Architektur der Erinnerung-die Denkmäler des Bogdan Bogdanovic
Bogdan Bogdanović – Jahrgang 1922, Architekt, Urbanist, surrealistischer Künstler und Literat, Hochschulprofessor sowie ehemaliger Bürgermeister von Belgrad – schuf zwischen den 1950er und den 1980er Jahren 20 großmaßstäbliche Denkmäler gegen den Krieg, verteilt über ganz Jugoslawien. In kaum einem anderen europäischen Land wurden die Geschichte und das Geschichtsbewusstsein so sehr durch Gewalt und Vernichtung geprägt wie in dem inzwischen zerfallenen Vielvölkerstaat. In radikaler Abkehr von unzähligen klerikal-nationalistischen oder dem sozialistischen Realismus verpflichteten Monumenten verweigern Bogdanovićs versöhnliche Werke jegliche Abbildung des Schreckens und Entsetzens. Weder klagen sie Schuldige an, noch heroisieren sie die Opfer.
Bogdanovićs Architektur der Erinnerung ist eine formal zeitlose, metaphorische Auseinandersetzung mit uralten menschlichen Ängsten und Hoffnungen. Dazu inspirierten ihn Bilder aus seinen Träumen ebenso wie regionale Mythen oder esoterische Schriften antiker Philosophen. In seinen Büchern und Pamphleten bezog der spätere Exilant schon frühzeitig Position gegen jegliche Form politischer Radikalisierung und sah in verblüffender Weise die Wiederkehr des Terrors in seiner Heimat voraus. Mit Ausbruch des jugoslawischen Bürgerkriegs 1991 wurden Bogdanovićs Gedenkstätten dann zum Ziel von nationalistischem Revanchismus und mutwilliger Zerstörung, wodurch sie aus der Geschichte unvermittelt in die Gegenwart zurückgeholt wurden.
Der aktuelle Film des Wiener Stadtplaners und Fachpublizisten Reinhard Seiss portraitiert sieben ausgewählte Denkmäler – vom Memorial am jüdischen Friedhof von Belgrad über die „Stadt der Toten“ in Mostar bis hin zum wohl bekanntesten Monument im ehemaligen Vernichtungslager Jasenovac – und will das bislang nicht adäquat dokumentierte und zum Teil auch bewusst verdrängte architektonische Werk von Bogdan Bogdanović öffentlich zur Diskussion stellen. Darüber hinaus setzt der Film die surrealistische Architektur mit der Literatur des bis zu seinem Ableben in Wien lebenden Intellektuellen in Beziehung – und reflektiert daran die Geschichte und Gegenwart Jugoslawiens respektive seiner Nachfolgestaaten.
Der Film mit anschließender Diskussion mit Dr. Reinhard Seiß wird am 05.10.2010, um 19 Uhr im Goethe Institut in Sarajewo (Bentbaša 1a) gezeigt werden.
