Bilaterale Beziehungen - Geschichte
Zeittafel zu den bilateralen Beziehungen
1817
Die Habsburger-Erzherzogin Leopoldina heiratet den portugiesischen Kronprinzen Pedro, zunächst am 13. Mai in Wien und nach Leopoldinas Eintreffen in Brasilien am 5. November 1817 in Rio de Janeiro.
1817-21
Erste österreichische Brasilienexpedition, an der u.a. Johann Natterer, Thomas Ender und Johann Christian Mikan teilnehmen. Ender malt ca. 800 Bilder über Landschaft, Leben und Leute des damaligen Brasilien, die er nach Österreich mitnimmt. Der Naturwissenschaftler Natterer bleibt insgesamt 18 Jahre lang, wobei er auf mehreren Expeditionen eine umfangreiche naturwissenschaftliche und völkerkundliche Sammlung anlegt. Natterer sendet im Laufe der Jahre tausende Gegenstände und Präparate aus ganz Brasilien nach Wien, darunter viele unentdeckte Spezies.
1821
Rückkehr des portugiesischen Hofes nach Lissabon, Dom Pedro bleibt mit seiner Frau Leopoldina in Brasilien. Eröffnung des Brasilianischen Museums (Brasilianum) im Haus Harrach in Wiener Johannesgasse. Im Gebäude standen sieben Räume für die Zoologie, drei für die Botanik, zwei für die Mineralogie und ein großer Raum für die ethnographischen Objekte zur Verfügung. Bereichert wurde die Sammlung durch die Zeichnungen und Aquarelle von Thomas Ender. Das Brasilianum wurde zu einer Hauptattraktion in Wien, bestand aber nur bis 1836. Ein Teil dieser Sammlung verbrannte während der Revolution 1848, andere Exponate finden sich heute in mehreren Wiener Museen.
1822
Am 7. September stößt Dom Pedro den berühmten „Ruf von Ipiranga“ aus, mit dem Brasilien seine Unabhängigkeit von Portugal erklärt. Am 1. Dezember wird Pedro zum brasilianischen Kaiser gekrönt, Leopoldina wird erste Kaiserin der unabhängigen, konstitutionellen Monarchie.
1825
Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen Österreich und Brasilien. Am 18. Dezember überreichte der erste außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister des Kaiserreichs Brasilien in Wien sein Beglaubigungsschreiben.
1826
Ein interimistischer Vertrag über den gegenseitigen Handel und die Schifffahrt wird am 30. Juni unterzeichnet. Das Potential des Handels mit Brasilien wurde aber wenig genutzt. Am 11. Dezember stirbt Kaiserin Leopoldina in Rio de Janeiro.
1859
Auswanderer aus dem Tiroler Stubai- und oberen Inntal gründen im heutigen Bundesstaat Espirito Santo die Siedlung Colonia Tirol.
1860
In Begleitung mehrerer Naturwissenschafter besucht Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser Maximilian von Mexiko, Brasilien, wo er Kaiser Pedro II. besucht und sich einige Monate zur Sammlung von Pflanzen aufhält. Seine „Reiseskizzen“ erscheinen 1861 in Wien.
1888
Prinzessin Isabel, eine Enkelin Kaiserin Leopoldinas, unterschreibt als Regentin während einer gesundheitsbedingten Abwesenheit ihres Vaters Pedro II. das Goldene Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei.
1925
Auch auf Grund der verstärkten Auswanderung nach Übersee in der Zeit nach dem Zusammenbruch der K.u.K. Monarchie eröffnet die Erste Republik eine Gesandtschaft in Rio de Janeiro.
1933
Der frühere Landwirtschaftsminister Andreas Thaler gründet mit finanzieller Unterstützung der österreichischen Regierung im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina die Siedlung Dreizehnlinden (Treze Tilias), wo er sich mit anderen Tiroler Familien auch selbst ansiedelt.
1941
Auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus kommt der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig nach Brasilien, wo er sich in Petrópolis ansiedelt und seine berühmtes Buch „Brasilien: Ein Land der Zukunft“ schreibt.
1943-45
Mit Genehmigung des brasilianischen Außenministeriums arbeitet ein „Komitee zum Schutz der österreichischen Interessen in Brasilien“ unter dem ehemaligen Diplomaten Anton Retschek in Rio de Janeiro und anderen Städten für die Wiedererrichtung eines freien Österreichs.
1952
Im Juli-August besucht der Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten Karl Gruber Brasilien. Im Dezember bringt Brasilien in der UN-GV einen Resolutionsentwurf zur Wiederherstellung der vollen Souveränität der Republik Österreich ein, der mit 48 Stimmen angenommen wird. Diese Initiative blieb zwar ohne direkten Erfolg, trug aber dazu bei, dass das Thema des österreichischen Staatsvertrages in einer schwierigen Zeit Gegenstand der internationalen Agenda blieb.
1959
Der österreichische Maler und Architekt Friedensreich Hundertwasser erhält den Sanbra-Preis bei der Biennale in Sao Paolo.
1960
Der österreichische Vizekanzler Bruno Pittermann besucht in seiner Eigenschaft als Minister für die verstaatlichte Industrie Brasilien.
