Historisches
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Erste Spuren von menschlicher Besiedlung auf dem Staatsgebiet des heutigen Albaniens weisen auf die Zeit vor 100.000 Jahren. Etwa um 1000 v. Chr. besiedelten die Illyrer den Westbalkan. Es konnten einige Reiche von einzelnen Stämmen gegründet werden, wie das Reich der Labeaten, welches von etwa 380 bis 168 v. Chr. bestand. Residenzstädte waren Skodra (Shkodra) und Rhizon (Risan). Nach den Illyrischen Kriegen kam der westliche Balkan Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. unter römischen Einfluss und die Romanisierung der Illyrer begann. Mit der Teilung des Römischen Reichs 395 kam das heutige Albanien unter byzantinische (oströmische) Herrschaft. Im Jahr 591 drangen die Slawen vom Norden her in das Gebiet ein.Zwischen 880 und 1018 waren Mittel- und Südalbanien Teil des Bulgarischen Reiches. Im Jahr 1081 fielen die Normannen in das unter der Herrschaft Konstantinopels stehende Albanien ein.
Nach dem Zerfall des Byzantinischen Reiches infolge des Vierten Kreuzzugs (1204) wechselte die Herrschaft über die Gebiete des heutigen Albanien in schneller Folge. Neben fremden Mächten (Neapel, Serbien, Venedig) konnten auch einheimische Adelige eigene Fürstentümer begründen. Das Fürstentum des Karl Thopias in Mittelalbanien bestand von 1359 bis 1388. Ungefähr zur selben Zeit, von 1360 bis 1421 regierte die Familie der Ballsha mit ihrem Fürstentum in Nordalbanien und Montenegro.
1443-1468 führte der in Kruje beheimatete Gjergj Kastrioti, besser bekannt unter dem türkischen Namen Skanderbeg, mehrere Jahrzehnte lang einen erfolgreichen Abwehrkampf gegen die Türken. Nach dessen Tod unterlagen die Albaner und ihre Verbündeten, was vom Ende des 15. Jahrhunderts an eine mehr als vier Jahrhunderte lange Herrschaft des Osmanischen Reiches über Albanien nach sich zog. Während dieser Zeit konvertierte die überwiegende Mehrheit der Albaner aus zumeist steuerlichen Gründen zum Islam, kleinere Gruppen in unwegsamen Berggebieten behielten jedoch auch ihren katholischen und orthodoxen Glauben weiterhin bei.
Mit dem osmanischen Reich hatten die Habsburger im 17. und im 18. Jahrhundert wiederholt Verträge geschlossen, wodurch die österreichische Monarchie auf Grund sogenannter Kapitulationen das Kultusprotektorat über die katholischen Einwohner türkisch beherrschter Gebiete auf dem Balkan ausüben durfte. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten diese Kapitulationen eine neue aussenpolitische Bedeutung gewonnen: man sah darin ein Werkzeug des politischen Einflusses in den an den Süden der Monarchie angrenzenden türkischen Provinzen, namentlich in Albanien, sowie ein Mittel, die Festsetzung fremder und eventuell feindlicher Mächte an der Ostküste der Adria zu verhindern. Um die auf Grund der Verträge gewonnenen Rechte wahrzunehmen und in Macht und Einfluss umzusetzen, bedurfte die k.u.k.- Monarchie Beamter, vor allem im konsularischem Dienst, die sich auf dem Balkan sprachlich, geographisch, historisch, kulturell und wirtschaftspolitisch zu bewegen wussten. Vor 1914 dürfte sich, was Balkankenntnisse und die Wissenschaft über jene Länder, insbesondere Albanien, betrifft, kein Staatsgebilde so hervorgetan haben wie die Österreichisch-Ungarische Monarchie.
1912, nach dem Ersten Balkankrieg, wurde Albanien mit tatkräftiger Unterstützung der Doppelmonarchie in den annähernd heutigen Grenzen unabhängig.
Der deutsche Prinz Wilhelm zu Wied war 1914 für sechs Monate Fürst von Albanien, er konnte seinen Einfluss aber kaum über die Hafenstadt Durrës (Durrazzo) hinaus ausdehnen. In Südalbanien lebende Griechen riefen gleichzeitig den Staat Nordepirus aus. Im Ersten Weltkrieg verlor Albanien erneut seine Unabhängigkeit und war bis 1919 war Albanien von fremden Mächten besetzt.
