Die österreichische Europa- und Außenpolitik unter besonderer Berücksichtigung der Zusammenarbeit zwischen Österreich und Polen
Botschafter Dr. Alfred Längle
Rede am Instytut Południowy in Bielsko-Biala
18. Juni 2007
Sehr geehrter Herr Präsident der Stadt Bielsko-Biala Jacek Krywult,
Sehr geehrter Herr Abgeordneter Jacek Falfus,
Sehr geehrte Frau Professor Irena Lipowicz,
Sehr geehrter Herr Botschafter Gerhard Wagner,
Sehr geehrte Frau Generalkonsulin Hermine Poppeller,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Es ist für mich eine große Freude und besondere Ehre, heute gemeinsam mit Frau Professor Irena Lipowicz, Herr Botschafter Gerhard Wagner und Frau Generalkonsulin Hermine Poppeller an dieser vom Südinstitut in Bielsko-Biala organisierten Konferenz teilnehmen zu können.
Ich möchte dem Herrn Stadtpräsidenten Jacek Krywult und dem Vorsitzenden der Gesellschaft Südinstitut Herrn Abgeordnetem Jacek Falfus für die Einladung nach Bielsko-Biala und die hervorragende Organisation der Konferenz herzlich danken.
Im Rahmen dieser Konferenz wird auch das im Herbst des vergangenen Jahres erschienene Buch „Das neue Polen in Europa“, das 32 Beiträge von polnischen und österreichischen Autoren zu Politik, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft im neuen Polen umfaßt, vorgestellt werden. Dieses Buchprojekt, das von Prof. Franz Merli und Botschafter Wagner herausgegeben wurde, geht auf eine Anregung der damaligen polnischen Botschafterin in Wien Frau Prof. Irena Lipowicz. zurück. Danken möchte ich auch Frau Professor Irena Lipowicz, Herr Botschafter Gerhard Wagner und Frau Generalkonsulin Hermine Poppeller für ihre aktive Teilnahme an dieser Konferenz.
Mein Beitrag im Rahmen der heutigen Konferenz befaßt sich mit der österreichischen Europa- und Außenpolitik, wobei ich die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Polen besonders berücksichtigen werde.
Die österreichische Bundesregierung, die von der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) und der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) am 11. Jänner dieses Jahres gebildet wurde, verfolgt im Rahmen ihrer Europa- und Außenpolitik folgende Prioritäten:
1. Österreich tritt für ein starkes, soziales und modernes Europa ein
Europa muss den Bürgern nützen und sie schützen. Die österreichische Bundesregierung setzt sich daher für ein starkes, geeintes Europa ein. Dazu zählen:
• die Vertiefung der Wertegemeinschaft und Stärkung des Europäischen Lebensmodells mit seiner ausgeprägten sozialen Dimension: Erhaltung und Respekt der europäischen Vielfalt, Ausgleich von sozialer Sicherheit, wirtschaftlicher Dynamik und Nachhaltigkeit;
• der Ausbau der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik Europas und solidarische Beiträge bei gemeinsamen EU-Missionen (dies steht selbstverständlich nicht im Widerspruch zu der seit 1955 bestehenden Neutralität Österreichs);
• mehr Europa im Bereich Sicherheit, Justiz und Inneres. Mehr europäische Zusammenarbeit im Bereich der Migration (Rückübernahmeabkommen, Datenaustausch) und eine faire Verteilung der Verantwortung bei Aufnahme und Betreuung von Asylwerbern; verbesserte grenzüberschreitende Polizei-Zusammenarbeit;
• im Energiebereich verstärkte Koordination unter den europäischen Partnern. Europa braucht mehr Versorgungssicherheit durch Diversifizierung der Energieressourcen, den Ausbau erneuerbarer Energieträger und strikteste Sicherheitsstandards bei Nuklearenergie. Die Bundesregierung wird sich für neue Initiativen im Bereich der nachhaltigen Energiepolitik einsetzen, insbesondere auch mit dem Ziel einer substantiellen Verringerung der Abhängigkeit Europas von der Nuklearenergie;
• die Schließung noch bestehender Lücken im europäischen Binnenmarkt.
