Kultur und Wissenschaft
Das Jahr 2009 im kulturellen Rückblick
Die Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich stand im Jahr 2009 im Zeichen des 20-Jahrjubiläums zum Fall des Eisernen Vorhangs. Den musikalischen Schwerpunkt bildete das Haydnjahr.
Anläßlich des 20-Jahrjubiläums zum Fall des Eisernen Vorhangs wurde in Zusammenarbeit mit dem in Kolumbien führenden Europalehrstuhl der Universidad del Norte in Barranquilla und fünf der größten kolumbianischen Universitäten in Bogotá, Cali, Medellin, Cartagena und Bucaramanga ein Posterwettbewerb ausgeschrieben. Die Initiative fand größtes Interesse und führte zu mehr als 200 Einreichungen, die jeweils aus einem Aufsatz und einem Poster bestanden. Die zwölf besten Beiträge wurden in einem Buch zusammengefasst und bei der Europawoche der Universidad del Norte verteilt. Die vier besten Arbeiten wurden am 16. März prämiert, der Gewinner des Hauptpreises besuchte eine Woche lang Wien.
Höhepunkt der Veranstaltungen zum Haydn-Jahr waren die ausverkauften Auftritte des Haydn-Trios Eisenstadt in Bogotá und Medellín (Juli). Im November wurde von der Corporation Cultural Otto de Greif das Seminar "200 Jahr Franz Joseph Haydn und Felix Mendelssohn" an der Biblioteca Pública Virgilio Barco abgehalten. Außerdem gaben die Violonistin Birgit Kolar und die Pianistin Veronika Trisko Meisterklassen zusammen mit dem Orquesta Filarmónica de Medellín und traten im Teatro Metropolitano auf (April).
Weitere Kulturveranstaltungen waren die Aufführung der Filme „Mein Stern“ von Valeska Grisebach und „Der umgekehrte Blick“ von Fridolin Schönwiese am Eurocine-Filmfestival in Bogotá, Cali und Medellín (April, Mai). An der internationalen Photoausstellung „Fotográfica Bogotá“ war Österreich mit einem Beitrag von Gottfried Helnwein vertreten (Mai). Die Kooperation des Konservatoriums Wien (Wolfgang Liebhart, David Salazar und Marton Barka) mit dem Konservatorium Neiva, war im Berichtszeitraum schwerpunktmäßig auf die Jugend-Bläser-Philharmonie Neiva konzentriert.
Kolumbien
Es gibt eine Reihe von historischen Anknüpfungspunkten im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. So unternahm der bedeutende Botaniker und Arzt Nicolaus von Jaquin (1727 bis 1817) im Auftrag des Hofs von 1755 bis 1759 Forschungsreisen in die Region, die ihn auch an Atlantikküste Kolumbiens führten. Karl Brunner (1887 bis 1960) gilt als der Gründervater der modernen Stadtplanung in Bogotá, wo er in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts tätig war. Gerardo Reichel Dolmatoff (1912 bis 1994) war einer der Gründerväter der (Kultur-)anthropologie und Ethnologie in Kolumbien. Eine Reihe der Verfolgten des Nationalsozialismus, die in Kolumbien eine neue Heimat fanden, leisteten wesentliche Beiträge zum kulturellen Leben. Der Architekt Fritz Blodek (1905 bis 2001) realisierte über 150 Wohn- und Industriebauten, vor allem in Medellin. Der Buchhändler und Journalist Hans Ungar (1916 bis 2004) gründete mit der Libreriá Central einen Fixpunkt des intellektuellen und kulturellen Lebens Bogotás.
Zum Stand der aktuellen Beziehungen im kulturellen Bereich sei auf die verschiedenen kulturellen Aktivitäten der Österreichischen Botschaft Bogotá verwiesen.
Detaillierte Informationen zum Veranstaltungsprogramm der Botschaft Bogotá und zum kulturellen Austausch in Lateinamerika finden Sie unter folgenden Links:
Österreich ist alljährlich zumindest in Bogota, meist aber auch in andern Städten, allen voran Medellin, mit Kammermusik vertreten. Erstmalig nahm im Jahr 2007 eine österreichische Jazzformation (Rudi Berger meets Gerry Weil Trio with special guest Mike Ryan) mit großem Erfolg am Jazzfestival in Bogotá und vier weiteren Städten Kolumbiens teil. Alljährlich nimmt Österreich am EU Filmfestival Eurocine teil. In den letzten Jahren wurden wiederholt Ausstellungen zu moderner österreichischer Architektur realisiert. Höhepunkt der Präsentation österreichischer Kultur in den letzten Jahren bildete die Teilnahme des Burgtheaters am 10. iberoamerikanischen Theaterfestival mit dem Stück "Babel" von Elfriede Jelinek im April 2006 sowie Konzerte der Wiener Sängerknaben in Bogotá, Manizales und Pereira im August 2007.
Ende März 2007 bis Ende August 2007 lief im oberösterreichischen Landesmuseum in Linz eine sehr gut besuchte Ausstellung "Gold aus Kolumbien", mit einer Auswahl prähispanischer Goldschmiedekunst des berühmten Goldmuseums in Bogotá.
Im Bereich der universitären Kooperation gibt es eine Zusammenarbeit zwischen der Technischen Universität Wien und der Nationaluniversität in Bogotá im Bereich der Architektur, ua. Veranstaltung gemeinsamer Workshops. Darüber hinaus gibt es einen Studentenaustausch zwischen der Johannes Keppler Universität in Linz und der Jesuitenuniversität in Cali sowie der Fachhochschule Johanneum und der Universidad Externado in Bogotá. Im Wintersemester 2006 waren 113 kolumbianische StudentInnen an österreichischen Universitäten und Kunsthochschulen eingeschrieben und stellten somit das höchste Kontingent unter den lateinamerikanischen Ländern.

