Die Beziehung Österreichs zu Mexiko
Erste Berührungspunkte

- Der umgekehrte Blick: Österreich - MexikoFoto: Fridolin Schönwiese
Trotz der geographischen Distanz nimmt Mexiko in der Geschichte Österreichs in mancher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Es war für Österreich nie nur irgendein fernes Land auf einem fremden Kontinent. Dazu waren Ereignisse und Erfahrungen, die beide Länder betrafen, zu prägend und zu weit reichend.
Erst 1842, mehr als zwei Jahrzehnte nach Mexikos Unabhängigkeit, kam es zur Anerkennung der neuen Republik durch Österreich, als beide Länder einen freundschafts-, Schifahrts- und Handelsvertrag abschlossen. 1850 wurde in Mexiko die erste diplomatische Mission Österreichs eröffnet.
Die Thronbesteigung Maximilians, des Bruders des österreichischen Kaisers im Jahre 1864 wurde von Österreich nicht unterstützt, das sich auch nicht an der ausländischen Invasion Mexikos beteiligte. Lediglich einige tausend Freiwillige aus allen teilen Österreichs begleiteten Maximilian nach Mexiko. Nicht wenige blieben nach 1867 dort und integrierten sich in die mexikanische Gesellschaft. Das "Mexiko-Abenteuer" und der Kampf Mexikos um seine Republik haben damals in Österreich ein großes Interesse an diesem fernen Land ausgelöst und bleibende Spuren hinterlassen. Mexiko bleib seither in viel höherem Ausmaß im Bewusstsein der Österreicher verankert als dies bei vergleichbaren anderen Staaten der Fall ist. Im Jahr 1867, nach dem tragischen Ende Maximilians in Querétaro, wurden die diplomatischen Beziehungen, die bis dahin mit der Regierung Maximilians bestanden hatten, abgebrochen.
Eine wechselvolle Beziehung in der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschloss sich die mexikanische Regierung, in Querétaro eine Gedächtniskapelle für Maximilian zu errichten, für die Kaiser Franz Josef das Altarbild stiftete. Knapp danach wurde die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart, beide Staaten eröffneten Gesandtschaften und schlossen einen provisorischen Handelsvertrag ab.
Die folgenden Jahrzehnte verliefen für beide Länder in jeder Hinsicht turbulent und schicksalhaft. Mexiko erlebte nach Jahren heftiger innerer Auseinandersetzungen seine große, viele Opfer fordernde Revolution. Österreich verlor den 1. Weltkrieg und erfuhr den Zusammenbruch der Donaumonarchie. Der verarmten Republik Österreich standen nach 1918 für die Pflege der diplomatischen Beziehungen nach Übersee kaum Ressourcen zur Verfügung. Österreich schloss daher 1919 seine Gesandtschaft in Mexiko und nahm seine Interessen von Washington aus wahr. Auch Mexiko, das in Wien bis 1922 eine Gesandtschaft unterhalten hatte, nahm die Beziehungen zu Österreich ab diesem Zeitpunkt von Berlin und später von Paris aus wahr.
Als Nazi-Deutschland im März 1938 das von Selbstzweifeln geschwächte und von den Großmächten im Stich gelassene Österreich annektierte, legte Mexiko als einziges Land beim Völkerbund einen offiziellen Protest ein. In Mexiko erinnert ein Gedenkstein an diese politisch wichtige Geste und bringt die Dankbarkeit Österreichs für diesen Protest zum Ausdruck. Nach dem Anschluss nahm Mexiko an die 1.500 verfolgte Österreicher auf.
Ein neuer Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg
Die wiedererstandene Republik Österreich eröffnete 1949 in Mexiko eine Gesandtschaft. Schrittweise kamen 1953 eine Außenhandelsstelle sowie Honorarkonsulate in Acapulco, Cancún, Guadalajara, Mérida, Monterrey und Tijuana hinzu. Mexiko errichtete in Wien im Jahr 1950 wieder eine diplomatische Vertretungsbehörde und unterhält in Tirol ein Honorarkonsulat.
1974 besuchte Luis Echeverría Alvarez als erster mexikanischer Präsident Österreich. Anlässlich dieses Staatsbesuches wurde eine gemischte Kommission eingerichtet. Im selben Jahr wurde ein Kulturabkommen unterzeichnet, das bis heute die Grundlage für zahlreiche Veranstaltungen sowie für den akademischen Austausch zwischen Österreich und Mexiko bildet. Präsident José Lopez Portillo und der damalige österreichische Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky ergriffen im Jahr 1981 gemeinsam eine Initiative, um dem Nord-Süd-Dialog einen neuen Impuls zu geben. Im Oktober 1981 fand in Cancún auf Einladung beider Staatsmänner das "Internationale Treffen über Zusammenarbeit und Entwicklung" statt, an dem die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten industrie- und Entwicklungsländer teilnahmen.
