6. September 2002 Aussendung

Ferrero-Waldner eröffnet Auslandskulturtagung

06.09.2002

Thema der Rede: "Österreichs Rolle in der europäischen Sprachenpolitik"

Wien, 6. September 2002 - Die diesjährige Auslandskulturtagung zum Thema "Sprache und Kultur" wurde durch eine Rede von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner über "Österreichs Rolle in der europäischen Sprachenpolitik" eröffnet. Sie unterstrich dabei die Bedeutung einer aktiven staatlichen Sprachenpolitik, die im Inland die Mehrsprachigkeit und im Ausland die eigene Sprache fördert und ging auf die Möglichkeiten einer künftigen Sprachenordung in der erweiterten Europäischen Union ein. Gleichzeitig sprach die Außenministerin der bisherigen Leiterin der Kulturpolitischen Sektion, Hofrätin Monika Kalista, ihre Anerkennung für die geleisteten Anstrengungen in den vergangenen fünf Jahren aus und wünschte dem neuen Sektionsleiter, Botschafter Emil Brix, viel Engagement und Leidenschaft für seine künftigen Aufgaben.

Ferrero-Waldner betonte die besondere Rolle der österreichischen Auslandkulturpolitik im Zusammenhang mit Sprache, Kultur und Identität vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt. Österreich habe seit dem Wendejahr 1989 die Chance, Deutsch als regionale Kommunikationssprache im mittel- und osteuropäischen Raum eine integrierende Funktion zu geben. Das Außenministerium habe daher schon seit Jahren in seinem Nachbarschaftsraum mit eigenen Sprachschulen, mit Österreich-Bibliotheken und Übersetzungsförderungen ein besonderes Augenmerk auf diese Aufgabe gelegt.

Künftig werde es notwendig sein, österreichische Aspekte verstärkt in den Deutschunterricht dieser Staaten einzubinden und das hohe Niveau der österreichischen Sprachenarbeit mit Angeboten für die dortigen Deutschlehrer und Germanisten auszubauen. Gleichzeitig lege das Außenministerium verstärkten Wert darauf, dass seine Diplomaten auch eine Nachbarlandssprache beherrschen. Zusätzlich sollen auch Minderheitensprachen als kulturelle Bereicherung und als Verbindungswege zu anderen Kulturen berücksichtigt werden.

Nach der Erweiterung der Europäischen Union solle daher das Prinzip der Sprachvielfalt gewahrt bleiben und gewährleistet werden, dass jeder Unionsbürger mit den Organen der EU in seiner Sprache kommunizieren könne. Gleichzeitig gelte es aber die tägliche Arbeit in der Europäischen Union effizient zu gestalten und eine realistische Lösung der anstehenden Sprachenfrage zu finden.

In einer immer vernetzteren Welt nehme mit einer Abnahme der politischen und wirtschaftlichen Gestaltungsmacht eines Einzelstaates die Bedeutung von Sprache und Kultur als identitätsstiftendes Merkmal deutlich zu. Es sei daher von unschätzbarem Wert, den kulturellen Reichtum eines Landes im Ausland darstellen zu können. Dies sei gerade für Österreich ein Vorteil, den es mittels einer konsistenten Auslandskulturpolitik maximal zu nutzen und auszubauen gilt.

Mit dem Thema Sprache sei auch jenes der Dialogfähigkeit im weitesten Sinn verbunden. Ferrero-Waldner betonte, dass die österreichische Auslandskulturpolitik daher ihren globalen Auftrag besonders auch darin sehe, den Dialog zwischen den Kulturen und Zivilisationen weiter fortzusetzen und einen aktiven Beitrag zum Ausbau stabiler Brücken des gegenseitigen Verständnisses zu leisten.