Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Russland
Handel
Der österreichisch-russische Handel entwickelt sich seit dem Jahr 2000 äußerst dynamisch: Die österreichischen Exporte nach Russland stiegen zwischen 2000 und 2008 von 654 Mio. auf 2,97 Mrd. € (!), die österreichischen Importe aus Russland von 1,2 Mrd. auf 2,5 Mrd. €. 2009 gab es krisenbedingt einen deutlichen Rückgang im bilateralen Warenverkehr: 2010 erholte sich der bilat. Handel wieder: die Exporte nach Russland stiegen gegenüber dem Vorjahr um 21,6% auf 2,55 Mrd. €, die Importe um 35,7% auf 2,31 Mrd. €. Im 1. Halbjahr 2011 beliefen sich die österreichischen Exporte nach Russland auf 1,474 Mrd. € (+38,4%), die Importe auf 1,698 Mrd. € (+39,5%).
Nach wie vor bestehen die österreichischen Importe aus Russland zu rund 85 % aus Energieträgern (Öl, Erdgas), gefolgt von Metallen mit ca. 10%. Die Struktur der österreichischen Exporte nach Russland hat sich einigermaßen verändert. Der größte Teil der Exporte ist zwar noch immer dem Sektor Maschinenbauerzeugnisse, Anlagen und Kraftfahrzeuge zuzurechnen. Jedoch ist der Anteil dieser Produktgruppe an den Gesamtexporten in den vergangenen Jahren auf etwa 35% gesunken. Deutlich gestiegen ist der Anteil der pharmazeutischen Erzeugnisse.
Investitionen
Österreichische Unternehmen haben bisher ca. € 5,8 Mrd. in Russland investiert. Nach der Übernahme einer Papierfabrik in Syktyvkar durch die Neusiedlergruppe (nunmehr Mondi Business Paper) im Jahr 2002 hat das Spanplatten- und Laminatbodenwerk der Fa. Kronospan (Peter Kaindl) im Jahr 2004 in Jegorjewsk/ Gebiet Moskau die Produktion aufgenommen. Das Kronospanwerk und die Papierfabrik in Syktyvkar werden derzeit ausgebaut. Die Fa. Egger produziert seit 2006 Holzplatten in Schuja/ Gebiet Iwanowo. Die Fa. Wienerberger betreibt ein Ziegelwerk im Gebiet Wladimir und prüft Standorte für zwei weitere Werke in Russland. Das Unternehmen Mayer & Co betreibt seit dem Frühjahr 2009 in Kaluga ein Werk zur Herstellung von Fensterbeschlägen. In Ufa wurde ein Fliesenwerk der Fa. Lasselsberger in Betrieb genommen. Raiffeisen zählt zu den größten Banken in Russland (Ende 2010: neunt größte von rund 1200 russischen Banken).
Russland - Österreichs wichtigster Gaslieferant
Ungeachtet der Bestrebungen der EU, ihre Energieimporte im Interesse der Versorgungssicherheit zu diversifizieren, bleibt Russland für Europa und insbesondere auch für Österreich weiterhin der wichtigste Energielieferant. Zwischen Europa und Russland besteht auf dem Energiesektor eine Interdependenz. Österreich, das seit 1968 den Großteil seines Gasbedarfs durch Importe aus Russland deckt (derzeit über 60%), hat keinen Grund, an der Zuverlässigkeit des Energiepartners Russland zu zweifeln. Die OMV hat ihren Vertrag mit Gazprom bis 2027 verlängert.
Österreichische Managementkurse für russische Unternehmer
Seit 1990 bietet Österreich russischen Unternehmern Ausbildungskurse an. Bisher haben rund 6.000 russische Manager an Schulungen des Wirtschaftsförderungsinstitutes der Wirtschaftskammer Österreich teilgenommen. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung gibt es vergleichbare Ausbildungsprogramme für russische Beamte.
Gemischte Kommission für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit
Bilaterale Handels- und Wirtschaftsfragen werden im Rahmen der Österreich-Russischen Gemischten Kommission für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit erörtert, die abwechselnd in Österreich und der Russischen Föderation tagt. Arbeitsgruppen der Kommission befassen sich u.a. mit der Zusammenarbeit in den Bereichen Industrie und Forschung, Umwelttechnologie und Energie, Soziales, Land- und Forstwirtschaft und Tourismus sowie mit der Zusammenarbeit von Regionen beider Länder. Eingesetzt wurde die Gemische Kommission aufgrund des 1993 abgeschlossenen und 1995 in Kraft getretenen Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Russischen Föderation über den Handel und die wirtschaftliche Zusammenarbeit (BGBl. Nr. 567/1995). Die Gemischte Kommission für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit trat zuletzt am 31. März 2011 in Wien zusammen. Sie steht unter dem Vorsitz des österreichischen Wirtschaftsministers Mitterlehner und des russischen Ministers für Bildung und Wissenschaft Andrej Fursenko.