1920 konnte der Kongress von Lushnja erste Ansätze einer neuen Staatsorganisation schaffen. Unter Fan Noli scheiterte der Versuch, eine demokratische Republik zu errichten. 1925–1939 folgte eine Phase der autoritären Herrschaft des Ahmet Zogu, der sich 1928 zum König proklamierte. Albanien wurde zunehmend abhängig vom faschistischen Italien Mussolinis. 1939 erfolgte die italienische Annexion; der König von Italien wurde auch zum König von Albanien. Einige Repräsentativbauten im Zentrum Tiranas zeugen von dieser Zeit starken italienischen Einflusses.
Während des Zweiten Weltkriegs fand von 1939 bis 1944 ein Partisanenkrieg gegen die italienischen und später deutschen Besatzer statt. Diese hatten dem weiterhin pseudounabhängigen albanischen Marionettenstaat auch Teile Kosovos, Mazedoniens und des griechischen Epirus angeschlossen. 1944 wurde Albanien von der faschistischen Fremdherrschaft befreit und in weiterer Folge eine stalinistisch- kommunistische Diktatur unter dem Partisanenführer Enver Hoxha in den Grenzen Vorkriegsalbaniens errichtet. In den folgenden vier Jahren ging Albanien ein Bündnis mit Jugoslawien unter Herrschaft Titos ein. 1948 folgte der Bruch und eine Phase der massiven Anlehnung an die Sowjetunion begann.
Im Jahr 1949 trat Albanien dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe bei. 1955 wurde das Land Mitglied des Warschauer Paktes, im gleichen Jahr auch Mitglied der UNO. 1961 kam es zum ideologischen Bruch mit der Sowjetunion und einer darauf folgenden Anlehnung an die Volksrepublik China Mao-Tse-Tungs. 1967 erließ Diktator Hoxha ein totales Religionsverbot. Albanien wurde der erste atheistische Staat der Welt. Ein Jahr später trat Albanien aus dem RGW und dem Warschauer Pakt aus und blieb weiterhin auf stalinistischem Kurs. Die starke Bindung zur Volksrepublik China schwächte sich nach dem Besuch des US-Präsidenten Nixon in China 1972 nachhaltig ab. 1985 starb der Diktator Enver Hoxha; zu dessen Nachfolger wurde Ramiz Alia ernannt, der mit zaghaften Reformversuchen erfolglos versuchte, das Land aus seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Agonie loszulösen. 1990/ 1991 wurde das kommunistische Regime als Folge der Umwälzungen in Osteuropa endgültig gestürzt, was eine Massenauswanderung vorwiegend junger Albaner bewirkte.
Der anschließende Transformationsprozess verlief zunächst nur schleppend und ohne große Erfolge. 1991 wurden die ersten freien Wahlen abgehalten, Sieger waren erneut die Kommunisten, die weiterhin von der ländlichen Bevölkerung unterstützt worden waren. 1992 übernahm die neu gegründete Demokratische Partei unter dem Kardiologen Sali Berisha demokratisch die Macht und leitete erste Reformen ein.1995 wurde Albanien Mitglied des Europarates.
Mit dem so genannten Lotterieaufstand 1997 (Platzen einer Pyramidenspielblase) ging der vollkommene Zusammenbruch der staatlichen Strukturen Albaniens einher. Monatelange Anarchie und Chaos waren die Folge und konnten erst durch den vorübergehenden Einsatz ausländischer Polizeikräfte beendet werden.1998 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen. 1999 nahm das Land vorübergehend zehntausende Flüchtlinge aus dem Kosovo während der brutalen Säuberungsaktionen der serbischen Armee auf. 2006 unterzeichnete Albanien mit der EU das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA), und befindet sich- so wie auch andere Westbalkan-Staaten- derzeit in einer Vorstufe zum EU- Kandidatenstatus. Das Protokoll für den Beitritt Albaniens zur NATO wurde bereits von einer Reihe von NATO- Mitgliedstaaten ratifiziert.
