Kultur und Wissenschaft
KULTUR
Das kulturelle Leben Indonesiens hat seine Schwerpunkte in Jakarta, Yogyakarta, Surabaya und Bandung (Malerei, Musik) sowie auf Bali (Ubud). Schriftsteller wie der 2006 verstorbene Pramudya Ananta Toer haben Weltgeltung.
Aufgrund der sprachlichen Zugänglichkeit und wirtschaftlich-politischen Relevanz für Indonesien verschieben sich die kulturell-wissenschaftlichen Hauptbezugspunkte immer mehr in Richtung der Asien-Pazifikzone. Kulturell anspruchsvolle Sendungen auf den zahlreichen Fernseh- und Radiokanälen sind absolute Mangelware. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmonie, ausgestrahlt auf Metro TV, ragt – trotz der Werbeeinschaltungen – wie ein Leuchtturm heraus. Im TV-Filmprogramm herrschen heimische „soap opera“ Produktionen („cinetron“) vor, aber auch solche aus China, Korea, Indien und Brasilien.
Im Bereich europäischer klassischer Musik zeigt das Nusantara Symphony Orchestra in den letzten Jahren gute Leistungen. Im Choralmusikbereich erreichten die Batavia Madrigal Singers unter der Leitung des ebenfalls in Österreich ausgebildeten Dirigenten und Pianisten Avip Priatna internationale Anerkennung. Eine große Zahl von indonesischen Chören nahm an dem 5. Internationalen Chortreffen im Juli 2008 in Graz teil und erhielte dort auch einige Preise. Das Musikland Österreich ist in allen Winkeln Indonesiens bekannt.
Jazz erfreut sich in Indonesien größter Beliebtheit und Verbreitung als aktives Hobby. Das internationale „JavaJazz“ Festival Jakarta findet seit 2005 jährlich im März in Jakarta statt und ist eines der größten seiner Art weltweit. Österreichische Musiker nehmen regelmäßig an diesem Festival teil.
Ein wichtiges Forum für zeitgenössische Kunst ist die Komunitas/Teater Utan Kayu (TUK) in Jakarta, gegründet vom Goenawan Mohamad, Schriftsteller, Redakteur, Aktivist und Dichter. 1971 gründete er die indon. Wochenzeitschrift „TEMPO“, die unter Soehartos Regime wegen ihrer regierungskritischen Haltung zeitweise verboten wurde. 2008 wurde von der Komunitas Utan Kayu ein neues Kulturzentrum in Südjakarta mit dem Namen „Salihara“ eröffnet, ein wichtiger Referenzpunkt insbesondere für kontemporäre darstellende Kunst.
Ein offizieller Besuch des Leiters der kulturpolitischen Sektion des BMeiA, Botschafter Emil Brix, in Indonesien und Singapur im April 2009 ermöglichte die Auslotung und Verbreitung der jeweiligen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen.
Schwerpunkte der Auslandskulturarbeit der ÖB Jakarta sind vor allem die Bereiche Musik und neue Medien/Film. Österreich hat als Musikland einen ausgezeichneten, fast einzigartigen Ruf in der Region, und die Botschaft versucht diesen auch in Kooperation mit kommerziellen Projekten (wie den sehr erfolgreichen beiden Auftritten des „Symphonia Vienna“ Orchesters mit Neujahrkonzerten im Jänner 2009 in Jakarta) zu nutzen. Im Oktober 2009 fand auch der erste „Kempinski Vienna Ball“ in Jakarta erfolgreich statt, unter der Schirmherrschaft der Botschaft, der Stadt Wien und des österr. Tourismusverbandes.
Filme sind in Indonesien ein beliebtes Medium, und es konnten in Kooperation mit andern EU-Botschaften bzw. dem hiesigen Goethe-Institut kostengünstig Aufführungen von österr. Filmen bzw. Koproduktionen (wie die Oscar-preisgekrönten „Die Fälscher“ und „Revanche“) organisiert werden.
WISSENSCHAFT
Am 29. November 2006 unterzeichneten die damalige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und der indonesische Forschungsminister Kusmayanto Kadiman in Wien ein Memorandum of Understanding über Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, welches u.a. Direktkontakte zwischen Universitäten ermutigt. Minister Kusmayanto erhielt im Mai 2009 von Bundesminister Hahn das Goldene Ehrenzeichen am Bande in einer feierlichen Zeremonie in Wien.
Von besonderem Interesse für Indonesien ist die Zusammenarbeit im universitären-wissenschaftlichen Bereich. Zurückgehend auf die Initiative von Prof. Rode von der Universität Innsbruck besteht seit den neunziger Jahren eine rege Kooperation zwischen indonesischen und österreichischen Universitäten,insbesondere durch das ASEA-Uninet Netzwerk (seit 1994). Das ASEA-Uninet ist ein von Österreich aus begründetes, nunmehr europäisches Universitätsnetzwerk, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Forschungskooperationen mit und in Ländern Südostasiens zu initiieren und zu fördern. 1997 wurde mit österr. Mitteln an der Gadjah Mada Universität in Yogyakarta ein Studienzentrum für Computerchemie eingerichtet.
2009 wurden insgesamt (18) Indonesier gefördert, 13 Studierende waren im Rahmen eines Doktorats und 5 Post-Docs zur Forschung in Österreich.
Jedes Jahr kommen im Rahmen von ASEA-Uninet einige österr. Universitätsprofessoren nach Jakarta und Yogyakarta um Kandidaten für Stipendien zu interviewen. Fallweise unterrichten österreichische Universitätsprofessoren für einige Wochen im Jahr an der Gadja Mahda Universität in Yogyakarta. Der ehemalige ASEAN-Uninet Koordinator Kusmayanto Kadiman war bis Oktober 2010 Forschungsminister. Seit 2009 werden in Kooperation mit der Gadjah Mada und anderen Institutionen in Yogyakarta Sommeruniversitäten für Studenten der WU und der TU Wien abgehalten.
Seit 2008 läuft in enger Zusammenarbeit mit dem indonesischen Außenministerium eine Kooperation im Bereich des interkulturellen Dialogs (Diplomatenaustausch, Seminare). Im Mai 2009 fand ein österreichisch-indonesisches Dialogsymposium zum Thema „Staat, Recht und Religion in pluralistischen Gesellschaften“ an der Universität Wien mit großem Erfolg statt.
Die Botschaft gab 2009 eine zweisprachige (englisch-indonesische) Broschüre „Austria-Indonesia“ heraus, die anlässlich des Nationalfeiertagsempfangs am präsentiert wurde.
