Österreichisch-Iranische Märchenerzähler-Begegnungen mit musikalischer Begleitung in Isfahan und Teheran
Vom Baum, der gar nicht existierte…
Vom Baum, der gar nicht existierte, auf den er dann hinaufkletterte, tief in die Erde fiel, sich ausgrub und dann plötzlich im Iran landete. Das ist nur eine der Geschichten, die der oberösterreichische Märchenerzähler Helmut Wittmann mit dem Niederösterreicher Franz Bernegger, seinem Begleiter auf der Bockpfeife, an mehreren Schulen in Teheran erzählte. Die Kinder hatten nicht nur Gelegenheit, Fragen zu stellen, sondern konnten mit ihren Vorstellungen die Geschichte auch mit beeinflussen. Die in Österreich fast vergessene Bockpfeife, eine frühe Art des Dudelsacks, war nicht nur für die Kinder eine Attraktion. Auch niemand geringerer als Leopold Mozart hatte einige Stücke für die Bockpfeife komponiert.
Wittmann und Bernegger trafen in Isfahan, einer der kulturellen Hauptstädte des Iran, mit iranischen Märchen-/Naqqali-Erzählern zusammen, welche dort zweimal pro Woche traditionelle Naqqali-Veranstaltungen mit Musik abhalten. Wittmann und Bernegger traten in Isfahan auch auf einem gemeinsamen öffentlichen iranisch-österreichischem Erzählabend auf. Bernegger improvisierte dort auf seiner Bockpfeife gemeinsam mit iranischen Daf- und Zarb-Musikern. Gholamreza Khoshhalpour, einer der bekanntesten Naqqali-Erzähler im Iran, überreichte ihnen zum Abschluss eine prächtige Shahname-Ausgabe (persischer Königsepos) in einer kunstvollen Holzschatulle und wünschte einen regelmäßigen österreichisch-iranischen Märchenerzähler-Austausch.
Bei einem Literaturabend am Österreichischen Kulturforum Teheran gemeinsam mit dem renommierten Literaturverlag „Bokhara“ erklärte Wittmann, wie auf seine Initiative das Märchenerzählen im Jahre 2010 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde - ebenso wie im Jahre 2011 Naqqali, die persische Erzählform des Shahname. Der Germanistik-Universitätsprofessor Said Firuzabadi erläuterte noch die historischen – oft in Ost und West – gleichen Hintergründe von Märchen. Abschließend präsentierte der persische Erzähler Erfan Pahlavani die Geschichte von „Rostam und Sohrab“, während Wittmann das Publikum mit der Geschichte „Vom dummen Bauern, der Glück hatte“ zum Lachen brachte.
Zum Abschluss ihres (ersten) Iran-Aufenthalt referierten Wittmann und Bernegger an der Teheraner Azad-Universität über die Kultur des Märchenerzählens in Österreich und wie es zur UNESCO-Aufnahme kam. Auch auf diesem akademischen Boden wurden Volksmärchen mit Musik dargeboten.



