Bilaterale Beziehungen Österreich-Bayern
Auf Grund der eng verflochtenen, weit in die Geschichte zurückreichenden Beziehungen und die lange gemeinsame Grenze (zirka 800 km) sowie der Vergleichbarkeit in Größenordnung und Wirtschaftsstruktur betrachten sich Österreich und Bayern als privilegierte Partner mit weitgehend gleichen Interessen und engen Wirtschafts- und Kapitalverflechtungen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bestehen seit mehr als 260 Jahren, als anlässlich der Krönung von Franz Stephan von Lothringen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erstmals am Hofe der Wittelsbacher Herzöge in München eine k.k. Gesandtschaft eingerichtet wurde. Die dynastischen Verbindungen zwischen Habsburgern und Wittelsbachern sind deutlich älter und gehen auf das Jahr 1685 zurück, als Kurfürst Max Emanuel die Kaisertochter Maria Antonia heiratete. 1843 vermählte sich Seine Kaiserliche Hoheit Erzherzog Albrecht mit Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Hildegarde und 1854 fand die wohl bekannteste Verbindung zwischen dem österreichischen Kaiserhaus und den Wittelsbachern statt, nämlich zwischen Kaiser Franz Joseph und Prinzessin Elisabeth, genannt "Sisi".
Abgesehen von kurzen negativen Kapiteln in der Beziehung zwischen Österreich und Bayern - einerseits der Spanische Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf österreichische Truppen nach Bayern eindrangen sowie andererseits die Besetzung Tirols 1806 bis 1814 - waren die Beziehungen zwischen den beiden Ländern durch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, verstärkt durch gemeinsame Wurzeln, Mentalität, Sprache, Glaube und Brauchtum, geprägt.
Dies resultiert in einer engen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf Länderebene, sowohl bilateral als auch multilateral in 4 Arbeitsgemeinschaften:
- ARGE ALP (1972),
- ARGE ALPEN-ADRIA (1978),
- Internationale Bodenseekonferenz (1978)
- ARGE DONAULÄNDER (1990 bis 2005)
- ARGE ALPENRAUM des Ausschusses der Regionen
Eine weitere Zusammenarbeit erfolgt auch im Rahmen der von Baden-Württemberg im Februar 2001 initiierten "Kleinen Donaugipfel" (bisherige Treffen: Ulm, Melk, Budapest, Passau, Stuttgart) sowie der "Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest".
Sowohl für Bayern als auch für Österreich und die österreichischen Bundesländer hat die direkte Zusammenarbeit mit grenznahen Regionen bei der Bewältigung gemeinsamer Aufgaben sowie im europäischen Entscheidungsprozess große Bedeutung. 1969 gingen aus lockeren Begegnungen auf Regierung- und Verwaltungsebene zwischen Bayern und Tirol die institutionalisierten "Bayerisch-Tirolischen Gesprächsgruppen" hervor, denen bald analoge Einrichtungen mit Salzburg (1971), Vorarlberg (1972) und Oberösterreich (1973) folgten, die in regelmäßigen Tagungen die Lösung gemeinsamer Probleme versuchen und die Zusammenarbeit in allen Bereichen vertiefen. Nach Gründung der ARGE Alp, der ARGE Alpen-Adria, der Internationalen Bodenseekonferenz sowie der ARGE Donauländer war es nur mehr ein konsequenter Schritt bis zur Zusammenarbeit in den verschiedenen EUREGIOS und vor allem einer engen Kooperation im Ausschuss der Regionen.
Einschließlich der Doppelbürger leben in Bayern rund 100.000 Österreicher, ohne diese 82.063 (Stand März 2006, Zentrales Ausländerregister Köln), davon rund 25.000 in der Hauptstadt München.