Die Stärkung des Vertrauens der Österreicherinnen und Österreicher in das europäische Projekt ist ein besonderes Anliegen der österreichischen Bundesregierung. Ziel ist es, das Europabewusstsein der Bürger neu zu beleben und so die Akzeptanz für das europäische Einigungswerk in Österreich entscheidend zu stärken.
Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die österreichische EU-Präsidentschaft im Jänner 2006 in Salzburg eine große gesamteuropäische Konferenz unter dem Titel „Sound of Europe“ veranstaltet hat, bei der europäische Werte, Identität und Kultur erörtert wurden. Dabei ging es vor allem darum, die Ursachen für das Unbehagen und die Skepsis, die gegenüber Europa artikuliert werden, zu analysieren. Diese Konferenz fand in Warschau im Rahmen der Konferenz „ex oriente lux“ von 11. bis 13. Mai 2006 eine Fortsetzung, da es für uns ein besonderes Anliegen war, auch die Stimme der Nachbarländer östlich der Grenzen der Europäischen Union – insbesondere der Ukraine und Belarus’ - zu hören; diese Konferenz wurde vom Österreichischen Kulturforum Warschau gemeinsam mit dem Zentrum für internationale Beziehungen (CSM) organisiert und wurde neben der Österreichischen Botschaft u.a. vom polnischen Außenministerium, dem polnischen Ministerium für Kultur und nationales Erbe und der Stadt Warschau unterstützt. Den Ehrenschutz für diese Konferenz hatten Bundespräsident Heinz Fischer und Staatspräsident Lech Kaczynski übernommen.
Alle diese Veranstaltungen haben eines gezeigt: Auch wenn von den Bürgern oft Sorgen und Bedenken gegenüber der europäischen Integration geäußert werden, so bekennen sich diese doch weiterhin zu diesem faszinierenden Projekt Europa. Die Bürger erwarten von der Union, dass sie ihren zusätzlichen Nutzen unter Beweis stellt, indem sie auf die Herausforderungen und Chancen Europas reagiert: Sicherung des Friedens, des Wohlstands und der Solidarität, Stärkung der Sicherheit, Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung und Förderung der europäischen Werte in einer Welt, in der die Globalisierung rasch voranschreitet.
Viele Meinungsfragen zeigen vor allem, dass es von Seiten der Bürger eine große Unterstützung für eine aktive und handlungsfähige Außenpolitik der EU gibt. Die Bürger wollen, dass die EU international eine bedeutendere Rolle einnimmt, dass die EU schützt und hilft.
2. Wiedervereinigung Europas
Die österreichische Bundesregierung bekennt sich zum Friedensprojekt Europa. Die Beziehungen zu allen Nachbarstaaten sind so eng und dicht wie nie zuvor. Die Bundesregierung setzt sich für eine verstärkte gezielte Zusammenarbeit mit den Nachbarländern ein. Wir werden eine aktive Nachbarschaftspolitik sowohl bilateral als auch innerhalb der EU im Format der bereits erwähnten „Regionalen Partnerschaft“ als auch im Zusammenhang mit Fragen des West-Balkans führen.
Die Bundesregierung wird darauf achten, dass der Erweiterungsprozess unter voller Berücksichtigung der Aufnahmefähigkeit der EU sorgfältig und umsichtig gestaltet wird. Die europäische Integration ist ohne die Länder des Westbalkans unvollständig. Sie alle haben eine Beitrittsperspektive.
• Mit dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien wurde die Donau im Wesentlichen zu einem Binnenfluss der Europäischen Union. Das Potenzial dieses Flusses, nicht nur als Transportarterie, sondern auch in den Bereichen Kultur, Umwelt und Tourismus gilt es in umfassender Form zu beleben. Österreich hat deshalb gemeinsam mit Rumänien bereits vor fünf Jahren den Donaukooperationsprozess ins Leben gerufen, der nunmehr 13 Donau-Anrainerstaaten vereinigt. Gemeinsam mit der Europäischen Kommission und dem Stabilitätspakt für Südosteuropa suchen diese Staaten nach noch besserer Nutzung des Integrationspotentials, das sich durch die Donau für die gesamte Region bietet.
