Wirtschaft
WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN MIT ÖSTERREICH
Frankreich zählt zu unseren stabilsten Exportmärkten, auf dem Österreich in den letzten 10 Jahren konstante Wachstumsraten aufweisen konnte. Im ersten Halbjahr 2009 sind laut Statistik Austria die österreichischen Exporte nach Frankreich um 21,8% auf EUR 1,823 Mrd. gesunken. Der Exportmarkt Frankreich weist nach der Schweiz den geringsten Rückgang unter den 10 Top-Exportmärkten auf. Frankreich ist hinter Deutschland, Italien, den USA und der Schweiz der 5.wichtigste Absatzmarkt für österreichische Produkte. Österreich rangiert als Lieferant auf dem 22. Platz.
Bei den wichtigsten Produktgruppen wie Maschinen und Apparaten zeigten sich die Auswirkungen der Krise am stärksten. Im Jahresabstand war ein Rückgang von EUR 476,3 Mio. auf EUR 342 Mio. (-28,2%) zu verzeichnen. Wichtige Exportpositionen sind Eisen und Stahl sowie Waren daraus (-34,5%, von EUR 241,5 Mio. auf EUR 157,6 Mio.), sowie Zugmaschinen und Kraftfahrzeugen (-30,9%, von EUR 227,5 Mio. auf EUR 157,3 Mio.) und elektrische Maschinen und Apparate (-23,9%, EUR 145,2 Mio.) sowie Kunststoffe (-27,7%, EUR 125,5 Mio.).
Gleichzeitig fielen in der Vergleichsperiode die Importe aus Frankreich um 24,1% auf EUR 1,591 Mrd. Frankreich ist Österreichs sechstwichtigster Lieferant hinter Deutschland, Schweiz, Italien, China und Tschechien. Österreich liegt als Exportdestination ebenfalls auf Platz 22.
Österreich importiert aus Frankreich in erster Linie Kraftfahrzeuge, wobei es im 1. Hj 2009 einen Rückgang um 35,2 % (von EUR 451,4 Mio. auf EUR 292,7 Mio.) gegeben hat, gefolgt von Maschinen und Apparaten mit EUR 192,3 Mio. (-21,2%), Lebensmitteln (EUR 129,4 Mio., - 17,7%) und Pharmazeutika (EUR 120,2 Mio., -2,2%).
Seit 2001 hat Österreich einen Handelsbilanzüberschuss mit Frankreich (1. Hj 2009: EUR 347 Mio.) Trotz krisenbedingtem Rückgang im Handelsvolumen weist der positive Saldo im Jahresabstand erneut einen Anstieg von 9,1% auf 10,5% in Relation zum gesamten Außenhandelsvolumen auf.
Trotz Krise bietet Frankreich weiterhin Marktchancen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Sarkozy sind Investitionen im Umweltsektor zu einem Schwerpunktthema geworden. Marktchancen bestehen bei der thermischen Sanierung, ökologischem Bauen bis hin zur Photovoltaik und Biomasse. Auch im Gesundheitsbereich bestehen gut Chancen für österreichische Medizintechnik.
Einige österreichische Firmen haben sich bereits gute Marktpositionen aufgebaut.
WIRTSCHAFTSLAGE UND POLITISCHE ENTWICKLUNG
Frankreich konnte im 2. Quartal 2009 vorerst die steile Talfahrt beenden und ein BIP-Wachstum von 0,3% verzeichnen.
Das Wirtschaftswachstum beruht dabei nicht etwa nur auf einem vorübergehenden Stopp beim Abbau der Lager, sondern auf dem weiterhin anhaltenden privaten Konsum, dem Konjunkturbelebungspaket und dem überraschenden Anstieg bei den Exporten. Der Minister für die Wirtschaftsbelebung zieht eine erste positive Bilanz über die Auswirkungen des französischen Konjunkturpakets, welches in erster Linie auf Investitionen in Infrastrukturvorhaben abzielt.
Nachdem die Industrieproduktion 2008 um 13,8% zurückgegangen, gab es 2009 wieder einen Anstieg, wobei die Automobilindustrie (Verschrottungsprämie) mit 4,8% für die Hälfte des Anstiegs verantwortlich war. Der private Konsum ist im 2. Quartal ebenfalls um 0,3% angestiegen. Die französischen Haushalte behalten damit ihre Rolle als Konjunkturmotor.
Die Exportindustrie bleibt ein Bleifuß der französischen Wirtschaft. Die Handelsbilanz des 1. Hj 2009 schließt mit einem Minus in Höhe von EUR 26,7 Mrd. ab (2008: EUR -26,8 Mrd.); eine leichte Verbesserung des in den letzten Jahren rasant steigenden Defizits im Außenhandel. Während im 1. Quartal die Exporte um 7,1% gefallen waren, stiegen diese im 2. Quartal um 1% und erreichten im 1. Hj 2009 EUR 214,59 Mrd. Die Importe (EUR 241,29 Mrd.) gingen im selben Quartal um 2,3% zurück. Unter Berücksichtigung der um EUR 9 Mrd. billiger gewordenen Energieimporte sieht die Bilanz anders aus. Die Einnahmen aus dem Frankreich wichtigen Tourismusgeschäft (80 Mio. Nächtigungen pro Jahr) blieben erfreulicherweise stabil und stellen damit einen Eckpfeiler der franz. Exporte dar.
Die Zahl der Arbeitslosen beläuft sich auf 3,3 Mio., d.s. 9,1%, für Ende 2010 werden 11% prognostiziert. Besonders hoch war der Anstieg bei Arbeitslosen unter 25 Jahren (+35 % im Jahresvergleich).
Im 1. Hj 2009 hat sich das Budgetdefizit mit 86,5 Mrd. EUR fast verdreifacht (+263%). Grund dafür sind nicht nur die milliardenschweren Konjunkturpakete, dem Staat fehlen krisenbedingt Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.
Frankreich erwartet 2009 ein Negativwachstum von 2%, aber 2010 bereits wieder 1% Wachstum.
Die französischen Industriellen schätzen Umfragen zufolge inzwischen die wirtschaftliche Entwicklung bereits viel positiver als in den Quartalen zuvor ein, obschon die Ökonomen der Nationalbank einen erneuten Rückschlag in der Industrieproduktion im Jahr 2010 nicht ausschließen. Insbesondere das voraussichtliche Auslaufen diverser Maßnahmen des Konjunkturpaketes und das Weiterbestehen zahlreicher struktureller Probleme gefährden den zarten Aufschwung.
Ein weiterer Anstieg der Staatsverschuldung auf 77% im Jahre 2009, das wären zwischen EUR 125 bis 130 Mrd. Frankreichs gesamte Staatsschuld beläuft sich auf EUR 1,23 Billionen.
