Japan und Österreich
Das Kaiserreich Japan und die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie begründeten 1869 durch Abschluss eines Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrags erstmals Beziehungen auf zwischenstaatlicher Ebene. 1914 wurden die Beziehungen wegen Eintritt des Kriegszustandes abgebrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen im Jahre 1955 Japan und die Republik Österreich die diplomatischen Beziehungen wieder auf.
Höhepunkte in der Geschichte der gemeinsamen Beziehungen war die Teilnahme Japans an der Wiener Weltausstellung 1873, von der wesentliche Impulse nicht nur auf den Jugendstil in Österreich sondern auch auf den Japonismus in ganz Europa ausstrahlten. In Japan wird die klassische Musik mit keinem anderen Land der Welt so sehr assoziiert wie mit Österreich und den Städten Wien und Salzburg. Der alpine Schilauf wurde in Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem Österreicher, nämlich von Theodor von Lerch, eingeführt. Im Bereich der Geisteswissenschaften wird der Wiener Staatsrechtslehrer Lorenz von Stein, dessen Gedankengut auf die japanische Verfassung von 1889 maßgeblichen Einfluss hatte, noch heute geschätzt. Mitsuko Coudenhove-Kalergi, Ehegattin eines österreichischen Diplomaten in Tokio und Mutter von Richard Coudenhove-Kalergi, dem Begründer des Paneuropa-Gedankens, gilt vielen Japanern als Inbegriff einer den europäischen und japanischen Kulturkreis verbindenden Persönlichkeit.
Im Bereich des politischen Dialogs wurde seit Aufnahme der bilateralen Beziehungen der Besuchsaustausch gepflegt, welcher in der ersten Zeit vor allem im Wege diplomatischer Missionen geführt wurde und nach dem zweiten Weltkrieg auch die Ebene der Regierungschefs mit einschloss: Premierminister Nobusuke Kishi besuchte Österreich im Jahre 1959, Bundeskanzler Julius Raab reiste noch im selben Jahr nach Tokio, Bundeskanzler Franz Vranitzky besuchte Japan 1989; die politischen Kontakte fanden 1999 ihren bisherigen Höhepunkt im Staatsbesuch von Bundespräsident Thomas Klestil in Tokio. Zwischen den Außenministerien, zahlreichen anderen Fachministerien und den Parlamenten beider Staaten erfolgt ein kontinuierlicher Meinungsaustausch.
Seit Österreichs Beitritt zur Europäischen Union (1995) ist Österreich auch in das vielfältige Netzwerk der politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen der EU zu Japan voll eingebunden. Österreich und Japan sind darüber hinaus Partner in zahlreichen bilateralen Verträgen. Für Österreichs Wirtschaft ist Japan der zweitwichtigste überseeische Partner. Japan exportiert zwar wertmäßig mehr als doppelt soviel nach Österreich wie die österreichischen Exporte nach Japan ausmachen, doch konnten letztere im Jahr 2000 eine Zuwachsrate von über 20% verzeichnen. Österreich wird zunehmend von japanischen Unternehmen als Investitionsstandort in Mitteleuropa gewählt. Maßgebend dafür sind neben der Mitgliedschaft in der Europäischen Union und der Teilnahme an der gemeinsamen Währung Euro die zentrale geographische Lage, die traditionellen Bindungen zu Mittel- und Osteuropa, das hohe Niveau der Arbeitskräfte und der seit langem herrschende soziale Friede in Österreich.
Nicht zuletzt auch der Fremdenverkehr aus Japan nach Österreich verzeichnet seit mehr als zehn Jahren laufend Zuwächse. Einen wesentlichen Beitrag zur Pflege der Österreichisch - japanischen Beziehungen leisten 30 Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden, 18 japanisch-österreichische Gesellschaften sowie zahlreiche weitere Kooperationen im universitären, schulischen und künstlerischen Bereich.
Diplomatische Beziehungen zwischen Japan und Österreich
Die österreichisch-japanischen Beziehungen gehen auf die Ankunft der ersten österreichischen Mission in Japan 1869 zurück. Im Oktober des Jahres wurden die Verhandlungen zum Abschluss eines ersten Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages zwischen Österreich-Ungarn und Japan begonnen. Der Vertrag trat, nachdem er von Kaiser Franz Joseph I und dem Tenno (Bezeichnung für den japanischen Kaiser) unterzeichnet worden war, am 1. Dezember 1871 in Kraft. Durch die steigende Bedeutung Japans wird 1883 die österreichische diplomatische Vertretung in Tokio in den Rang einer Gesandtschaft erhoben. Zusätzlich erfolgte ein Jahr später die Errichtung eines Generalkonsulates in Yokohama. 1907 schließlich erhält die österreichisch-ungarische Gesandtschaft den Rang einer Botschaft. Desgleichen entsandte nun auch die japanische Regierung einen Botschafter nach Wien.
Nach dem Zusammenbruch von Österreich-Ungarn dauerte es bis 1953, daß Österreich und Japan erneut diplomatische Beziehungen aufnehmen sollten. Im selben Jahr kommt es zur Neuerrichtung der japanischen Gesandtschaft in Wien. Seit 1955 ist Österreich durch seine neu errichtete Gesandtschaft in Tokio vertreten. Im Notenwechsel vom 15. November 1955 zwischen der österreichischen und japanischen Regierung wird durch Japan die österreichische immerwährende Neutralität anerkannt. Im November 1957 erheben Österreich und Japan ihre Gesandtschaften in Tokio und Wien in den Rang einer Botschaft.