• Die EU-Beitrittsverhandlungen mit Kroatien sollen zielstrebig fortgeführt und möglichst früh abgeschlossen werden;
• Ein gezieltes und zugleich behutsames Heranführen der Türkei und ihrer Bevölkerung an europäische Werte und Standards ist im Interesse aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Österreich hat durchgesetzt, dass die Verhandlungen mit der Türkei einen offenen Ausgang haben. Wir setzen uns für ein schrittweises Vorgehen zunächst mit dem Ziel einer maßgeschneiderten türkisch-europäischen Gemeinschaft ein. Die österreichischen Bürger werden bei Vorliegen eines Verhandlungsergebnisses mit Beitrittsziel jedenfalls in einer Volksabstimmung das letzte Wort haben.
Mit Hilfe der Europäischen Nachbarschaftspolitik der EU sind die Anrainerstaaten der Union, Ukraine und Moldau – in Zukunft aber auch Belarus - , an europäische Werte und Standards weitest möglich heranzuführen. Besonderes Augenmerk ist der besonderen Bedeutung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland zu widmen.
Eine aktive und offene Politik ist zudem gegenüber jenen Staaten auf unserem Kontinent zu führen, die mit der Europäischen Union in einem jeweils spezifisch engen Verhältnis stehen, wie die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island.
3. Reform der EU-Institutionen
Österreich wird an der Zukunft des europäischen Friedensprojekts in allen Politikbereichen weiter aktiv und gleichberechtigt mitwirken. Die österreichische Bundesregierung hält den durch den Nationalrat im Jahr 2005 genehmigten Verfassungsvertrag für eine ausgewogene und weiterführende Grundlage, um die Handlungsfähigkeit Europas auch in Zukunft zu sichern. Wir werden uns aktiv an einer auf dieser aufbauenden Diskussion beteiligen.
Die Bundesregierung setzt sich jedenfalls für ein „Europa der konkreten Projekte“ sowie für eine effizientere und transparentere Nutzung der derzeit gültigen Verträge ein, um die EU-Politik wieder bürgernäher zu machen. Die EU soll dabei nur jene Aufgaben wahrnehmen, die wirklich besser gemeinschaftlich in Brüssel gelöst werden können, sowie nationale Volksvertretungen stärker einbinden (Subsidiarität).
4. Wirtschafts- und Währungsunion
Die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für mehr Arbeitsplätze, Wachstum und soziale Sicherheit ist das Kernanliegen der österreichischen Bundesregierung. Sie wird daher die neu ausgerichtete Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung entschlossen umsetzen. Dies gilt insbesondere für die unter österreichischem EU-Vorsitz vereinbarten konkreten Zielsetzungen betreffend Jugendbeschäftigung, Unternehmensgründungen und Förderung des Mittelstands. Die Bundesregierung wird sich für die Schaffung gemeinsamer EU-Mindeststandards in den Bereichen Beschäftigung und Soziales einsetzen. Die Bundesregierung wird auch dafür eintreten, dass sich die EU, die EU-Mitgliedstaaten und die Sozialpartner auf europäischer Ebene im Interesse eines Abbaus der hohen Arbeitslosigkeit mit dem Ziel der Vollbeschäftigung verstärkt koordinieren. Für die Wettbewerbsfähigkeit der EU sind zudem Innovation und Forschung wichtige Zukunftsfaktoren.
5. Äußere Sicherheit
Die österreichische Bundesregierung setzt sich für eine umfassende Friedenspolitik ein. Auf der Grundlage seiner verfassungsrechtlich bestimmten immerwährenden Neutralität wird Österreich weiterhin ein verlässlicher und solidarischer Partner in der Welt sein und sich aktiv an der weiteren Entwicklung der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik beteiligen. Ein Schwerpunkt des österreichischen außen- und sicherheitspolitischen Engagements wird weiter der West-Balkan bleiben. Denn Stabilität in dieser Region bedeutet Sicherheit für Europa und Österreich.
