Wirtschaft
Wirtschaftslage Frankreichs
Die bereits im Sommer verzeichnete Abkühlung der französischen Wirtschaft wurde im 3. Quartal 2011 mit einem leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,3% auf 1.491,9 Mrd. EUR kurz unterbrochen. Die noch vor kurzem hochgesteckten Erwartungen für das 4. Quartal mussten wieder zurückgenommen werden. Gegen Jahresende wird es voraussichtlich ein negatives Wirtschaftswachstum von 0,2% erwartet, mit dem für das 1. Quartal 2012 erwarteten Minus von 0,1% droht Frankreich statistisch gesehen somit eine Rezession.
Dabei steht auch die aktuelle Vorhersage eher unter der optimistischen Annahme, dass die Schulden für die Staatsschulden nicht enorm steigen werden. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2012 bleiben die beiden Spitzenkandidaten unter dem Druck der internationalen Ratingagenturen jedenfalls bei ihrem Credo der Budgetdefizitsenkung mit dem erklärten Ziel eines 3% Defizits im Jahr 2013. Alle Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung sollen aber wachstumsorientiert bleiben.
Ob die französische Regierung trotz der beiden 2011 verabschiedeten Sparmaßnahmen, die 11 Mrd. EUR bzw. 7 Mrd. EUR bringen sollen, die Zwischenziele von 5,7% Budgetdefizit für 2011 und 4,5% für 2012 erreichen kann, bleibt laut OECD-Berechnungen abzuwarten. Die OECD errechnet für Frankreich ein bescheidenes BIP-Wachstum von 0,3% im Jahr 2012 und von 1,4% für 2013. Das von der OECD geforderte dritte Sparpaket in Höhe von 8 Mrd. EUR will die französische Regierung aber nicht mehr beschließen.
Die Staatsschulden Frankreichs konnte im 3. Quartal 2011 um 3,6 Mrd. EUR auf 1.688,9 Mrd. EUR reduziert werden. Sie belaufen sich damit auf 85,3% des BIP und liegen damit noch immer höher als in der Vergleichsperiode des Vorjahres (82,1% bzw. 1.575 Mrd. EUR).
Frankreichs Wirtschaft musste in den vergangenen drei Jahren die Schließung von knapp 400 Fabriken und den Verlust von 100.000 Industriearbeitsplätzen verkraften. Insgesamt mussten fast 900 Fabriken geschlossen werden, während im selben Zeitraum nur knapp 500 neue gegründet wurden. Der Anteil der Industrieproduktion am französischen BIP liegt mit 12% bereits weit unter jenem Deutschlands (20%).
„Made in France“, der Konsum von in Frankreich produzierten Erzeugnissen und Dienstleistungen wurde im Wahlkampfvorfeld einige Zeit als Devise auserkoren. Statistisch gesehen ist die Warenproduktion und die Produktion von Dienstleistungen im 3. Quartal 2011 im Vergleich zur Vorperiode sogar um 0,4% gestiegen. Bei der Warenproduktion gab es weiterhin leichte Rückgänge, die Energieproduktion und die Produktion von Dienstleistungen sind wertmäßig stark gestiegen. Der Auslastungsgrad der französischen Produktionsstätten ist ber gleichzeitig auf 81,7% im 3. Quartal (83,4% im 2. Quartal) gefallen.
Die Erholung der französischen Investitionskonjunktur, die im 2. Quartal 2010 begonnen hatte, bricht im 3. Quartal 2011 ab. Der Rückgang von 0,3% entspricht dem Anstieg in der Vorperiode. Ein weiterer Rückgang um 0,5% ist auch im 4. Quartal 2011 zu erwarten. Ausschlaggebend sind dafür die weiteren Rückgänge bei den Automobilkäufen und die seit Jahresbeginn kontinuierlichen Rückgänge bei den privaten und öffentlichen Bauvorhaben.
Die französischen Unternehmen leiden unter einer Aushöhlung der Gewinnspannen, die den Tiefstand von 1987 erreicht haben. Verantwortlich dafür waren insbesondere die 2011 effektiv gewordenen Gehaltserhöhungen nach Jahren der Zurückhaltung. Die Banken verschlechtern die Lage, indem sie weniger bereitwillig Kredite vergeben.
