Bilaterale Beziehungen
Im 18. Jahrhundert bemühte sich Sultan Mohammed III. (Mohammed Ben Abdellah al-Khatib, *1710, regierte 1757 – 1790) um einen Ausbau der Beziehungen zu den europäischen Mächten, wobei er insbesondere die Öffnung der europäischen Absatzmärkt für marokkanische Waren im Auge hatte. Im Zuge dieser Politik entsandte er den Pascha von Tanger, Mohammed Ben Abdelmalik, als seinen Emissär an den Hof in Wien. Der Botschafter wurde am 28. Februar 1783 von Kaiser Joseph II. zur Überreichung des Beglaubigungsschreiben in Audienz empfangen; das Datum bezeichnet den Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Marokko. Der Besuch gipfelte im Abschluss eines Freundschaftsvertrages, welcher wechselseitige Handels- und Schifffahrtsfreiheit, Import- und Exportliberalisierung sowie Zollsenkung vorsah. 1805 wurde dieser Vertrag unter den nachfolgenden Herrschern Moulay Slimane und Kaiser Franz II. erneuert.

- Botschafter Muhamet Pascha aus Tanger 1783Bild: unbekannt

- Der marokkanische Gesandte 1783 am Hofe in WienBild: N. N.

- Überfall auf Konsul MaddenBild: N. N.
1829 wurde das unter österreichischer Flagge segelnde Handelsschiff "Veloce" Beute marokkanischer Korsaren. Österreich reagierte mit einer Bombardierung von drei marokkanischen Atlantikhäfen und der Seeblockade von Larache durch die k.k. Kriegsmarine. Dies führte zur Aufnahme von Verhandlungen, die in einem Friedensvertrag mündeten, welcher Schiffen unter österreichischer Flagge in Hinkunft freie Fahrt zusicherte.
Schon 1804 waren in den Hafenstädten Larache, Mogador (heute Essaouira), Salé und Tetouan die ersten österreichischen Honorar-Konsulate in Marokko eingerichtet worden; später folgten weitere Konsulate in Rabat (1842), Assila, Safi und Mazagan (1849), sowie schließlich auch in Casablanca (1874), Marrakesch und Fes (1907). Die Chronik weiß von einem dramatischen Zwischenfall zu berichten, welcher sich 1905 in Mazagan (heute El Jadida) ereignete: der österreichische Vizekonsul, Daniel Madden, eine Brite der auch für Dänemark als Honorar-Vizekonsul fungierte, wurde bei einem Raubüberfall in seinem eigenen Haus ermordet.

- Graf Emanuel LudolfBild: L. Grillich
Zu Ende des 19.Jahrhunderts beteiligte sich Österreich-Ungarn an der Großmachtpolitik gegenüber Marokko:1880 schlossen die europäischen Mächte sowie die USA mit dem Königreich Marokko in Madrid einen Vertrag, in welchem den ausländischen diplomatischen und konsularischen Niederlassungen in Marokko einseitig eine Reihe von Privilegien und Immunitäten zugestanden wurden. 1906 versammelten sich dieselben Vertragsparteien, unter ihnen Österreich-Ungarn, in Algeciras ein zweites Mal mit dem Ergebnis, dass weitere einseitige Vorrechte im Bereich des Handels und der Immunität von der marrokanischen Rechtsordnung den europäischen Mächten zugestanden wurden.

- König Mohammed V. in Bregenz, 1945Bild: Archiv der Landeshauptstadt Bregenz
Im Zweiten Weltkrieg kämpften marokkanische Soldaten in den Einheiten der französischen Armee und nahmen 1945 an der Befreiung Österreichs von Nazideutschland Teil. Unter den französischen Besatzungstruppen in Vorarlberg und Tirol befanden sich zahlreiche Marokkaner. Im Zuge einer Reise durch Europa besuchte König Mohammed V. 1945 Bregenz, wo er eine Parade seiner Truppen abnahm.
Ab Mitte der 1960iger entsandte Österreich residente Botschafter nach Rabat. Marokko errichtete 1982 eine Botschaft in Wien. Die beiden Staatenschlossen zahlreiche bilaterale Verträge ab und arbeiten auch in internationalen Foren eng zusammen. Darüberhinaus ist Österreich als Mitgliedsstaat der Europäischen Union in das umfassende Beziehungs- und Vertragsgeflecht der EU mit Marokko eingebettet.
Die österreichischen Botschafter in Rabat seit 1964:
1964-1969 Dr. August Tarter
1969-1972 Dr. Ernst Hessenberg
1972-1977 Dr. Johannes Willfort
1977-1981 Dr. Harald Vavrik
1981-1985 Dr. Emil Staffelmayr
1985-1991 Dr. Robert Marschik
1991-1994 Dr. Paul Leifer
1994-1998 Dr. Tassilo Orgrinz
1998-2002 Dr. Michael Fitz
2003-2007 Dr. Gerhard Deiss
2007-2011 Dr. Georg Mautner-Markhof
2011- Dr. Wolfgang Angerholzer
