Außenministerium einbestellt. Die Einbestellung erfolgte nach hochrangigen Konsultationen mit der Hochkommissarin für Menschenrechte und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf, um gegenüber dem Botschafter die eskalierende Gewalt, insbesondere die Angriffe der syrischen Luftwaffe auf die Zivilbevölkerung, und die wiederholten Verletzungen der territorialen Integrität der Türkei scharf zu verurteilen.

„Die anhaltenden massiven Menschenrechtsverletzungen in Syrien sind aufs Schärfste zu verurteilen. Syrien spielt zudem mit dem Feuer. Die gezielten Provokationen des Nachbars Türkei sind inakzeptabel und könnten einen Flächenbrand auslösen“, warnte der Vizekanzler.

Dem syrischen Botschafter wurde vom Generalsekretär ein konkreter schriftlicher Forderungskatalog von Österreich zur Menschenrechtssituation in Syrien überreicht. Darin wird an Syrien dringend appelliert, den internationalen Menschenrechtsorganisationen, wie dem Büro der Hochkommissarin für Menschenrechte und insbesondere dem IKRK, ungehinderten Zugang zu gestatten. Das IKRK müsse jederzeit Gefängnisse besuchen können; Spitäler, Gebetshäuser und Gebäude, die das Emblem des IKRK tragen, seien zu respektieren. Auch seien den Mitgliedern der Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrates endlich Visa zu erteilen, so dass sie vor Ort ihrer Arbeit nachgehen und sich ein unverfälschtes Bild von der Lage machen können. Zudem müsse Syrien glaubwürdige interne Untersuchungen über Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen durch unabhängige Gerichte durchführen lassen.

Bei dieser Gelegenheit sprach Kyrle auch das Schicksal des syrischen Oppositionsführers Abdel Aziz-Alkaya an, der am 20. September 2012 nach seiner Rückkehr von Gesprächen in Peking in Damaskus verschwunden ist, und forderte seine umgehende Freilassung.

„Die menschenverachtende syrische Politik missachtet die fundamentalsten Grundrechte der eigenen Bevölkerung. Syrien muss endlich die Bereitschaft zur vollen Zusammenarbeit mit den internationalen Menschenrechtsorganisationen zeigen und ihnen ermöglichen, ihren Auftrag zum Schutz der Menschen in Syrien, insbesondere der Frauen und Kinder, zu erfüllen“, so Spindelegger abschließend.

 

Rückfragehinweis:
Bundesministerium für europäische
und internationale Angelegenheiten
Presseabteilung
Tel.: ++43 (0) 50 1150-3262, 4549, 4550
Fax: ++43 (0) 50 1159-213
mailto:abti3(at)bmeia.gv.at

 

Aide-mémoire

The rapid deterioration of the humanitarian situation as well as persistent gross violations of human rights in the Syrian Arab Republic continues to raise particular concerns. Recent high level consultations of Austria with the UN High Commissioner for Human Rights and the ICRC in Geneva have underlined the necessity that Syrian authorities show full respect and compliance with international human rights obligations and international humanitarian law.

On the basis of these consultations, it is crucial that the Syrian authorities demonstrate their willingness for cooperation and take the following measures in view to ensure that the UN High Commissioner for Human Rights, the ICRC as well as other international humanitarian organisations can fulfil their mandate to ensure the protection of civilians, in particular of women and children:

  1. Fully collaborate with the Office of the High Commissioner for Human Rights inter alia by granting access to Syria.
  2. Facilitate full and unfettered access for humanitarian actors under all circumstances.
  3. Respect the inviolability of hospitals and houses of prayer and the emblem of the International Committee of the Red Cross. 
  4. Grant the International Committee of the Red Cross unimpeded and full access to all detention facilities, including those managed by the security authorities and those used for interrogation.
  5. Fully cooperate with the Commission of Inquiry established by the Human Rights Council and grant to its members unimpeded access to the Syrian Arab Republic.
  6. Conduct credible investigations into allegations of human rights violations, crimes against humanity and war crimes by an independent judicial body, in particular of El-Houleh and Daraya and ensure accountability of the perpetrators.

Vienna, 8 October 2012