Zur Verbesserung der Lage der Industrie hatte die Regierung 2010 u.a. eine Industrialisierungshilfe für KMUs in Höhe von 200 Mio. EUR beschlossen, die Investitionen in Höhe von zumindest 5 Mio. EUR bei einer Schaffung von mindestens 25 Arbeitsplätzen drei Jahre lang vorfinanzieren sollen. Bis November 2011 konnten daraus 20 Investitionsprojekte mit 77 Mio. EUR unterstützt werden.
Die Kaufkraft der französischen Haushalte konnte im 2. Halbjahr 2011 trotz hoher Arbeitslosigkeit und Inflation einen moderaten Anstieg in Höhe von 0,6% verzeichnen. Für das Gesamtjahr 2011 errechnet das französische Bundesamt für Statistik Insee 1,4% mehr Kaufkraft für die französischen Haushalte (+0,8% in 2010). Steuererhöhungen haben den 3,6%igen Zuwachs beim verfügbaren Bruttoeinkommen der Haushalte wieder gedämpft.
Trotz Anstieg der Kaufkraft und des verfügbaren Bruttoeinkommens blieben die tatsächlichen Konsumausgaben der französischen Haushalte im 3. Quartal mit 0,3% quasi stabil (-0,8% im 2. Quartal). Dieser leichte Anstieg ist eigentlich nur auf die Energieausgaben zurückzuführen, die im 3. Quartal wieder ihr gewohnt hohes Niveau erreichten.
Die französischen Exporteure haben in den ersten drei Quartalen 2011 mit 396,7 Mrd. EUR um 9% mehr im Ausland erwirtschaftet als in der Vorjahresperiode (363,7 Mrd. EUR). Die Importe betrugen in den ersten drei Quartalen 2011 444 Mrd. EUR, d.s. um 12% mehr als in der Vorjahresperiode (396 Mrd. EUR). Dies ergibt einen negativen Saldo in Höhe von fast 48 Mrd. EUR in den ersten neun Monaten. Zieht man die kürzlich vom französischen Zoll veröffentlichten Schätzungen für das Gesamtjahr 2011 heran, so müsste Frankreich 2011 sogar ein noch höheres Außenhandelsdefizit von 75 Mrd. EUR verkraften.
Die französische Exportwirtschaft kämpft seit fast 10 Jahren mit ständigen Rückgängen bei den Exporten und enormen Anstiegen bei den Außenhandelsdefiziten. Zwei Drittel der französischen Exporte gehen in die EU, die Exporte in die BRICS-Staaten gewinnen zwar an Bedeutung (6,9%), die Marktanteile Frankreichs in diesen Ländern bleiben allerdings konstant, während der Anteil der Importe aus den BRICS-Staaten (12,7%) fast doppelt so hoch liegt.
Die wichtigsten Absatzmärkte Frankreichs im 1. Halbjahr sind Deutschland mit 16,7%, Italien (8,2%), Spanien (7,4%), Belgien (7,3%), Vereinigtes Königreich (6,6%) und die USA (5,4%).
Österreich hat für Frankreich einen Exportmarktanteil von 0,93% und liegt damit auf dem 21. Rang aus französischer Sicht.
Die wichtigsten französischen Exportprodukte sind Flugzeuge und Produkte der Raumfahrt, gefolgt von Pharmazeutika, Lebensmitteln, Fahrzeugen, Raffinerie-Produkten, Autoersatzteilen und Schmuck. Imagemäßig sind aber auch die Luxusgüterindustrien (Parfums, Mode und alkoholische Getränke) für Frankreich sehr wichtig.
Deutschland ist mit 16,9% Anteil an den französischen Gesamtimporten auch der bedeutendste Lieferant vor China (7,8%), welches Belgien (7,7%) vom 2. Platz verdrängt hat. Es folgen Italien (7,2%), Spanien (6,1%) und die USA (5,6%). Österreich liegt als Lieferant auf dem 23. Rang und erzielt 0,91% Marktanteil.
Die wichtigsten französischen Importpositionen sind Brennstoffe, Raffinerie-Produkte, Automobile, Pharmazeutika, medizinische Apparate, Uhren und chemische Produkte.
