Jerusalem, 3. Dezember 2006 Aussendung

Plassnik: "Kraft unserer vertrauensvollen Partnerschaft nützen"

03.12.2006

50-jähriges Jubiläum der österreichisch-israelischen diplomatischen Beziehungen

Jerusalem, 3. Dezember 2006 - "Heute verbindet uns eine lebendige, vertrauensvolle Partnerschaft voller vielschichtiger Emotionen und mit einem in vieler Hinsicht auch schmerzlichen Erbe. Die Offenheit, die Freundschaft, das gegenseitige Interesse und das tief empfundene Gefühl der Verbundenheit, die uns heute einen, sind gerade für jemanden wie mich, der nach der schrecklichen Zeit der Shoa geboren ist, eine besondere Erfahrung", erklärte Außenministerin Ursula Plassnik in Jerusalem bei der Konferenz anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Israel.

Außenministerin Plassnik, die diese Konferenz gemeinsam mit ihrer israelischen Amtskollegin Tzipi Livni eröffnete, fand auch klare Worte zu den schwierigen Seiten in den österreichisch-israelischen Beziehungen: "Österreich anerkennt die Schwere des Vermächtnisses unserer Vergangenheit. Wir tun das, was Menschen heute tun können, um zu verstehen, um den Schmerz zu lindern und das Wissen über das Geschehene weiterzureichen".

Gerade vor diesem Hintergrund komme der starken menschlichen Komponente, die beide Länder verbindet, so große Bedeutung zu. "Eine gelebte Partnerschaft wird immer auch vom beharrlichen Engagement und der Begeisterung Einzelner geprägt. Es sind diese unermüdlichen Brückenbauer, die großzügig die Hand ausstrecken - nicht trotz, sondern gerade wegen dem, was geschehen ist", so Plassnik. Die Außenministerin verwies in diesem Zusammenhang auch auf die vielfältigen Maßnahmen, die Österreich in den letzten Jahren für die Opfer des Nationalsozialismus gesetzt hat, etwa mit der Einrichtung des Nationalfonds und des Allgemeinen Entschädigungsfonds sowie mit der Novellierung des Opferfürsorgegesetzes und des Sozialversicherungsgesetzes.

Anlässlich ihres Besuchs in Israel standen heute zudem eine Reihe von Arbeitstreffen, unter anderem mit Premierminister Ehud Olmert und Außenministerin Tzipi Livni am Programm. Plassnik gedachte auch der Opfer des Holocaust in der Gedenkstätte Yad Vashem, wo sie einen Kranz niederlegte.

Gegenstand der Arbeitsgespräche waren die jüngsten Entwicklungen in der Region und die Chancen für eine Wiederbelebung des festgefahrenen Nahost-Friedensprozesses. "Unsere gemeinsame Suche nach Frieden - das ist das eigentliche Herzstück unserer gemeinsamen täglichen Arbeit an den Baustellen der internationalen Politik. Heute bietet sich eine seltene Gelegenheit. Ein klarer und entschiedener Aufruf zum Frieden wurde erst vor wenigen Tagen von Premierminister Olmert formuliert. Darin wird ein Weg umrissen, ein Weg, der die Chance auf eine andere - bessere - Zukunft für Israelis und Palästinenser enthält. Jetzt bedarf es des Mutes und der Unerschrockenheit auf beiden Seiten, um diese Chance zu ergreifen und in konkrete Maßnahmen umzusetzen", unterstrich die Außenministerin.

Außenministerin Livni hob das besondere Engagement und die Umsicht von Außenministerin Plassnik im Nahen Osten, insbesondere während des österreichischen EU-Vorsitzes, hervor. Plassnik betonte die Bereitschaft der EU, die jüngsten positiven Bewegungen nachhaltig zu unterstützen. "Vertrauen ist unerlässlicher Bestandteil jeder Beziehung. Es bedarf Zeit, Geduld und Engagement, um eine Vertrauensbasis wiederherzustellen. Vertrauensarbeit ist aber, was die Region des Nahen Ostens am dringendsten braucht", so die Außenministerin.

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