Der höhere auswärtige Dienst

Von den rund 1.170 MitarbeiterInnen des Außenministeriums gehören etwa 415 Bedienstete dem höheren auswärtigen Dienst (Verwendungsgruppe A1 bzw. v1) an.

Die Tätigkeit österreichischer DiplomatInnen verlangt Vielseitigkeit. Es umfasst ein weites Spektrum, das von politischer Berichterstattung, EU-Politik, Wirtschaft, Finanzen und Soziales über Entwicklungs- und technische Zusammenarbeit, Kultur, Wissenschaft, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Rechts- und Konsularangelegenheiten (Betreuung von AuslandsösterreicherInnen, Pässe, Visa) reicht.

Neben diesen Aufgaben im Rahmen der bilateralen Diplomatie hat auch der Aspekt der multilateralen Diplomatie, in deren Mittelpunkt die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union bzw. in den Vereinten Nationen und den in Österreich ansässigen Internationalen Organisationen steht, in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen.

Diese vielfältigen Themen garantieren einen abwechslungsreichen Einsatz. Weltweit.

Karrierebild - Laufbahn und Versetzungsrhythmus

Der auswärtige Dienst wird bestimmt durch das Mobilitätsprinzip und das Rotationsprinzip. Dies bedeutet, dass Angehörige des auswärtigen Dienstes nicht dem Versetzungsschutz unterliegen.

Obwohl die/der DiplomatIn hinsichtlich der Auswahl des Dienstortes Wünsche äußern kann, ist sie/er verpflichtet, jeder Versetzung ins Ausland, aber auch der Einberufung in die Zentrale in Wien, Folge zu leisten.

Eine Aufnahme nur für einen bestimmten Dienstort oder nur für ein bestimmtes Fachgebiet (z.B. Kultur, Entwicklungszusammenarbeit) ist nicht möglich.

Auf Grund langjähriger Erfahrungen hat sich ein Tätigkeitsbild entwickelt, nach welchem die DiplomatInnen mindestens 50% ihrer Dienstzeit im Ausland verbringen. Die durchschnittliche Verwendungsdauer an einem Dienstort beträgt ca. vier Jahre.

Aufnahme in den höheren auswärtigen Dienst

Die Aufnahme in den höheren auswärtigen Dienst erfolgt nach erfolgreicher Absolvierung eines gesetzlich vorgeschriebenen, mehrstufigen Auswahlverfahrens ("A-Préalable").

Die Bezahlung erfolgt gemäß den einschlägigen Bestimmungen des Vertragsbedienstetengesetzes 1948 idgF, wobei das Anfangsgehalt während der Ausbildungsphase per März 2014 € 2.311,70 brutto beträgt.

Grundausbildung und Dienstprüfung

Nach Dienstantritt durchlaufen die Bediensteten eine in der Regel rund zweijährige Grundausbildung, in deren Rahmen sie etwa alle sechs Monate in einer Abteilung zum Einsatz kommen. Schwerpunkte der Ausbildung sind Konsularwesen, Rechtsschutz, Völkerrecht, Wirtschaftspolitik und allgemeine internationale Beziehungen.

Im zweiten Jahr der Ausbildung ist ein sogenannter "Stage", eine 6-monatige Verwendung an einer Auslandsvertretung, vorgesehen.

Aufnahmevoraussetzungen für den höheren auswärtigen Dienst

  • Bereitschaft, alle 3 bis 4 Jahre den Dienstort zu wechseln und auch in Ländern mit schwierigen Lebensbedingungen zu arbeiten (was auch im Privat- und Familienbereich Flexibilität erfordert)
  • ausgezeichnete Englisch- und Französischkenntnisse
  • Bereitschaft und Fähigkeit, weitere Fremdsprachen zu erlernen
  • Verbundenheit mit Österreich
  • sehr gute Kommunikationsfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Teamfähigkeit
  • Leadership-Potenzial, Entscheidungsfreude, Selbständigkeit und Belastbarkeit
  • Fähigkeit, auch unter starkem Druck und in Krisensituationen gleichbleibend gute Leistungen zu bringen
  • sicheres, seriöses Auftreten
  • für männliche Bewerber: Nachweis über den abgeleisteten Präsenz-/Zivildienst bzw. Untauglichkeitsnachweis

(gemäß dem Bundesgesetz über Aufgaben und Organisation des auswärtigen Dienstes - Statut, dem Beamten-Dienstrechtsgesetz, sowie dem Vertragsbedienstetengesetz):

  • österreichische Staatsbürgerschaft
  • Unbescholtenheit
  • Für die Teilnahme am Auswahlverfahren für den höheren auswärtigen Dienst ist der Abschluss eines österreichischen bzw. gleichwertigen Bachelor-, Diplom-, Magister-, Master- oder Doktoratsstudiums der Rechtswissenschaften, der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften oder der Politikwissenschaften (als erste Studienrichtung) erforderlich. Bei Vorliegen ausländischer akademischer Grade ist möglichst das "Diploma Supplement" mitvorzulegen.
  • Wurde ein Universitätsstudium oder ein Fachhochschulstudiengang einer anderen als der oben genannten Fachrichtungen positiv abgeschlossen, ist zusätzlich die erfolgreiche Absolvierung des Diplomlehrgangs an der Diplomatischen Akademie (DA) Wien oder eines vergleichbaren post-universitären Lehrganges an einer ausländischen Lehranstalt (z.B. Johns-Hopkins-University Bologna, Collège d'Europe in Brügge) notwendig. Die Absolvierung des Diplomlehrgangs der Diplomatischen Akademie Wien ist im Hinblick auf die Anforderungen des Auswahlverfahrens für den höheren auswärtigen Dienst jedenfalls empfehlenswert.
Notizzettel mit Aufschrift "Jetzt bewerben"

Auskünfte

Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres
Referat VI.1e
1010 Wien, Minoritenplatz 8
E-Mail

Auswahlverfahren (A-Préalable)

Die Aufnahme in den höheren auswärtigen Dienst erfolgt auf Grund eines je nach Personalbedarf stattfindenden Auswahlverfahrens, das sich in einen schriftlichen und mündlichen Teil gliedert.