Die Abschwächung der Konjunktur macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Arbeitslosenversicherung Unedic meldete für Festland-Frankreich mit 9,3% für das 3. Quartal 2011 einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote. Berücksichtigt man auch die französischen Überseegebiete, so liegt die Arbeitslosenquote bei 9,7%.
2,844 Mio. Personen sind gemäß ILO-Standards Ende November bei der Arbeitsmarktverwaltung Pôle Emploi gemeldet. Insgesamt sind es aber 4,2 Mio. Menschen, die eine Arbeit suchen, also weit mehr als die beim Pôle Emploi eingeschriebenen Arbeitslosen. Einziger Hoffnungsschimmer ist die Tatsache, dass erstmals die Zahl der Langzeitarbeitslosen nicht weiter gestiegen ist. Für 2012 rechnen die Konjunkturforscher mit einem Überschreiten der kritischen 10%-Schwelle. Ende Jänner 2012 will die französische Regierung einen Plan zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit vorlegen.
Die Inflationsrate wird 2011 2,1% erreichen. Im November wurde mit 2,5% im Vergleich zum selben Vorjahresmonat voraussichtlich ein Höchststand erzielt. Für die kommenden Monate wird mit einer Inflationsrate von 1,4% zu rechnen sein. Die Preisanstiege bei Energie, Rohstoffen, Nahrungsmitteln und eine höhere Arbeitslosenrate, die sich meist in moderaten Lohnerhöhungen auswirkt, sind dann bereits integriert.
Auch die Erhöhung des verminderten Umsatzsteuersatzes von 5,5% auf 7% bei einigen Produkten soll sich ersten Berechnungen zufolge nur mit 0,1 Prozentpunkten in der Inflationsrate niederschlagen. Nur knapp 13% der Produkte, die zur Berechnung der Inflationsrate herangezogen werden, sind davon betroffen und die höhere Steuer wird zu einer vorübergehenden Senkung der Gewinnspannen führen.
Wirtschaftsbeziehungen Österreich -Frankreich
Die von der Statistik Austria präsentierten Außenhandelszahlen für Jänner bis September 2011 weisen für die österreichischen Lieferungen nach Frankreich mit +13,5% weiterhin einen dynamischen Anstieg auf.
Die österreichischen Exporteure konnten die Warenlieferungen nach Frankreich in diesem Zeitraum von 3,298 Mrd. EUR auf 3,742 Mrd. EUR erhöhen.
Der Markt Frankreich weist damit im Vergleichszeitraum leicht höhere Zuwachsraten als mit Deutschland und Italien auf. Frankreich bleibt hinter Deutschland mit 28,51 Mrd. EUR (+12,5%), Italien mit 6,95 Mrd. EUR (+12,4%), den USA mit 4,75 Mrd. EUR (+31,8%) und der Schweiz mit 4,39 Mrd. EUR (+14,9%) der fünftwichtigste Absatzmarkt für österreichische Produkte.
Österreichs Erfolgsprodukte bei den Frankreichlieferungen sind Maschinen und Anlagen (587,7 Mio. EUR, d.s. 15,7% des Gesamtexports), Kraftfahrzeuge und Zugmaschinen (456,9 Mio. EUR, 12,2%), Eisen und Stahl sowie Waren daraus (339,3 Mio. EUR, 9%), elektrische Maschinen und Apparate (277,9 Mio. EUR, 7,4%), Kunststoffe (269,3 Mio. EUR, 7,1%), Kupfer und Waren daraus (186 Mio. EUR, 4,9%), Lebensmittel (168,3 Mio. EUR, 4,5%). Papier und Pappe (157,6 Mio. EUR, 4,2%) und Pharmazeutika (154,9 Mio. EUR, 4,4%).
Gleichzeitig stiegen die Importe aus Frankreich in den ersten neun Monaten 2011 um 19,6% auf 2,842 Mrd. EUR (2,376 Mrd. EUR in der Vergleichsperiode des Vorjahres). Frankreich ist hinter Deutschland mit 37,1 Mrd. EUR (+13,2%), Italien mit 6,4 Mio. EUR (+14,5%), der Schweiz mit 5,7 Mrd. EUR (+12,8%), China mit 4,6 Mrd. EUR (+19,4%) und Tschechien mit 3,67 Mrd. EUR (+21%) Österreichs sechstwichtigster Lieferant.