1980
Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten Willibald Pahr weilt auf offiziellem Besuch in Brasilien.
1982
Offizieller Besuch des brasilianischen Außenministers Saraiva Guerreiro in Österreich. Das bisher letzte Spiel der beiden Fußballnationalmannschaften findet im Ernst-Hanappi-Stadium in Wien statt. Ergebnis 2:0 für Brasilien.
1984
Der damalige Präsident der brasilianischen Metallarbeitergewerkschaft Luiz Inácio Lula da Silva erhält in Wien den Bruno-Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte. Antonio Carlos Jobim spielt im Wiener Konzerthaus mit dem ORF-Symphonieorchester. Später ist er auch in der Broadway Bar in Wien mit dem Kabarettisten Gerhard Bronner am Klavier zu sehen.
1985
Der damalige Wissenschaftsminister Heinz Fischer reist als Vertreter der österreichischen Regierung nach Brasilien, um der Angelobung von Präsident Tancredo Neves beizuwohnen.
1988
Der brasilianische Priester und Aktivist Frei Betto erhält in Wien den Bruno-Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte.
1989
Der brasilianische Außenminister Roberto Costa de Abreu Sodré weilt aus Anlass der bras. Botschafterkonferenz in Wien und trifft auch Außenminister Alois Mock zu Gesprächen.
1991
Generalsekretär Thomas Klestil trifft den brasilianischen Außenminister Francisco Rezek und den Generalsekretär Marcos Castrioto de Azambuja.
1992
Bundeskanzler Franz Vranitzky und Ministerin Ruth Feldgrill-Zankel nehmen an der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro teil.
1993
Generalsekretär Wolfgang Schallenberg besucht Brasilien. Das indigeneVolk der Canela aus Maranhão erhält in Wien den Bruno-Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte.
1995
Nationalratspräsident Heinz Fischer vertritt Österreich bei der Amtseinführung von Präsident Fernando Henrique Cardoso.
1999
Bundeskanzler Viktor Klima und Staatssekretärin für auswärtige Angelegenheiten Benita Ferrero-Waldner sind aus Anlass des ersten Gipfeltreffens EU-Lateinamerika-Karibik in Rio. Der Österreicher Felix Baumgartner erreicht den Weltrekord für den niedrigsten Fallschirmabsprung von der Christus-Statue in Rio de Janeiro (29 Meter).
2002
Bundesminister für Inneres Ernst Strasser und Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Martin Bartenstein besuchen Brasilien.
2003
Bundesratspräsident Ludwig Bieringer vertritt Österreich bei der Amtseinführung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
2004
Prof. Paul I. Singer, Staatssekretär im brasilianischen Arbeitsministerium und jüdischer Emigrant aus Wien nimmt als persönlicher Vertreter von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Staatsbegräbnis für Bundespräsident Thomas Klestil teil. Landwirtschaftsminister Josef Pröll trifft in Sao Paulo den Vizelandwirtschaftsminister José Amauri Dimarzio und besucht Agrareinrichtungen in den Bundesstaaten Sao Paulo und Parana.
2005
Im Anschluss an das Begräbnis von Papst Johannes Paul II. in Rom kommt es zu einem Treffen von Bundespräsident Heinz Fischer und Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Von 18.-20. September findet ein Staatsbesuch von Bundespräsident Heinz Fischer in Brasilien statt. Zwei Memoranden über trilaterale Kooperation in Afrika und über den Austausch der diplomatischen Akademien werden unterzeichnet.
2006
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist beim EU-LAK Gipfeltreffens von 12.-13. Mai in Wien und absolviert anschließend einen Staatsbesuch. Umweltminister Josef Pröll nimmt für die EU-Ratspräsidentschaft bei der Vertragsstaatenkonferenz der VN-Konvention zur Biodiversität in Curitiba teil.
2007
Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten Johannes Kyrle besucht Brasilien für politische Konsultationen.
2008
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer stattet vom 11.-13. Mai einen offiziellen Arbeitsbesuch (Brasilia, Sao Paulo) ab. Er wird von Staatssekretär Christoph Matznetter und einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet. Ein Memorandum of Understanding zur regelmäßigen Abhaltung von politischen Konsultationen unterzeichnet.
2010
Außenminister Michael Spindelegger besucht vom 26. bis 29. Mai Brasilien in Begleitung einer Wirtschaftsdelegation unter Leitung von WKÖ-Vizepräsident Christoph Matznetter. Er nimmt am 3. Forum der Allianz der Zivilisationen in Rio de Janeiro teil und trifft mit Außenminister Celso Amorim sowie Wirtschaftspolitikern in Sao Paulo zusammen.
Außenminister Celso Amorim stattet Österreich am 21. Juni einen Besuch ab. Er trifft mit Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Michael Spindelegger zusammen und hält einen Vortrag an der Diplomatischen Akademie in Wien, als deren Absolvent er geehrt wird.
Der Generalsekretär im brasilianischen Außenministerium, Botschafter Antonio Patriota, ist am 31. 8. zu politische Konsultationen in Wien.
Der Bischof der Diözese Xingu, Erwin Kräutler, der in Vorarlberg geboren wurde, wird mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