Österreichs Außenpolitik wird sich, insbesondere auch im Rahmen der EU, weiterhin mit Nachdruck für eine Friedenslösung im Nahen Osten einsetzen. Es wird hiezu seine guten Beziehungen zu allen Ländern der Region, einschließlich Israel, aktiv nutzen. Eine Priorität wird der Fortführung und dem Ausbau der Hilfe für die Palästinenser und dem Dialog mit der arabischen Zivilgesellschaft gelten.
Generell erfordert unser Verhältnis zur islamischen Welt besondere Aufmerksamkeit. So fand unter anderem am 30. und 31. Mai in Wien auf Einladung von Außenministerin Plassnik eine internationale Frauen-Konferenz zum Nahen Osten mit dem Titel "Women Leaders - Networking for Peace and Security in the Middle East" statt, an der Frauen in führenden Positionen in Politik, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – darunter die US-Außenministerin Condoleezza Rice, die israelische Außenministerin Livni, die palästinensische Abgeordnete Ashrawi, die Präsidentin der UNO-Generalversammlung al-Khalifa sowie andere engagierte Frauen aus der Region wie etwa Suzanne Mubarak, Frau des ägyptischen Staatspräsidenten, teilnahmen.
Aufbauend auf den vielen positiven Impulsen, die es in den internationalen Beziehungen für Österreich während seines EU-Vorsitzes gegeben hat, sind die Beziehungen zu den Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas zu verstärken.
Die Bundesregierung wird sich in den bilateralen Beziehungen Österreichs mit den USA und Kanada und im Rahmen der EU, aufbauend auf den gemeinsamen Werten der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit, für eine vertiefte transatlantische Partnerschaft einsetzen.
6. Vereinte Nationen und multilaterale Fragen
Die Vereinten Nationen sind das Kern-Kompetenzzentrum zur internationalen Förderung des Friedens, der Sicherheit und der Gerechtigkeit. Österreich bekennt sich zum Grundsatz eines effektiven Multilateralismus und wird sich weiterhin aktiv in die Arbeit der Vereinten Nationen – insbesondere in den Bereichen Friedenserhaltung, Schutz der Menschenrechte, Abrüstung, Schutz der Umwelt, Gleichstellung der Frauen und Kampf gegen Terrorismus, die organisierte Kriminalität und den Drogenhandel - einbringen. Als Schwerpunkte unserer Initiativen zählen dazu:
• die Kandidatur Österreichs für einen nicht-ständigen Sitz im VN-Sicherheitsrat in den Jahren 2009-2010;
• eine verstärkte finanzielle Unterstützung, insbesondere durch eine nachhaltige Erhöhung der freiwilligen Beiträge, spätestens ab 2008;
• die Stärkung Österreichs als Amtssitz internationaler Organisationen und Konferenzen. Thematisch ist Wien als globales Kompetenzzentrum für internationale Sicherheit und Energie der UNO und OSZE auszubauen;
• der traditionell gute Dialog innerhalb Österreichs von Gruppen verschiedener religiöser Überzeugung. Dieser Dialog wird Österreich als Gastgeber von Konferenzen über den Dialog der Kulturen und Religionen stärken und soll ein Modell für den europäischen Dialog zur Verbesserung des friedlichen Zusammenlebens sein.