Der schriftliche Teil umfasst:

Teil 1:

  • Multiple-Choice-Test aus vier Wissensgebieten
    • Völker-/Verfassungs-/Europarecht
    • Wirtschaft/Volkswirtschaft
    • Kultur
    • Diplomatische Staatengeschichte

Teil 2:

  • Multiple-Choice-Test Englisch
  • Multiple-Choice-Test Französisch
  • Klausurarbeit über ein relevantes außen-/sicherheitspolitisches Thema
  • Gedächtnistest (auf Basis eines vorgelesenen Textes)
  • Abfassung eines Textes oder einer Bildschirmpräsentation in englischer Sprache
  • Übersetzung eines deutschen Textes ins Französische

Der mündliche Teil umfasst:

  • Kommissionelle Prüfung in den vier Wissensgebieten
    • Völker-/Verfassungs-/Europarecht
    • Wirtschaft/Volkswirtschaft (auf Englisch)
    • Kultur
    • Diplomatische Staatengeschichte (auf Französisch)
  • Bewertung der allgemeinen geistigen, körperlichen und charakterlichen Eignung für eine Dienstleistung im In- und Ausland (u.a. unter Miteinbeziehung eines Assessment-Centers).

Empfohlene Lektüre zu einzelnen Fachgebieten

  • Jean-Baptiste Duroselle: Histoire des relations internationales de 1919 à 1945, Tome 1 Paris 2012; Histoire des relations internationales. De 1945 à nos jours, Tome 2; Paris 2009
  • Gordon Brook-Sheperd: The Austrians; London 2003
  • Henry Kissinger: Diplomacy; London 1995
  • Pierre Milza: Les Relations internationales de 1919 à 1939; Paris 2002
  • Maurice Vaisse: Les Relations internationales depuis 1945; Paris 2011
  • P.A. Samuelson/W.D. Nordhaus: Economics (Deutsch: Volkswirtschaftslehre) New York 2010 (Internationaler Teil)
  • E. Nowotny/G. Winckler (Hg.): Grundzüge der Wirtschaftspolitik Österreichs Wien, 2001
  • John Peterson/Michael Shakleton: The Institutions of the European Union; Oxford University Press; New York 2012
  • OECD (Hg.): OECD Wirtschaftsbericht Österreich (erscheint jährlich); aktuellste Ausgabe unter OECD
  • Bundesministerium für Finanzen; aktuelle Publikationen zu wirtschaftspolitischen Themen

Empfehlenswert sind weiters entsprechend aktualisierte, fachspezifische Broschüren des/der

  • Europäischen Kommission (erhältlich bei der Vertretung der EK in Wien)
  • Österreichischen Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer Österreich
  • Bundesarbeiterkammer
  • Bundespressedienstes (erhältlich über das Bundeskanzleramt)
  • H.-P. Neuhold/Waldemar Hummer/Chr. Schreuer (Hg.): Österreichisches Handbuch des Völkerrechts Band 1 (Textteil) und Band 2 (Materialienteil), 4. Auflage, Wien 2004
  • Bernd Funk: Einführung in das österreichische Verfassungsrecht; Graz 2011
  • Khol/Ofner/Stirnemann: Österreichisches Jahrbuch für Politik, besonders die Kapitel über Sicherheitspolitik; S. 117-253 Wien 1998
  • August Reinisch: Essentials of EU Law, 2. Auflage, 2012
  • Nowak: Introduction to the international Human Rights Regime; Brill 2003
  • Bamberger/Bruckmüller/Gutkas: Österreich-Lexikon 3 Bände (Austria Lexikon)
  • Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit, C.H.Beck; 3. Auflage 2003
  • Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichischen Identität; 3. Auflage Wien-Graz 2001
  • William M. Johnston: Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte, Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1948-1938, Böhlau, 4. Auflage 2006
  • Wynfried Kriegleder: Eine kurze Geschichte der Literatur in Österreich - Menschen, Bücher, Institutionen; Praesens-Verlag 2011

Klausur-Themen der letzten Préalable-Termine

  • Oktober 2006: "Der österreichische EU-Vorsitz - eine Bilanz"
  • Oktober 2007: "Energiesicherheit - ein neuer Faktor in den internationalen Beziehungen"
  • April 2008: "Der Donauraum in seinen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Dimensionen"
  • Oktober 2008: "Prag 1968 und Georgien 2008 - ein Vergleich"
  • Oktober 2010: "Die Europäische Union nach dem Lissabon-Vertrag: Ist sie noch immer nur ein wirtschaftlicher Riese, aber ein politischer Zwerg?"
  • November 2012: "Der Friedensnobelpreis für die EU: verdient oder voreilig?"

Leseliste zur Prüfungsvorbereitung für das Auswahlverfahren höherer auswärtiger Dienst

Darüber hinaus ist eine regelmäßige Lektüre österreichischer und internationaler Zeitungen und Zeitschriften anzuraten (z.B. Die Presse, Der Standard; Financial Times, Frankfurter Allgemeine Zeitung, International Herald Tribune, Le Monde, Neue Zürcher Zeitung, New York Times, Washington Post, The Economist, Le Monde Diplomatique).

Weiters wird das Studium der jeweils aktuellsten Ausgaben des