Österreich importiert aus Frankreich in erster Linie Kraftfahrzeuge (652,1 Mio. EUR, d.s. 23% der gesamten Importe), Maschinen und Apparate (336,1 Mio. EUR, 11,8%), Lebensmittel (236,8 Mio. EUR, 8,3%), elektrische Maschinen und Apparate (195,4 Mio. EUR, 6,9%), Kunststoffe (154,3 Mio. EUR, 5,4%), Aluminium (152,3 Mio. EUR, 5,4%), Eisen und Stahl sowie Waren daraus (117,9 Mio. EUR, 4,1%) und Pharmazeutika (117,3 Mio. EUR, 4,1%).
Obschon die französischen Lieferungen nach Österreich stärker gestiegen sind als die österreichischen Lieferungen nach Frankreich, hat sich der positive Außenhandelsbilanzsaldo mit Frankreich in Summe um nur 22 Mio. EUR reduziert. Dies ergibt sich aufgrund der Tatsache, dass die österreichischen Lieferungen nach Frankreich von einem höheren Niveau ausgegangen sind als die französischen Lieferungen nach Österreich.
In den neun Monaten 2011 betrug der Handelsbilanzüberschuss damit 900 Mio. EUR (922 Mio. EUR in der Vorjahresperiode).
Österreichische Firmen realisierten Anfang 2011 nur einige kleinere Investi-tionen in Frankreich. Hervorzuheben ist allerdings der überraschende Ausstieg des Verbunds aus seiner fast 50%igen Beteiligung am Energieanbieter Poweo, der an Direkt Energie verkauft wurde. Österreich liegt aber dennoch weiterhin auf Rang 14 unter den ausländischen Investoren in Frankreich. Die Investitionen erfolgten in erster Linie im Industriesektor.
Trotz der angekündigten Einsparungen und Reduktionen von Steuernischen sowie der zur Debatte stehenden Anhebung der Umsatzsteuer, bietet Frankreich weiterhin gute Marktchancen für österreichische Unternehmen. Die Wachstumsmärkte für österreichische Unternehmen sind der Umweltbereich, Recycling, Erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz bei Wohn- und öffentlichen Bauten, Passivenergie- und Holzhäuser, Infrastruktur (Hochgeschwindigkeitsbahnausbau, Fußballstadien für die Euro 2016, neues Transportsystem für den Großraum Paris, Binnenschiffstransport) sowie die Internetbranche. Bei den Life Sciences versprechen Biotechnologie, Medizintechnik und Pharmazeutika gute Marktchancen.
Um die Marktchancen auf diesem stark wachsenden Sektor zu nützen und um österreichische Unternehmen dieser Branchen in Frankreich erfolgreich platzieren zu können, haben die AußenwirtschaftsCenter in Paris und Straß-burg mit der AUSSENWIRTSCHAFT ÖSTERREICH (AWO) im Rahmen der Internationalisierungsoffensive „go international“ spezielle Aktivitäten ent-wickelt und maßgeschneiderte Förderprogramme etabliert. Schwerpunkte setzen die beiden ACs in den Bereichen Neue Technologien, Öko- und Holzbau sowie Urban Technologies (Paris) und Automobilindustrie (Straßburg).
Viele österreichische Firmen haben sich bereits gute Marktpositionen aufgebaut.
Für den Einstieg in das Frankreichgeschäft bietet sich Ostfrankreich mit dem AußenwirtschaftsCenter Straßburg aufgrund der geografischen Nähe bzw. teilweise auch aufgrund der in der Bevölkerung vorhandenen Deutsch-kenntnisse besonders an.
Für weiterführende Informationen zum Markteinstieg, für die Suche nach potenten Vertriebspartnern oder für eine Unterstützung bei Ihren auf dem französischen Markt geplanten Aktivitäten kontaktieren Sie bitte die AußenwirtschaftsCenter Paris und Straßburg.
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