Indien
Österreich ist mit Indien durch enge und freundschaftliche Beziehungen verbunden, die weit in die Geschichte zurückreichen. Eine Vielzahl offizieller Besuche auf Regierungs- und Parlamentsebene in den letzten Jahren unterstreicht die Bedeutung, welche die beiden Länder dem Ausbau ihrer Beziehungen beimessen:
Den jüngsten Höhepunkt der Stärkung des bilateralen Verhältnisses bildete der dreitägige Österreichbesuch der indischen Staatspräsidentin Pratibha Devisingh Patil von 05. bis 07.10.2011. Nach dem bilateralen Gespräch zwischen Bundespräsident Heinz Fischer und Staatspräsidentin Patil in der Hofburg wurden in Anwesenheit der beiden Staatsoberhäupter ein Memorandum of Understanding (MoU) über die technologische Kooperation im Bereich der Eisenbahnen sowie ein MoU zwischen dem "Department of Science and Technology" des indischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie und dem österreichischen Wissenschaftsfonds FWF unterzeichnet. Darüber hinaus eröffnete Patil gemeinsam mit Fischer das österreichisch-indische Wirtschaftsforum, bei dem sich beide Staatschefs für eine weitere Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen aussprachen. Fischer betonte das große Potenzial für die weitere Stärkung der Zusammenarbeit zwischen österreichischen und indischen Unternehmen in Bereichen wie Infrastruktur, Automobilindustrie, Gesundheit, Elektronik, Umwelttechnologie und Erneuerbare Energie. Patil traf darüber hinaus mit Bundeskanzler Werner Faymann sowie mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zusammen und reiste abschließend weiter nach Salzburg, wo sie von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller empfangen wurde.
Patil und Prammer hatten einander bereits im Februar 2011 getroffen, als die Nationalratspräsidentin mit einer ParlamentarierInnendelegation Indien besuchte (06. bis 11.02.2011). Prammer erwiderte somit die Visite ihrer indischen Amtskollegin, Parlamentspräsidentin Meira Kumar, die im Herbst 2009 Österreich besucht hatte. Die Hauptstationen der Besuchsreise waren die Hauptstadt New Delhi, die boomende IT-Metropole Hyderabad sowie das südindische Wirtschaftszentrum Chennai. Prammer wurde von der indischen Staatspräsidentin Pratibha Patil, von ihrer Amtskollegin Meira Kumar, sowie von zahlreichen weiteren politischen Würdenträgern der Staatsspitze Indiens empfangen. Den thematischen Schwerpunkt der Besuchstour bildete die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen. Die Förderung des Wirtschaftsstandorts Österreich sowie die Erschließung des riesigen indischen Marktes durch österreichische Unternehmen standen dabei im Vordergrund. Ebenso auf der Tagesordnung standen Frauenfragen, der verstärkte bilaterale Austausch im Bildungs- und Wissenschaftsbereich und die zunehmend wichtiger werdende Rolle der parlamentarischen Diplomatie. Ein wichtiges Anliegen Prammers war es auch, Gespräche mit Frauenrechtsorganisationen und anderen VertreterInnen der indischen Zivilgesellschaft sowie mit Studierenden zu führen.
Die Stärkung der wirtschaftlichen Kooperation war bereits mit dem viertägigen Indienbesuch (17.-20. Februar 2010) von Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll und Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner auf Schiene gebracht worden: Begleitet von einer rund 50-köpfigen Delegation führender österreichischer Unternehmen und hochrangiger Vertreter der Wirtschaftskammer Österreich konnten die Minister durch zahlreiche Treffen mit indischen Entscheidungsträgern auf höchster politischer und wirtschaftlicher Ebene die Grundlage für eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern schaffen. Besondere Aufmerksamkeit wurde hierbei der boomenden indischen Filmindustrie gewidmet: Um Österreich als Filmproduktionsort für Produzenten und Regisseure aus Bollywood in Zukunft noch interessanter zu machen – bisher wurden bereits mehr als 70 Bollywoodfilme in Österreich gedreht – präsentierten Pröll und Mitterlehner gemeinsam mit Oskar-Preisträger Stefan Ruzowitzky und in Anwesenheit von Veit Heiduschka (Produzent von „Das weiße Band“) sowie Stars aus der indischen Filmszene das neue österreichische Filmfinanzierungsmodell.
Der letzte österreichische Staatsbesuch in Indien fand 2005 statt. Bundespräsident Heinz Fischer reiste mit einer großen Wirtschaftsdelegation zum ersten österreichischen Staatsbesuch nach Indien. Diesem Besuch war 1999 mit der Österreichreise Präsident K.R. Naranyanans der erste Staatsbesuch eines indischen Präsidenten in Österreich vorausgegangen.
Österreich ist in Indien durch die Österreichische Botschaft und die Außenhandelsstelle in New Delhi, durch das Honorargeneralkonsulat Mumbai, sowie durch die Honorarkonsulate Kolkata, Chennai und Goa vertreten.
In Österreich ist Indien durch seine Botschaft in Wien vertreten.
Kurzer geschichtlicher Überblick
Im 18. und 19. Jahrhundert waren es vor allem österreichische Wissenschaftler, die eine bedeutende Rolle in Indien gespielt hatten. Jesuitenpater Josef Tieffenthaler, z.B. wurde bekannt als "Vater der modernen Indischen Geographie". Neben seiner Tätigkeit als Kartograph (ihm ist die erste exakte kartographische Erfassung des mittleren Ganges samt Nebenflüssen zu verdanken) war er ein international anerkannter Sanskrit-Gelehrter und unterrichtete am Jesuitenkolleg in Agra (1740-1770).
Die frühen freundschaftlichen Kontakte zwischen den jungen Staaten Indien und Österreich gipfelten im Interventionsversuch Indiens zugunsten Österreichs bei den Staatsvertragsverhandlungen mit der Sowjetunion im Juni 1953. Zudem konnte Österreich auf die Unterstützung Indiens bei den UN-Südtirol-Konventionen zählen. Die persönliche Freundschaft Bruno Kreiskys mit Indira Gandhi, und deren gemeinsames Interesse an der Blockfreienbewegung waren verbindende Elemente. Konzepte der "mixed economy" in Indien und der Verstaatlichen Industrie in Österreich resultierten in einigen Großkooperationen bzw. Technologietransfers (z.B. Linz-Donawitz-Verfahren).
