Politik
Österreich und der Iran stehen seit Jahrhunderten in gegenseitigen Beziehungen und waren nie - was selten ist zwischen zwei alten Nationen - im Kriegszustand. Bereits zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Monarchie gab es diplomatische Beziehungen zum Persischen Reich und eine regelmäßige Besuchsdiplomatie. Schon damals bereisten österreichische Künstler und Wissenschafter Persien, das in Mitteleuropa eine große Faszination ausübte.
Die österreichische Botschaft mit ihrer politischen, Konsular-, Verteidigungs-, Kultur- und Handelsabteilung in drei Häusern in Teheran zählt heute zu den größeren österreichischen Botschaften im Ausland. Ähnliches gilt für die iranische Botschaft in Wien.
Dies beruht auf dem gegenseitigen Interesse am jeweils anderen Land. Österreich anerkennt den Iran als großes, bevölkerungs- und rohstoffreiches Land mit einen jungen und gut ausgebildeten Bevölkerung und verlässlichen Handelspartnern sowie als große Kulturnation und wichtigen regionalen Faktor. Österreich stellt für den Iran einen in die EU und andere internationale Institutionen gut eingebetteten Langzeitinteressenten und -partner auf Augenhöhe mit Iran- und Regionalwissen und einer anerkannten AuslandsiranerInnen-Kolonie dar.
Auf Basis des gegenseitigen Respekts und des Interesse am Verstehen der Haltung des anderen Landes bestehen zu einigen internationalen Fragen neben Gemeinsamkeiten - wie zB der internationalen Drogen-, Korruptions- und Menschenhandelsbekämpfung und der Unterstützung einer nuklearwaffenfreien Zone in Nahost - auch unterschiedliche Ansätze. So lehnt Österreich die Todesstrafe sowie Steinigungen und Amputationen als strafrechtliche Maßnahmen ab und tritt für Frauen- und Kinderrechte, völlige Religionsfreiheit und Minderheitenrechte ein. Auch sind Österreich die Freiheit und Unabhängigkeit von Medien einschließlich des Internets, von KünstlerInnen und WissenschafterInnen sowie NGOs wichtig. Im Nuklearbereich fordert Österreich eine völlige Transparenz bei der Umsetzung der im Rahmen der IAEA eingegangenen Verpflichtungen.
Mit dem seit mehr als 50 Jahren ununterbrochen tätigen Österreichischen Kulturforum in Teheran (ÖKFT) zeigt Österreich, welchen Stellenwert es in seinen bilateralen Beziehungen zum Iran den Bereichen Kultur und Wissenschaft zumisst. Heute steht seine Arbeit im Zeichen des Interkulturellen Dialogs, der Begegnung und dem Austausch österreichischer und iranischer KünstlerInnen, WissenschafterInnen und Studierenden. Der von bestqualifizierten ExpertInnen beider Länder geführte und von höchsten PolitikerInnen und Religionsvertretern beider Länder unterstützte österreichisch-iranische Interreligiöse Dialog besteht seit 15 Jahren und ist zu einem Markenzeichen der bilateralen Beziehungen geworden.
Seit Jahrhunderten haben beide Länder einen gegenseitigen Besuchsaustausch auf allen Ebenen gepflegt. Zuletzt trafen die beiden Außenminister Michael Spindelegger und Ali Akbar Salehi in Genf und Wien (12. Juli 2011) zusammen. Weiters bestehen zwischen beiden Ländern zehn bilaterale Abkommen sowie eine Reihe von 'Memoranda of Understanding' über nicht-staatliche sektorielle Zusammenarbeit.
Die Mitgliedschaft Österreichs bei der Europäischen Union (EU) bedeutet die Einbettung Österreichs in eine politische, wirtschaftliche und Rechts-Gemeinschaft hohen Integrationsgrades mit gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Positionen.
Die Mitgliedschaft Österreichs und des Iran in den Vereinten Nationen, die gemeinsame Wertschätzung zB der UNESCO (Österreich ist derzeit Mitglied des Exekutivrates) und des UN-Menschenrechtsrates (Österreich ist derzeit Mitglied) sowie der Blockfreienbewegung, wo der Iran Vollmitglied und Österreich seit Jahren Beobachter ist, sowie Wien als Sitzstaat der 'Organisation erdölexportierender Länder / Organization of the Petroleum Exporting Countries' (OPEC), des 'Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung / United Nations Office on Drugs and Crime'' (UNODC), der 'Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung / United Nations Industrial Development Organization'' (UNIDO) und der 'Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen / Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization ' (CTBTO) stellen besondere multilaterale Anknüpfungspunkte für den bilateralen Dialog dar.