Dabei nimmt die Einbeziehung des europäischen Islam in diesen Dialog eine besondere Stellung ein. So veranstaltete das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten u.a. am 23./24. März in Wien eine Dialogkonferenz mit dem Titel „Islam in Europa“, bei der eine Vielzahl praktischer Aspekte des Islams behandelt und damit potentielle Konflikte angesprochen, Widersprüche erkennbar gemacht und Lösungen gesucht wurden, wozu Theologen, Wissenschaftler und Publizisten eingeladen wurden. Außenministerin Plassnik betonte in ihrer Rede anlässlich dieser Konferenz vor allem die Bedeutung der universellen Geltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für jeden Einzelnen, ungeachtet des Geschlechts und der Glaubenszugehörigkeit; Menschenrechte und Grundfreiheiten müssen weiterhin uneingeschränkt im Zentrum unseres Handelns stehen. Gäste waren u.a. der Außenminister von Bosnien-Herzegowina, Sven Alkalaj, und die Oberhäupter der Muslime in Österreich, Prof.Anas Shakfeh, und Bosnien-Herzegowinas Reisu-u-ulema Mustafa Cerić. Es ist im Übrigen daran zu erinnern, dass der Islam bereits seit 1912, also seit der Zeit der k.u.k.-Monarchie anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich ist.
• Ein weiteres wichtiges Anliegen ist Frauenpolitik in der Entwicklungszusammenarbeit und der Friedensarbeit. Bei internationalen Einsätzen zum Wiederaufbau von Gesellschaften in Post-Konflikt-Situationen ist die Stellung von Frauen zu stärken – als schutzbedürftige Betroffene als auch als Entscheidungsträgerinnen.
Die österreichische Bundesregierung führt weiters ihre aktiven Bemühungen für Abrüstung und Rüstungskontrolle sowie gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen fort und tritt für die Weiterentwicklung des humanitären Völkerrechts ein.
Die Bundesregierung setzt sich zudem auf europäischer Ebene und weltweit aktiv für die Achtung der Menschenrechte ein. Für Österreich war es daher ein besonderes Anliegen, dass die in Wien angesiedelte EU-Beobachtungsstelle für Rassismus in die EU-Menschenrechtsagentur, die über ein größeres Mandat verfügt, ausgeweitet wurde.
Die Bundesregierung wird sich auch für die weitere Stärkung der OSZE - unter besonderer Berücksichtigung der Bereiche Demokratieentwicklung, Menschenrechtsschutz und Wahlbeobachtung - einsetzen. Hier kommt dem in Warschau angesiedelten Amt der OSZE für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) besondere Bedeutung zu.
7. Entwicklungszusammenarbeit
Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist integraler Bestandteil der österreichischen Außenpolitik. Die Bundesregierung bekennt sich zu den Beschlüssen des EU-Rates, wonach bis 2010 ein Anteil von 0,51% des Bruttonationaleinkommens für Leistungen der EZA verwendet werden sollen. Es sollen auch Schwerpunkte durch Clusterbildung in den Bereichen Medizin, Technologie für kleine und mittlere Unternehmen, Bildung und Energie geschaffen werden. Ein Hauptanliegen der Entwicklungszusammenarbeit besteht darin, Frauen als Partnerinnen zu gewinnen und sie bevorzugt zu fördern. So wird jedes einzelne konkrete Projekt der Entwicklungszusammenarbeit dahingehend überprüft, ob es den Anliegen und besonderen Interessen von Frauen Rechnung trägt.
Zusammenarbeit zwischen Österreich und Polen
Die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Polen haben durch unsere gemeinsame Mitgliedschaft in der Europäischen Union, der Österreich am 1. Jänner 1995 nach einem Referendum mit einer Zustimmung von 2/3 der Bevölkerung und Polen am 1. Mai 2004 nach einem Referendum mit einer Zustimmung von 77% der Bevölkerung beigetreten sind, eine neue Qualität erreicht. Die engen und freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern bereits zuvor bestanden haben (ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Unterstützung Österreichs für die Not leidende polnische Bevölkerung während des Kriegszustands und die Aufnahme vieler Tausender Polen in Österreich während dieser Zeit hinweisen) , haben sich auf allen Ebenen noch weiter intensiviert – sei es politisch, wirtschaftlich oder kulturell.
