Gebäude
Geschichte
Häuser haben ihren Charakter und ihre Biographien. Diese sind oft untrennbar mit der "großen Geschichte" der Städte und Länder, in denen sie stehen, verbunden. Besonders anfällig für Geschichtsträchtigkeit sind Botschaftsgebäude. Ein Beispiel dafür ist die österreichische Botschaft in Sofia:

- ÖB SofiaFoto: Alexander Wojda
Am 30. Oktober 1881 wurde Rüdiger Joseph Franz Adalbert Freiherr von Biegeleben zum k.u.k. Diplomatischen Agenten in Sofia ernannt, wo er am 26. November 1881 eintraf.
Biegelebens erstes Problem betraf die Suche nach einem besseren und der Würde der Habsburger-Monarchie entsprechenden Gebäude. Solche waren offenbar nicht zu finden. Biegeleben wusste, dass das Ministerium des Äußeren in Sofia kein Gebäude errichten wollte, denn die k.u.k. Diplomatie lehnte damals noch den Kauf von Gebäuden ab.
Er entschied sich daher, auf eigene Kosten ein Gebäude zu errichten. Somit wurde Architekt Brang mit der Planung des Agentiepalais beauftragt und schon 1882 begannen die Bauarbeiten in der Boulevard Zar Oswoboditel 11.
Der 1. Weltkrieg brachte kriegsbedingt die Bombardierung Sofias durch alliierte Flugzeuge, die der Gesandtschaft aber keinen Schaden zufügten. Dafür sorgte am 18. Oktober 1917 ein Erdbeben für erhebliche Schäden am Gebäude. Diese wurden von eigens aus Wien angeforderten Arbeitern behoben.
Nach dem 1. Weltkrieg 1918 wurde ein Großteil des k.u.k. Gesandtschaftspalais von italienischen Diplomaten und deren Sicherheitskräften in Besitz genommen, die sich darin immer mehr ausbreiteten. Vorübergehend konnten einige Räume des Gebäudes noch von österreichischen Gesandten genutzt werden.
1922 schließlich einigten sich Italien und Österreich darauf, dass Italien für den österreichischen Anteil am ehemaligen k.u.k. Gesandtschaftspalais sein altes, benachbartes Gesandtschaftsgebäude an Österreich abtritt. Nach Instandsetzung des seit 1915 unbenutzten Gebäudes wurde der Tausch am 14. Februar 1925 tatsächlich durchgeführt. Das nach Plänen des italienischen Architekten Enrico Bovio in den Jahren 1905 bis 1910 errichtete ehemalige italienische Gesandtschaftspalais am Boulevard Zar Oswoboditel 13 im Zentrum von Sofia, dient auch heute noch als diplomatische Vertretung der Republik Österreich.
Die Geschichte dieser Liegenschaft seit dem ersten Bau, über den zwangsläufigen Tausch mit Italien nach dem ersten Weltkrieg bis in die jüngste Vergangenheit, spiegelt die komplizierten politischen und diplomatischen Züge wieder, die unumgänglich die Vor- und Nachkriegszeit begleitet haben.
