Das Botschaftsgebäude in Tokio
Mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Japan 1953, erwarb die Republik Österreich 1955 in Minato-ku, einem der exklusivsten und teuersten Stadtbezirke von Tokio ein Grundstück mit darauf befindlichem Haus. Dieses diente zunächst als Residenz des Missionschefs. Ein Kanzleigebäude errichtete man in japanischer Holzbauweise an der Nordwestecke der Liegenschaft.
Bereits 1968 stellte sich heraus, dass das Amtsgebäude räumlich nicht den Anforderungen entsprach und darüber hinaus vor allem das heisse und feuchte Tokioter Klima dem Bau in seiner Substanz stark zugesetzt hatte. Einer zunächst vorgeschlagenen Erweiterung stand das zögerlich gegenüber, zumal dadurch der baufällige Zustand der kaum mehr zu sanierenden Gebäude nicht behoben werden würde.
Mit Dezember 1972 fiel im Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten im Einvernehmen mit dem österreichischen Finanzministerium die Entscheidung, einen Gesamtneubau von Residenz und Kanzlei vorzunehmen. Die Arbeiten zur Planung sollten mit Beginn 1973, die Baudurchführung im Herbst 1973 in Angriff genommen werden.
Für die Planung und Durchführung des Projektes wurde der japanische Architekt Fumihiko Maki - neben Kenzo Tange und Tadao Ando einer der bedeutendsten Architekten und Pritzkerpreisträger Japans - beauftragt. Für die Innenausstattung der Residenz konnte der österreichische Architekt Emmerich Simoncsics gewonnen werden. Nach einer Bauzeit von lediglich 18 Monaten konnte die neue Botschaft im April 1976 eröffnet werden. Unter den Botschaftsbauten in Tokio zählen heute die Bauten der österreichischen diplomatischen Vertretung zu den architektonisch wertvollsten.
Der Bau fügt sich in eine Reihe, von der Republik Österreich im Ausland errichteten diplomatischen Vertretungen ein. Vom architektonischen Standpunkt zählen zu den berühmtesten die Botschaften in Brasilia, Tokio, Washington und Berlin sowie das Kulturforum in New York. Während bei all den genannten Projekten österreichische Architekten herangezogen wurden, beauftragte man lediglich für den Neubau in Tokio einen japanischen, womit der Absicht Ausdruck verliehen wurde, dem Respekt für das Gastland und seine Tradition sowie der Kultur Japans gegenüber verleihen zu wollen.
Die von Beginn der Planungsarbeiten ins Auge gefasste Gesamtlösung, d.h. Residenz- und Kanzleigebäude in einem Komplex zu errichten, wurde auch realisiert. Größtmögliche Rücksicht sollte von Anfang an dem japanischen Garten mit seinem Altbaumbestand gelten. Im Konzept von Architekt Maki wurde der Garten als integraler Bestandteil der Repräsentationsräume in der Residenz berücksichtigt.
Der Gebäudekomplex besteht aus drei Teilen. Die Kanzlei wurde an die nordwestliche Ecke des Grundstückes gerückt und steht - über einen, mit Bäumen bepflanzten Innenhof - mit der Residenz in Verbindung. Letztere erstreckt sich über die gesamte Länge des Grundstückes und teilt den Hof mit Vorfahrt zur Residenz vom Garten. In der SW Ecke, zum Vorhof hin ausgerichtet, befinden sich die Garagen und die Amtswohnung für den Chauffeur. Der Hof ist von der Straße durch eine Mauer getrennt. Alle Gebäude sowie die Umfassungsmauern sind in Ziegel gehalten.
Fassaden von Kanzlei- und Residenzgebäude sind zum Vorhof hin kaum mit Fensteröffnungen versehen. Umso stärker wirkt auf den Besucher die Öffnung des Gebäudes beim Eintreten in die Residenz, die in ihrer Raumdisposition zum Garten hin ausgerichtet ist. Die Innenausstattung ist mit Möbeln (Josef Hoffmann) und Objekten des, unter anderem auf dem Japonismus fußenden österreichischen Jugendstils gehalten.
Durch die Abschüssigkeit des Geländes nach Norden hin war es möglich, den Kanzleitrakt mit insgesamt fünf Ebenen (erste Ebene Kulturforum, zweite und dritte Ebene Büros der Botschaft und vierte und fünfte Ebene Amtswohnungen) zu versehen und damit die gleiche Bauhöhe mit der Residenz einzuhalten.
Das Amtsgebäude öffnet sich über ein verglastes zweigeschossiges Foyer zum begrünten Innenhof. Die Büros sind beinahe ausschließlich um diese zentrale Halle angeordnet.




