12. November 2001 Aussendung

Ferrero-Waldner erinnert an Rolle der USA beim Aufbau Österreichs nach dem Krieg

12.11.2001

"Fanatiker dürfen sich nicht hinter Privilegien der offenen Gesellschaft verschanzen"

New-York, 12. November 2001 - Außenministerin Benita Ferrero-Waldner sagte heute nach ihrer Rede vor den Vereinten Nationen vor Medienvertretern in New York, "dass wir in Österreich niemals vergessen sollten, dass die Vereinigten Staaten, gemeinsam mit der Sowjetunion und den Alliierten, die Hitler-Diktatur niedergerungen und die Voraussetzungen für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Es waren die USA, die uns durch den Marshall-Plan eine helfende Hand beim Wiederaufbau gereicht haben. Und es waren die USA, die von Anfang an für ein freies Österreich eingetreten sind und uns auf dem Weg zum Staatsvertrag nicht im Stich gelassen haben. Das ist eine sehr starke emotionale Komponente in den Beziehungen Österreichs zu den USA und diese Komponente sollten wir bei unserer Unterstützung der USA im Kampf gegen den Terrorismus stets im Auge behalten. Das war ein Akt der Solidarität, den die ältere Generation der Österreicher nicht vergessen hat, so wenig wie die politische Klasse im Österreich der Gegenwart.", sagte Ferrero-Waldner.

Nach Ansicht der Außenministerin hat die Debatte in der UN-Generalversammlung gezeigt, dass es in den Vereinten Nationen nicht an Entschlossenheit, aber auch nicht an Besonnenheit und kühler Vernunft fehlt, den Terrorismus im internationalen Antiterror-Bündnis auf allen Ebenen zu bekämpfen. "Es kann und darf nicht sein, dass kriminelle Fanatiker sich hinter den Privilegien der offenen Gesellschaft verschanzen, um sie zu zerstören. Nicht in den USA und nicht in Europa", sagte die Außenministerin.

Gleichzeitig ist während der UN-Generalversammlung aber auch deutlich geworden, dass die verbrecherische Tat nicht zu einer Verdächtigung einer der großen Religionen dieser Welt oder gar zu einer Diskriminierung der Muslime führen darf. Ferrero-Waldner: "Wir befinden uns nicht im Krieg gegen irgendeinen Staat. Wir befinden uns auch nicht im Krieg gegen die islamische Welt. Terroristen haben uns den Krieg erklärt und sie werden dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Die Anschläge von New York und Washington haben nichts, aber auch gar nichts mit Religion zu tun".

Ferrero-Waldner verwies in ihrem Gespräch mit Medienvertretern auch darauf, dass der Kampf gegen die brutalste Form des Terrorismus nicht ausschließlich in militärischen Kategorien gedacht und geführt werden darf. "Wir müssen auch über die Ursachen des Menschen verachtenden Terrorismus Nachdenken. Die Taten verlangen eine gründlich Antwort auf die ungemein komplexe Frage, was in den kranken Gehirnen der Täter und ihrer ideologischen Anführer vorgegangen ist und immer noch vorgeht", so die Außenministerin.

Eine der Antworten kann für Ferrero-Waldner nur heißen, dass die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Europa und mit Russland eine dauerhafte Lösung des Nahost-Konflikts politisch zu erzwingen versuchen. "So schwer das auch ist. Eine sich lediglich auf das Militärische beschränkende Reaktion hat in der Vergangenheit weder in Vietnam noch im Golfkrieg die Probleme nachhaltig lösen helfen", so Ferrero-Waldner.