Interview mit Außenminister Spindelegger in den Niederösterreichischen Nachrichten
DER NEUE AUSSENMINISTER / Mit dem 49-jährigen Mödlinger Michael Spindelegger sitzt ein Mann im Außenministerium, der auch in Zukunft Politiker und nicht Diplomat sein will.
"Bin richtig im Saft"
VON WOLFGANG LEHNER
Michael Spindelegger hatte genau zweieinhalb Stunden Zeit, um sich seine zukünftige politische Karriere zu überlegen. Danach war der Aufstieg vom Zweiten Nationalratspräsidenten zum Außenminister Realität.
Zuvor hatte er noch ein ausführliches Gespräch mit seiner Gattin geführt. Diese hatte nämlich bereits zweimal ihre Zelte abgebrochen, um näher bei ihrem Mann sein zu können. Als Michael Spindelegger als EU-Parlamentarier zumeist in Brüssel unterwegs war, folgte ihm seine Ehefrau beruflich nach. Nun, wo er als Zweiter Nationalratspräsident wieder in Österreich stationiert war, übersiedelte seine bessere Hälfte wieder nach Mödling. Und zu allerletzt wird nun ihr Gatte mehr denn je international präsent sein und dem Ruf der weiten Welt folgen -, die Zukunftsplanung einer gemeinsamen Freizeitnutzung mit den beiden Kindern erfährt damit neue Perspektiven.
Vor der Aufgabe selbst hat Michael Spindelegger "großen Respekt". Das Amt sei eine besondere Herausforderung. Zur heiklen Frage der EU-Volksabstimmung meint der ausgebildete Jurist und ehemalige außenpolitische Sprecher der ÖVP im NÖN-Gespräch: "Ich sehe mich nicht als Vertreter der EU in Österreich, sondern als österreichischer Vertreter in der EU." In diesem Sinne wolle er mit konstruktiver Politik auch die SPÖ überzeugen. Nachsatz: Das sei schwer genug.
Als große Herausforderung sieht Michael Spindelegger die Skepsis der Österreicher gegen die EU. Hier gelte es, neue Wege zu beschreiten, selbst auch Verstehen zu lernen und die Information sowie die Kommunikation zu verstärken.
Der ÖAAB-Mann galt stets als Ministerreserve
Viele hatten Michael Spindelegger bereits in früheren Jahren als Verteidigungsminister auf ihrer Rechnung. Für den NÖAAB-Chef, der als Mentoren die seinerzeitigen "Stahlhelme" Robert Lichal und Siegfried Ludwig hinter sich wusste, wäre ein diesbezüglicher Karriereschritt ein geradezu logischer gewesen. Er selbst meint heute, dieses Ministerium wäre auch sehr interessant gewesen.
Ob er den NÖAAB-Chef nun zurücklegt? "Keineswegs", so Michael Spindelegger, der sich auch in Zukunft "an der Basis sehen lassen will" und das Amt des Außenministers nicht als Diplomat, sondern als Politiker anlegen möchte. Vom Alter und vom Werdegang her habe er genug Erfahrung gesammelt und stehe nun mit seinen 49 Jahren "so richtig im Saft".
Michael Spindelegger gilt als Konsenspolitiker ("Ich bin christlich sozial verankert und respektiere die Meinung anderer"), zuletzt zeigte er aber Kanten und Profil in der Frage der homosexuellen Partnerschaft, wo er ganz entschieden gegen eine Heirat aufgetreten war. Auch bei der Diskussion über die Erhöhung der Familienbeihilfe ließ er aufhorchen, als er bei einer möglichen Änderung des Steuerrechts darauf hinwies, dass dies vor allem ausländischen kinderreichen Familien nützen würde. Das sei für ihn persönlich nicht zielführend.
