Dschibuti: Historischer Überblick
Dschibuti war bis ins 19. Jahrhundert ein von Nomaden, den Issas, einem somalischen Stamm, sowie von Afars bewohntes Gebiet ohne staatliche Organisation. Durch ihre engen Kontakte mit der arabischen Halbinsel waren die Somalis und Afars in der Region unter den ersten Völkern in Afrika, die den Islam übernahmen.
Der Franzose Rochet d'Hericourt mit seinen Expeditionen nach Schoa (Äthiopien) in den Jahren 1839-1842 war es, der die afrikanische Küste des Roten Meeres und das spätere Dschibuti im Auftrag Frankreichs erkundete. 1862 kaufte Frankreich den Hafen von Obock und errichtete einen ersten Stützpunkt in Dschibuti. Die darauffolgende Entwicklung ist auch im Spannungsverhältnis der Kolonialpolitik zu sehen. Sowohl Großbritannien als auch Frankreich hatten Interessen in der Region, die durch den Bau des Suezkanals stark an Bedeutung gewonnen hatte. Bis 1897 hatte Frankreich die Kolonie auf die heutige Größe ausgeweitet, deren Grenzen mit Kaiser Menelik II. im selben Jahr vertraglich garantiert wurden.
Die Hauptstadt wurde 1896 von Obock nach Dschibuti verlegt, da hier die Kombination eines natürlichen Hafens mit einer geographisch gut gelegenen Stadt sich als ideal für den Handel mit Äthiopien, aber auch für Handelskarawanen aus ganz Ostafrika erwies. Der Bau der franko-äthiopische Eisenbahn von Dschibuti nach Addis Abeba sollte den Handel mit Abessinien weiter vereinfachen, die Bauarbeiten wurden 1897 begonnen und erreichten Addis Abeba 1917. Während der italienischen Besetzung Äthiopiens ab 1935 und den Jahren des Zweiten Weltkriegs kam es immer wieder zu Scharmützeln an der Grenze. Dschibuti wurde bis 1942 von Vichy-Frankreich kontrolliert, als es von den Alliierten und Freien Franzosen zurückgewonnen wurde. Ein Bataillon aus Dschibuti nahm auch an der Befreiung Frankreichs 1944 teil.
1957 verlieh Frankreich seiner Kolonie Autonomie, 1958 wurde durch Volksentscheid Dschibutis Beitritt zur Französischen Union beschlossen. Von nun an entsandte die Region einen Abgeordneten sowie einen Senator nach Paris. Als 1966 der französische Staatspräsident Charles de Gaulle nach Dschibuti kam, wurde sein Besuch bereits von zahlreichen Protesten überschattet. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse beschloss die französische Regierung die Abhaltung eines Referendums über die Unabhängigkeit des Territoriums, bei dem sich jedoch 60% für die Union mit Frankreich aussprachen. Mitte der siebziger Jahre gewannen die Unabhängigkeitsbestrebungen weiter an Dynamik , und am 27. Juni 1977 wurde das Land unabhängig. Hassan Gouled Aptidon wurde der erste Präsident des Landes, der bis 1993 immer wieder gewählt wurde und so bis 1999 im Amt blieb.
1976 kam es zum Sturz von Ministerpräsident Ali Aref und damit zum Ende der Vorherrschaft der Afars, auf die sich vor allem die französische Kolonialmacht gestützt hatte. 1991 kam es zu einem bewaffneten Aufstand der Afars gegen die nun von den Issas dominierte Regierung, der sich zu einem Bürgerkrieg im Norden des Landes entwickelte. 1994 kam es zu einen Friedens – und Versöhnungsvertrag zwischen der Regierung und den Rebellen von der FRUD (Front pour la Restauration de l´Unité Democratique). Die FRUD wurde als offizielle Partei zugelassen und trat später auch in die Regierung ein. Im Jahr 2000 schließlich wurde auch der Exilflügel der FRUD durch einen Rahmenvertrag anerkannt.
Dschibutis geographische Lage am Ausgang des Roten Meeres und als Teil des Horns von Afrika ist von strategischer Bedeutung.
Das Land zeichnete sich in der Vergangenheit durch relative Stabilität aus, was zur Folge hatte, dass Dschibuti immer wieder zur Anlaufstelle für humanitäre und friedenssichernde Maßnahmen wurde (z.B. 1993/94 für die Somalia-Mission UNOSOM II). Auch wird traditionell ein Großteil der Nahrungsmittelhilfe für Äthiopien über den Hafen Dschibutis abgewickelt.
Dschibuti ist auch als gemäßigtes Mitglied verschiedener internationaler Organisationen von Bedeutung. Sowohl in den Vereinten Nationen (VN) als auch in der Blockfreien-Bewegung, der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union (AU) ist Dschibuti vertreten. Eine besonders wichtige Rolle spielt Dschibuti bei der Regionalorganisation IGAD (Intergovernmental Authority for Development), die sechs Länder am Horn von Afrika umfasst und deren Sekretariat seinen Sitz in der Stadt Dschibuti hat. IGADs Aufgabe besteht mehr und mehr auch in der Eindämmung und Lösung der regionalen Konflikte im Südsudan und in Somalia.
Politik
Am 8. April 2005 fanden in Djibouti Präsidentschaftswahlen statt, bei denen der bereits amtierende Präsident, Ismael Guelleh, als einziger Kandidat antrat. Der mit 100 % der gültig abgegebenen Stimmen wieder gewählte Staatschef trat seine 2. und gemäss Verfassung letzte Amtszeit von 6 Jahren an. Seine Partei "Union for Presidental Majority" belegte alle 65 Sitze im Parlament. Die Opposition hatte sich entschlossen, nicht an der Wahl teilzunehmen.
Ismael Omar Guelleh ist der 2. Präsident Djiboutis (erstmals 1999 gewählt), der die Amtsgeschäfte von seinem Onkel, Hassan Gouled Aption übernommen hatte. Letzterer hatte das Land seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1977 regiert.
Im April 2010 wurde von der Nationalversammlung schließlich einstimmig eine Verfassungsänderung verabschiedet, welche es dem Präsidenten erlaubte, für eine dritte Amtszeit als Präsident zu kandidieren.
Präsident Guelleh gewann die Präsidentschaftswahlen vom 8. April 2011 schließlich mit 80,63% der abgegebenen, gültigen Stimmen. Sein Herausforderer, der unabhängige Kandidat und ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Mohamed Warsama Ragueh, erhielt 19,37% der Stimmen. Die zwei größten Oppositionsbündnisse UAD und UMD, welche sich im Vorfeld zudem nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten, hatten die Wahl boykottiert. Die EU hat keine Wahlbeobachtungsmission nach Djibouti entsandt.
Generell sind die Oppositionsparteien in Djibouti zersplittert sowie zwischen Unterstützern des im Pariser Exil lebenden, französisch-djiboutischen Geschäftsmannes Abdurahman Boreh und der größten legalen Oppositionspartei UAD (Union pour l’alternance démocratique) fragmentiert.
Das Land ist weiterhin stark an der Intensivierung seiner politischen und vor allem wirtschaftlichen Beziehungen zur arabischen Welt interessiert. Es scheint ein wahrer Wettlauf um die Gunst des kleinen Staates eingesetzt zu haben, wobei Djibouti es schafft, durch ein geschicktes Taktieren mit den amerikanischen und französischen, und neuerdings arabischen Interessen sein öffentliches Einkommen beträchtlich zu steigern. Vor allem Dubai und Saudi Arabien sind derzeit mit größeren Investitionsprojekten in Djibouti aktiv.
