8. Juli 2002 Aussendung

Ferrero-Waldner besucht Chile und übernimmt Vorsitz im "Netzwerk für Menschliche Sicherheit"

08.07.2002

Santiago, 2. Juli 2002 - Wirtschaftsfragen, die Frage der Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika in der Terrorbekämpfung sowie die Übertragung des Vorsitzes im "Human Security Network" ("Netzwerk für Menschliche Sicherheit") von der chilenischen Außenministerin auf die österreichische Außenministerin standen im Vordergrund der Gespräche im Rahmen des bilateralen Besuches Ferrero-Waldners in Chile. Einig waren sich die beiden Außenministerinnen in der Frage der Stärkung der Wiener UN-Einheiten im Kampf gegen den Terrorismus. Sie erörterten darüber hinaus mögliche Formen der Zusammenarbeit zwischen Österreich und Chile in der Entwicklungszusammenarbeit mit den ärmeren Ländern Lateinamerikas. Ferner zeigte die chilenische Seite großes Interesse an der Arbeit der österreichischen Bioethik-Kommission sowie an Fragen der Biotechnologie. Außerdem wurden Fragen der kulturellen Zusammenarbeit und des Studentenaustausches erörtert.

Ferrero-Waldner wurde in Santiago auch vom chilenischen Staatspräsidenten Ricardo Lagos empfangen. Dabei wurden die wirtschaftliche Lage auf dem lateinamerikanischen Kontinent sowie das Potential der Zusammenarbeit zwischen der österreichischen und chilenischen Wirtschaft auf Basis des kürzlich unterzeichneten Assoziationsabkommens zwischen der EU und Chile erörtert. Ebenfalls erörtert wurden die bi-regionale Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika.

Nach Beendigung der bilateralen Gespräche nimmt Ferrero-Waldner vom 2. - 3. Juli 2002 an der Außenministerkonferenz des Netzwerkes für die Menschliche Sicherheit in Santiago de Chile teil. Bei diesem Netzwerk handelt es sich um eine internationale Gruppierung von 13 Staaten aus allen Kontinenten, die sich besonders dafür einsetzen, den Menschen "ein Leben in größtmöglicher persönlicher Sicherheit" zu ermöglichen. Außenministerin Ferrero-Waldner übernimmt für die Funktionsperiode 2002 bis 2003 den Vorsitz in dieser Staatengruppe. Die Außenministerin hat für ihre Vorsitzführung die Frage der Menschenrechtserziehung bzw. die Probleme von Kindern in bewaffneten Konflikten zu ihren Schwerpunkten erklärt.

Im Bereich der Menschenrechtserziehung wird sich Ferrero-Waldner für die Erarbeitung einer Grundsatzerklärung einsetzen. Diese soll bei der nächsten Außenministertagung, die vom 8. bis 10. Mai 2003 in Graz stattfinden wird, verabschiedet werden und insbesondere die Methoden der Menschenrechtserziehung und ihre Umsetzung umfassen. Außerdem sollen auf allen Kontinenten regionale Zentren für Menschenrechtserziehung errichtet werden, und zwar für Europa in Graz, wobei Österreich auf der Arbeit und der Erfahrung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und des Europäischen Menschenrechtszentrums in Graz von Prof. Dr. Benedek aufbauen wird. Ein weiteres Ziel besteht darin, ein auf die Praxis ausgerichtetes "Paket für Menschenrechtserziehung - train the trainers" für den weltweiten Einsatz auszuarbeiten.

Betreffend das Problem der "Kinder in bewaffneten Konflikten" will die Außenministerin intensiv mit dem Sonderbeauftragten des Generalsekretär der Vereinten Nationen, Olara Otunnu, zusammenarbeiten. Dies ist ein Bereich, in dem sich die österreichische Außenpolitik seit Jahren besonders engagiert und steht in engem Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Landminen.

Zur intensivierten Umsetzung der Aspekte der menschlichen Sicherheit wird Ferrero-Waldner im Verlaufe ihres Vorsitzes bei allen wichtigen internationalen Konferenzen namens des Netzwerkes Initiativen ergreifen. Als nächsten Schritt wird die Außenministerin daher beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg eine Erklärung zur Bedeutung der Menschenrechtserziehung für die nachhaltige Entwicklung abgeben.

Darüber hinaus wird Ferrero-Waldner eine innerösterreichische Arbeitsgruppe einsetzen, deren Aufgabe es sein wird, ihre Vorstellungen zur Menschenrechtserziehung und zu Fragen wie "Kinder in bewaffneten Konflikten" sowie zu anderen Aspekten der menschlichen Sicherheit zu verwirklichen. Außerdem werden in allen Mitgliedsländern sogenannte "Focal-Points" als internationale Kontaktstellen auch für Nicht-Regierungsorganisationen errichtet.