Interkultureller Dialog
Der Interkulturelle Dialog (IKD) ist seit vielen Jahren ein Markenzeichen der österreichisch-iranischen Beziehungen und wurde während der letzten Jahre weiter ausgebaut. Die Arbeit des Österreichischen Kulturforums Teheran wurde unter die Leitlinie des interkulturellen Dialog gestellt, und der österreichisch-iranische interreligiöse Dialog in erweiterter Form fortgesetzt.
Seit mehr als 15 Jahren besteht zwischen den traditionellen und auch heute bewussten Kulturnationen Österreich und dem Iran ein christlich-islamischer Dialog. Hauptpunkte dieses wissenschaftlichen Austausches auf hoher Ebene waren 4 österreichisch-iranische Konferenzen zwischen 1996 und 2008, welche integral mehrsprachig dokumentiert sind. Seit 2010/11 umfasst dieser Dialog auch mehr Einzelveranstaltungen zu spezifischeren Themen, bei denen sowohl die traditionelle Multidisziplinarität als auch die Teilnehmerkreise und Partnerinstitutionen ausgeweitet wird.
Über den Iran-Zusammenhang hinaus legt die österreichische Außenpolitik einen besonderen Schwerpunkt auf den 'Dialog der Kulturen', wobei der Beziehung Europa - muslimische Welt naturgemäß eine besondere Bedeutung zukommt. Das Verhältnis von westlichen, europäischen und islamisch geprägten Gesellschaften wurde von Konflikten und Missverständnissen ebenso geprägt wie von guten Beziehungen und fruchtbarer Zusammenarbeit, die beide Seiten bereichert haben. Darüber hinaus haben diese historischen Beziehungen einen wesentlichen Beitrag auf beiden Seiten zur Entwicklung von Gesellschaft und Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Kultur, um nur einige Bereiche zu nennen, beigetragen. Der Islam ist seit dem 8. Jahrhundert in Europa (v.a. Spanien, Sizilien) präsent; fünfhundert Jahre prägte die türkisch-osmanische Herrschaft die pannonische Ebene und weitere Länder: In Griechenland, den Balkanstaaten, in Rumänien und Bulgarien existieren muslimische Gemeinden, deren europäische Einbettung unbestritten ist. Der Islam ist somit eine "autochthone" Religion des europäischen Kontinents. Heute leben mehr als eine halbe Million Moslems/Muslima in Österreich und über 50 Mio. in Europa. Alle bisherigen drei Europäischen Imame-Konferenzen - Graz, Juni 2003, Wien, April 2006, Wien, Mai 2010 - wurden in Österreich abgehalten.
Österreich ist ein aktives Mitglied bei der im Jahre 2005 unter der Ägide der Vereinten Nationen (UN) gegründeten 'Allianz der Zivilisationen', welche seitens des Irans vom früheren Staatspräsidenten Mohammad KHATAMI mitgeprägt wurde und ihr Jahresforum 2013, das ‘5. Globalforum‘ – 5th Global Forum of the United National Alliance of Civilizations - am 27./28. Februar 2013 in Wien abhalten wird. Am Vortag, dem 26. Februar 2013 findet das Jugendforum zur Veranstaltung statt.
Seit Jahren stellt das Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine interkulturelle Brücke zwischen Österreich und dem Iran teil. Auch die Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall trägt mit ihren Kursen und Vorträgen zum interkulturellen Verständnis zwischen beiden Ländern und Kulturen bei.
Österreichischer Hauptträger des IKD im Iran ist das Österreichische Kulturforum in Teheran (ÖKFT). Seit mehr als 50 Jahren ohne Unterbrechung wird im Zentrum Teherans österreichische Kunst, Kultur und Sprache vermittelt. Zehntausende IranerInnen haben dort Deutsch gelernt; heuer zählen die Sprachkurse in zwei Semestern und einem Sommer-Intensivsemester mehr als 3000 TeilnehmerInnen. Wenn auch die Deutsch-Sprachkurse und die mit heute über 5000 Werken größte deutschsprachige Bibliothek im Iran jahrzehntelange Markenzeichen des ÖKFT darstellen, bietet das Kulturforum viel mehr, vor allem auf interkulturellen Gebiet: Die Veranstaltungen im eigenen Haus und bei Partnern sollen auf möglichst vielen Gebieten Kunstschaffende und -expertInnen, MusikerInnen, WissenschafterInnen und Studierende zusammenbringen, um Themen gemeinsamen Interesses darzustellen und zu diskutieren und, wenn möglich, Gemeinsames zu schaffen. Bisher wurde dieses Konzept va auf den Gebieten Musikdarbietung und Komposition, Literatur, Architektur, Film, Journalistik, Philosophie, Religion, Staatswissenschaften und Menschenrechte umgesetzt - weitere sind in Planung.
Das aus jungen iranischen MusikerInnen bestehende und von österreichischen MusikerInnen geleitete und laufend ausgebildete 'Austro-Iranian Symphony Orchestra (AISO)' und 'Austro-Iranian Choir (AIC)' stellt einen der Schwerpunkte der interkulturellen Arbeit des ÖKFT dar. Iranischen Deutsch-Studierenden und -Lehrenden werden neben den Sprachkursen und Literaturworkshops seit einiger Zeit auch praktische Übungen in Print- und Radio-Journalismus ('ÖKFenster' und 'RadiOKF') sowie 'Mittagstalks' mit führenden österreichischen Fachleuten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Medien geboten.
Stand: Oktober 2012