Hinzugekommen ist ein österreichisch-russischer Geschäftsrat, in dem Unternehmensführer beider Länder über Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten beraten. Dieses neue Gremium ist erstmals am 10. März 2008 in Wien unter dem Vorsitz von Prof. Helmut List und dem ehemaligen Präsidenten von AVTOVAZ Wladimir Artjakow zusammengetreten. Die jüngste Tagung fand im Rahmen des offiziellen Besuches von Bundespräsident Heinz Fischer im Mai 2011 in Moskau statt.
Tourismus
Österreich ist bei russischen Bürgern ein beliebtes Tourismusziel. 2009 wurden 230.000 Ankünfte und ca. 970.000 Nächtigungen russischer Touristen in Österreich verzeichnet. 2010 besuchten über 300.000 Gäste aus Russland Österreich. Dies stellt gegenüber 2009 eine Steigerung um 30% dar.
Die EU ist Russlands wichtigster Handelspartner
Zwischen der EU und Russland besteht eine wirtschaftliche Interdependenz, die eine gute Grundlage für eine umfassende Partnerschaft bildet: 60% aller russischen Exporte gehen in die EU 27; der Großteil dieser Exporte besteht aus Öl und Gas. 80% der in Russland von ausländischen Unternehmen getätigten Investitionen kommen aus der EU.
Zwischen der EU und Russland besteht eine strategische Partnerschaft, die in der Verwirklichung von 4 Gemeinsamen Räumen (Wirtschaft, innere Sicherheit, äußere Sicherheit sowie Forschung, Bildung und Kultur) ausgestaltet werden soll. Parallel wird über ein neues EU-RF Rahmenabkommen verhandelt. Durch die auf dem EU-RF Gipfel in Rostow am Don am 31. Mai/1. Juni 2010 angenommene Modernisierungspartnerschaft erhielten die Beziehungen einen zusätzlichen Impuls.
Wichtig für Fortschritte in den gegenseitigen Beziehungen sind auch die halbjährlich stattfindenden EU-Russland Gipfel (zuletzt am 10. Juni 2011 in Nischnij Nowgorod sowie am 14. und 15. Dezember 2011 in Brüssel). Wichtige Themen waren Russlands WTO-Beitritt, Visaliberalisierung und Handelsfragen. Auf dem Gipfel in Brüssel wurde das Dokument „Gemeinsame Schritte zu visafreien Kurzreisen der Bürger Russlands und der EU“ angenommen. Russland ist inhaltlich vor allem an Visafreiheit, Energiepartnerschaft und europäischer Sicherheit interessiert.
Ende 2011 konnte der 18 Jahre dauernde Verhandlungsprozess über den russischen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Nachdem unter Vermittlung der Schweiz eine Eini-gung mit Georgien, das gedroht hatte, den russischen WTO-Beitritt wegen Streitigkeiten über die abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien zu blockieren, erzielt werden konnte, gaben die WTO-Mitglieder am 10. November 2011 grünes Licht zur Aufnahme Russlands. Der formelle Beschluss zum Beitritt erfolgte anlässlich der Ministerkonferenz der WTO am 15. Dezember 2011 in Genf. Nach der Ratifizierung durch die russ. Duma soll Russland in der ersten Jahreshälfte 2012 WTO-Mitglied werden.
Weitere Informationen über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Russland finden Sie auf der Homepage der Delegation der Europäischen Union in Moskau.
Kontakte und Links
Nähere Auskünfte über die österreichisch-russischen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen erhalten Sie in der
Handelsabteilung/Außenwirtschaftscenter Moskau
Starokonjuschennij per. 1, 119 034 Moskau
Email: moskau(at)wko.at
Tel. +7 495 725 63 66
Fax : +7 495 230 26 87
Relevante Informationen können auch der Website der Wirtschaftskammer Österreich entnommen werden.
(Stand: Jänner 2012)