Politik: Aufgrund der gemeinsamen EU-Mitgliedschaft unserer beiden Länder kommt es regelmäßig zu Kontakten österreichischer und polnischer Vertreter – z.B. im Europäischen Rat auf Ebene der Staats- und Regierungschefs, im Rat auf Ebene der Fachminister und in den Ratsarbeitsgruppen auf Expertenebene, im Europäischen Parlament zwischen Parlamentariern, in der Europäischen Kommission und dem Ratssekretariat zwischen Beamten österreichischer und polnischer Staatsangehörigkeit, im Ausschuss der Regionen zwischen Vertretern der Regionen und Städte sowie im Wirtschafts- und Sozialausschuss zwischen Vertretern der Zivilgesellschaft. So kam es während der österreichischen EU-Präsidentschaft im 1. Halbjahr 2006 auch zu zahlreichen Besuchen ranghoher polnischer Vertreter in Österreich, darunter des damaligen Premierministers Marcinkiewicz, aller Minister sowie zahlreicher Parlamentarier. Dieses persönliche Kennenlernen führt unter anderem zu einem besseren gegenseitigen Verständnis hinsichtlich der Positionen, die unsere beiden Länder in den EU-Gremien vertreten. Auch die bilateralen Beziehungen haben davon profitiert, wobei auch hier oftmals EU-Themen im Vordergrund stehen. So kam es u.a. am 25./26. Mai am Rande des Treffens der zentraleuropäischen Präsidenten in Brünn zu einem bilateralen Treffen zwischen den beiden Staatspräsidenten Heinz Fischer und Lech Kaczynski, am 11. Juni kam Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zu einem Arbeitsbesuch nach Warschau.
Aber auch die regionale Zusammenarbeit intensiviert sich zunehmend – sei es auf gesamtstaatlicher Ebene im Rahmen der Regionalen Partnerschaft, die Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien vereinigt, oder auf Ebene der Regionen. So hat u.a. die Steiermark mit sieben polnischen Wojewodschaften – darunter mit der schlesischen Wojewodschaft – Zusammenarbeitsabkommen abgeschlossen, Wien hat ein Büro in Krakau, Niederösterreich hat ein Büro in Warschau, Oberösterreich kooperiert u.a. mit Schlesien im Rahmen eines Arbeitsmarktprojektes. Darüber hinaus gibt es Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden – u.a. der Stadt Innsbruck mit Krakau – bzw. auch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Städte- und Gemeindebünden, unter anderem im Rahmen des „International Communal Network“ (ICNW). Schwerpunkte stellen auch hier die Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union bzw. gemeinsame Projekte, die zu einem großen Teil aus EU-Geldern mitfinanziert werden, dar.
Wirtschaft: Österreich zählt zu den größten ausländischen Investoren in Polen insbesondere in den Bereichen Banken, Versicherungen, Bau- und Bauzulieferindustrie, Verpackungen, Papier und Lebensmittelindustrie. Die EU-Mitgliedschaft Polens macht diesen Wachstumsmarkt für österreichische Unternehmen noch interessanter. Die österreichischen Exporte nach Polen wuchsen im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr um 25,6 % auf ca. 2,37 Mrd. Euro, die österreichischen Importe aus Polen stiegen, nach einem Zuwachs von 32,5 % im Jahre 2005, im Jahre 2006 um 7,6 % auf ca. 1,6 Mrd. Euro. Die österreichischen Gesamtinvestitionen in Polen betragen laut Österreichischer Nationalbank (OeNB) fast 3 Milliarden Euro.
Kultur: In Polen, das wir als kulturellen Nachbarn bezeichnen, ist Österreich durch die Österreichischen Kulturforen in Warschau und Krakau, Österreich-Bibliotheken in Krakau, Opole, Przemyśl, Poznan, Warschau und Wroclaw und Österreich-Instituten in Warschau, Krakau und Wrocław vertreten. Darüber hinaus sind österreichische LektorInnen an den Universitäten Torun, Krakau, Lodz, Poznan, Warschau und Wroclaw tätig. Auch der kulturelle und wissenschaftliche Austausch zwischen unseren beiden Ländern hat sich durch unsere gemeinsame EU-Mitgliedschaft stark intensiviert.
Österreich und Polen haben viele gemeinsame Interessen! Lassen Sie uns diese umsetzen - unsere gemeinsame Mitgliedschaft in der Europäischen Union bietet den Rahmen dazu.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