Nahezu zeitgleiche Integrationsschritte beider Staaten: NAFTA und EU
In den Neunzigerjahren kam es zu tief greifenden Änderungen der außen- und wirtschaftspolitischen Parameter beider Länder: Mexiko ist Mitglied der am 1.1. 1994 in Kraft getretenen Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA). Österreich wurde mit 1.1.1995 zu einem Mitglied der Europäischen Union. beide Länder haben mit diesen Schritten eine weitgehende Öffnung vorgenommen und sind teilnehmer der weltweit größten, prosperierenden Wirtschaftszusammenschlüsse, die freilich einen sehr unterschiedlichen Integrationsgrad aufweisen. Der wirtschaftliche Stellenwert Mexikos für Österreich ist durch die NAFTA erheblich gestiegen, bietet Mexiko doch einen sehr attraktiven zutritt zum gesamten nordamerikanischen Markt. Umgekehrt gewann aber auch Österreich für Mexiko durch seine EU-Mitgliedschaft und wegen seiner geografischen Verknüpfung mit den expandierenden Märkten in Mittel- und Osteuropa ein zusätzliches Interesse.
1999 wurde nach dreijährigen Verhandlungen das sog. Globalabkommen zwischen den EU und Mexiko unterzeichnet. Dieses umfassende Vertragswerk sieht die schrittweise Errichtung einer Freihandelszone bis 2007 vor, erstreckt sich auch auf Bereiche wie Dienstleistungen, urheberrechte und Entwicklungszusammenarbeit und institutionalisiert einen politischen Dialog. Es handelt sich um das erste Abkommen dieser Art, das die EU mit einem lateinamerikanischen Land abgeschlossen hat. Es findet seit 1. Mai 2004 auch auf die neuen EU-Mitglieder Anwendung.
Mexiko als wichtiger Handelspartner Österreichs in Lateinamerika
Dieser durch das Globalabkommen geschaffene multilaterale Rahmen wird durch bilaterale Abkommen ergänzt, die den Unternehmen beider Länder optimale Voraussetzungen schaffen sollen. 2001 trat ein Investitionsschutzabkommen in Kraft, im April 2004 wurde ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet. heute ist Österreich in Mexiko mit nahezu 60 Firmen präsent, etwa die Hälfte von diesen betreibt in Mexiko eine eigene Produktion. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern steigt seit mehreren Jahren signifikant an, im laufenden Jahr nahmen die österreichischen Exporte nach Mexiko erstmals den ersten Rang in Lateinamerika ein. Dennoch ist das vorhandene Potential im Bereich des Handels (z.B. im Bereich der Konsumgüter) und der Investitionen in beide Richtungen noch bei weitem nicht ausgeschöpft.
Die biregionale Zusammenarbeit zwischen der EU und Lateinamerika und der Karibik
1999 wurde ein erstes Gipfeltreffen zwischen Lateinamerika und der Karibik auf der einen Seite und der EU auf der anderen Seite in Rio de Janeiro abgehalten. Weitere Treffen der Staats- und Regierungschefs fanden im Mai 2002 in Madrid und im Mai 2004 in Guadalajara statt. Österreich hat dazu eingeladen, das IV Gipfeltreffen im Mai 2006 während des nächsten österreichischen EU-Vorsitzes in Wien durchzuführen. Die sich stets verdichtende Zusammenarbeit der beiden Regionen wir daher in den nächsten Jahren unter dem Motto "Von Guadalajara nach Wien" stehen - gilt es doch, die in Guadalajara gefassten Beschlüsse bis zum nächsten Gipfeltreffen mit Leben zu erfüllen und umzusetzen.
Am Rande des Treffens von Guadalajara fanden bilaterale Begegnungen zwischen Bundeskanzler Dr. Schüssel und Staatspräsident Fox sowie zwischen den beiden Außenministern statt, bei denen neben bilateralen Themen die Fortführung des EU-LAC-Prozesses im Mittelpunkt stand. Bundespräsident Heinz Fischer reiste am 29. Mai 2005 zu einem viertägigen Staatsbesuch nach Mexiko. Dieser erste offizielle Mexiko-Besuch eines österreichischen Bundespräsidenten diente im Wesentlichen der Vorbereitung des geplanten EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfels während der österreichischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006. Das IV. EU- LAC-Gipfeltreffen wird zweifellos dem österreichischen Engagement für Lateinamerika und die Karibik einen starken, neuen Impuls geben.
Gemeinsame Werte
Mexiko und Österreich verstehen sich seit langem als befreundete Partner, die gemeinsame Grundwerte teilen und in vielen politischen Fragen eine ähnliche oder sogar gleiche Sichtweise haben. hier ist an unser gemeinsames Engagement für die Menschenrechte, aber auch an den Ausbau des Systems der Vereinten Nationen und die Stärkung des multilateralen Welthandelsregimes zu denken.
