Bilaterale Beziehungen
Auszüge aus der Rede von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bei dem vom griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias anlässlich des Staatsbesuchs gegebenem Staatsbankett in Athen am 14.5.2007:
"Zwischen Griechenland und Österreich gibt es weit zurückreichende historische Verbindungen. Ende des 18.Jhs entwickelte sich die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Wien zu einem florierenden Zentrum der griechischen Diaspora, von dem wesentliche Impulse für die neugriechische Sprache und Kultur ausgingen. In Wien entstanden damals zahlreiche Druckereien, die sich auf Werke aus dem griechischen Sprachraum spezialisierten. 1790 erschien in Wien die erste griechischsprachige Zeitung. Griechisches Kulturgut spielte im kulturellen Leben der Habsburgermonarchie des 19.Jhs. eine nicht wegzudenkende Rolle. Zu erwähnen wäre auch die neoklassizistische Ringstraßenarchitektur, die das Bild der österreichischen Hauptstadt bis heute prägt."
"Unsere beiden Länder, Griechenland und Österreich, haben im 20. Jahrhundert schwierige und mitunter leidvolle Etappen in der Entwicklung unserer Staaten zu verzeichnen. Wir haben Krieg und Diktatur erlebt und sind daher überzeugte Anhänger von Frieden und Demokratie. Die Überzeugung, dass Wohlstand und Frieden nur unter den Bedingungen von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie dauerhaft zu sichern sind, bildet das Fundament für unsere beiden Staaten. Beide haben wir auch den Weg in die Europäische Union gefunden - Griechenland schon 1981, Österreich 13 Jahre später. Dass der österreichische Beitrittsvertrag zur EU auf griechischem Boden, nämlich in Korfu unterzeichnet wurde, ist in unserem politischen Gedächtnis fest verankert."
"Es ist die gemeinsame Partnerschaft in der Europäischen Union, die heute den wichtigsten Rahmen für die politische Zusammenarbeit unserer beiden Staaten bildet. Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren an der Vertiefung und Erweiterung der Europäischen Union mitgearbeitet."
"In besonderer Weise verbindet unsere beiden Länder auch das beiderseitige Engagement für eine schrittweise Heranführung des Balkanraumes an europäische Strukturen. Aus politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gründen haben wir ein besonderes Interesse auch in diesem benachbarten Teil Europas eine Stabilitäts- und Friedenszone zu schaffen. Unsere beiden Länder setzen sich nachhaltig für einen EU-Beitritt der Balkanstaaten ein, sobald die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind."
"Die Beziehungen zwischen Griechenland und Österreich sind, wie eingangs bereits gesagt, äußerst freundschaftlich. Diese Freundschaft wird nicht nur von den Staatsoberhäuptern, von unseren Regierungen und von vielen politischen Verantwortungsträgern getragen, sondern sie basiert auch auf der Vielzahl persönlicher Bindungen, die alljährlich bei der hohen Anzahl von Reisen unserer Bürger ins jeweils andere Land entstehen. Hunderttausende Österreicher verbringen jedes Jahr ihren Urlaub in Griechenland und auch griechische Bürger wählen Österreich in steigendem Maße als Zielland für ihre Reisen. Der faszinierende Reichtum an Naturschönheiten, Kulturschätzen, Erholungs- und Sportmöglichkeiten ist sicher ein wesentlicher Grund für die Wahl Griechenlands als Urlaubsziel. Ein ebenso entscheidender Faktor ist allerdings die Gastfreundschaft und menschliche Wärme, die für die griechische Bevölkerung so charakteristisch ist. Ein Aufenthalt in Griechenland verspricht eine ganz persönliche, menschliche Bereicherung. Das ist meine persönliche Erfahrung und die Erfahrung hunderttausender Österreicher."
