Lesotho: Innen- und Außenpolitik
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war Lesotho abgesehen von wenigen Nomaden (San) unbewohnt. Gegen 1800 besiedelten Bantu, Baphuti und Basotho das Gebirgshochland. 1820 wurde unter dem Herrscher Moshoeshoe die Basotho-Nation (später Lesotho) gegründet. Nach heftigen Kriegen mit den vorrückenden Buren, bei denen die Basotho unterlagen, baten sie um britische Unterstützung. In der Folge wurde Lesotho von den Briten besetzt und 1868 Britisches Protektorat. 1966 erlangte Lesotho seine Unabhängigkeit. Danach gab es blutige, interne Machtkämpfe. Eine demokratische Normalisierung kam nur schleppend voran. Das Könighaus spielte weiterhin eine tragende politische Rolle. Der Vater des jetzigen Königs musste in den Jahren 1990 - 1995 abdanken, wurde 1995 wieder eingesetzt und kam 1996 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Seit Februar 1996 ist King Letsie III König von Lesotho. Er hält sich aus der Tagespolitik weitgehend heraus.
Anfang 2002 wurde ein neues Wahlsystem eingeführt, das ein Mischsystem darstellt, bei dem 80 der 120 Parlamentssitze durch Mehrheitswahlrecht und die restlichen 40 Sitze durch Verhältniswahlrecht vergeben werden. Am 25. Mai 2002 fanden auf der Basis dieses Wahlsystems Wahlen statt, die von internationaler Beobachtung (unter österreichischer Beteiligung!) begleitet waren und folgendes Ergebnis erbrachten: 54.9% und 77 Sitze für LCD, 22.4% und 21 Sitze für BNP, der Rest teilt sich auf 8 weitere Parteien auf. Die friedliche Durchführung der Wahlen und konfliktlose Akzeptanz des Wahlergebnisses durch alle Parteien fand intern und international großes Lob. Die verschiedenen Parteikonferenzen sind im Frühling 2004 sehr friedlich verlaufen. Im Februar hielt der Finanzminister erstmals eine sehr beachtliche öffentliche Budgetrede, im Rahmen derer die Frage der Korruption in aller Deutlichkeit angesprochen worden ist. Eine weitere Regierungsumbildung im November 2004 war innerparteilich motiviert. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 83%, wobei sie bei Frauen (93%) höher liegt als bei Männern (71,1%). Dass Frauen viele Führungspositionen im öffentlichen Leben innehaben (ein hoher Prozentsatz der Männer arbeitet als Wanderarbeiter in den südafrikanischen Minen), darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der traditionellen Gesellschaftsordnung die Frau nach wie vor eine untergeordnete Stellung einnimmt, auch wenn von der Verfassung 1993 de iure eine Gleichstellung vorgesehen ist.
Die HIV-Infektionsrate wird auf fast ein Drittel der Bevölkerung geschätzt, was das Lebenserwartungsalter von derzeit 55 Jahren in nächster Zeit auf 44 Jahre senken wird.
