Begrüßungsrede von Außenminister Dr. Michael Spindelegger vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMeiA anlässlich seiner Angelobung
2. Dezember 2008
Liebe Ursula!
Lieber Hans Winkler!
Herr Generalsekretär!
Meine Damen und Herren!
Ich habe heute vom Herrn Bundespräsidenten den Auftrag erhalten, für dieses Haus die Verantwortung zu übernehmen. Und meine erste Tätigkeit hier im Hause ist, gemeinsam mit Ursula Plassnik, gemeinsam mit Hans Winkler, diese Übergabe vor Ihnen allen durchzuführen.
Ich sage dies deshalb gleich am Beginn, damit Sie wissen: Wir ziehen an einem Strang. Für mich ist es ganz entscheidend, dass Sie auch das heute als Symbol sehen, als ein Symbol der Übergabe, dass es inhaltlich eine Kontinuität gibt von Ursula Plassnik zu meiner Person, und dass wir auch versuchen werden jetzt in einem neuen Team genau das weiter zu verfolgen, was Ursula Plassnik begonnen hat. Nämlich für Österreich, für die Interessen Österreichs eine wunderbare Vertreterin zu sein.
Ich glaube, in diesen vier Jahren hat Ursula Plassnik mit allen Höhen und Tiefen vieles erreicht für unser Land. Und sie ist auch mit dieser Aufgabe gewachsen, obwohl man das bei ihrer Körpergröße gar nicht mehr ausmachen kann. Sie hat sich um Österreich verdient gemacht, das können Sie besser bezeugen als ich, aber ich stehe vor ihr und möchte mich ganz herzlich bei Dir für Deine Arbeit bedanken.
Ich darf Ihnen auch ankündigen: Ich habe Ursula Plassnik auch überzeugen können, dass sie als Mitarbeiterin dieses Hauses weiter arbeitet. Sie hat ein wunderbares Projekt begonnen betreffend internationale Frauenangelegenheiten und wir haben uns darauf geeinigt, dass sie es auch weiter betreuen wird. Ursula Plassnik bleibt uns erhalten, genau in diesem Sinn. Ich darf mich bei ihr herzlich verabschieden, und sie gleichzeitig als Mitarbeiterin in unseren Reihen wieder willkommen heißen.
Dass Hans Winkler in Pension gehen möchte, habe ich gestern erfahren; er hat es schon getan, aber ich werde mir auch etwas überlegen. Vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, dass wir auch zukünftig eine gute Zusammenarbeit haben. Ich möchte mich auch bei Dir ganz herzlich bedanken für Deine Arbeit. Ich habe sie verfolgt im Hohen Haus über viele Jahre und jetzt in den letzen zwei Jahren als Präsident. Ich habe mich auch immer gefreut, wenn Du von der Regierungsbank aus argumentiert hast – und auch auf schwierige Fragen immer eine Antwort gewusst hast, wenn Du im Hauptausschuss dieses Haus vertreten hast in einer hervorragenden Qualität. Und ich glaube, Du hast hier so viele Freunde, Du hast hier so viele Spuren hinterlassen, das schreit geradezu nach Fortsetzung. Mehr will ich noch nicht sagen.
Vielen Herzlichen Dank, Hans Winkler.
Meine Damen und Herren!
Ich komme nicht aus diesem Haus, aber ich habe meine eigenen Erfahrungen mit diesem Haus. Ich habe 1983 hier begonnen als Mitarbeiter der Landesregierung Niederösterreich und ich habe in diesem Saal, dem Marmorsaal, meine erste politische Veranstaltung gehalten mit dem damaligen Landeshauptmann Siegfried Ludwig.
Ich freue mich sehr, dass ich heute im Büro der Frau Bundesministerin etwas übernehmen darf, wo auch eine enge Weggefährtin von mir, nämlich Liese Prokop, gesessen ist. Und dort als Landeshauptmann-Stellvertreterin vieles für Niederösterreich erreicht hat.
Ich sage das aber nicht nur symbolisch, sondern über die zehn Jahre als außenpolitischer Sprecher meiner Partei habe ich auch viele von Ihnen kennen gelernt und ich war mir immer bewusst, dass die Qualität dieses Hauses eine ganz besondere ist. Wie ich überhaupt glaube, ist das Außenministerium eines der ganz besonderen Ressorts dieses Landes. Wegen der Aufgabe, Österreichs Interessen nach außen zu vertreten, wegen der Persönlichkeiten die hier arbeiten, auch wegen des Fleißes, wegen der Motivation, die hier an den Tag gelegt wird.
Ich darf Sie gleich am Beginn einladen, was sie für die beiden – Ursula Plassnik und Hans Winkler - getan haben, auch für mich zu tun, nämlich sehr viel zu arbeiten. Ich werde Sie auch fordern, und ich werde auch andere Akzente setzen, die auf meine Persönlichkeit zugeschnitten sind.
Ich darf nur drei davon erwähnen, ohne dies in ein Grundsatzreferat ausarten zu lassen: Ich habe mir als erstes zum Ziel gesetzt, unserer Funktion im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auch dazu zu nützen, dass wir Wien wieder als Drehscheibe des Friedens installieren mit einer längerfristigen Perspektive. Ich glaube, dass wir Österreicher geradezu prädestiniert dafür sind, und dass wir hier mit Ihrer Zuarbeit auch etwas auf die Beine stellen können, wo unser mittelgroßes Land in der Welt ganz groß gesehen wird. Das erwarten sich auch viele Österreicherinnen und Österreicher von uns. Wenn wir gemeinsam daran arbeiten wird uns auch etwas gelingen.
Ich möchte als zweites auch gleich das heikelste Thema, das wir alle zu bewerkstelligen haben, ansprechen, und das ist alles rund um den europäischen Integrationsprozess und die Frage der Stimmung in Österreich und die Frage der Zukunft. Ich denke - und das ist mein Stil -, ich werde jetzt einmal die ersten Wochen damit verbringen, zuzuhören, weil ich glaube, dass wir noch gar nicht erfasst haben, was denn wirklich der Grund ist, warum viele Österreicherinnen und Österreicher skeptisch sind. Ich möchte daher nicht mit einer Kampagne beginnen und sagen „das muss anders werden“, sondern ich möchte mit diesem Zuhören beginnen, und erst danach die Schlussfolgerungen ziehen. Das wird eine sehr schwierige Aufgabe, denn wir alle wissen: wir müssen am Ende des Zieles zu einer anderen Sichtweise der EU kommen. Es wird sehr viel Arbeit bedeuten, dass wir diesen Schritt auch erfolgreich bewältigen.
Und das dritte, das mir besonders Freude macht, sind die großen Zukunftsaspekte, die auch ein Außenamt für Österreich an den Tag legen kann. Ich habe mir vorgenommen - und das habe ich auch in den Regierungsverhandlungen schon ein wenig eingebracht -, dass wir auch aufspüren müssen, wo Österreich zukünftig in dieser Welt eine Chance hat. Natürlich ist das der Westbalkan, da werden wir die Linie fortsetzen. Aber wir sollten darüber hinausgehen, wir sollten Nachbarschaftspolitik ein bisschen weiter sehen. Gerade diese Schwarzmeerregion ist etwas, wo ich glaube, dass eine Zukunft liegt. Wenn ich viele Jahre zurückblenden darf. Damals haben wahrscheinlich auch diejenigen, die damals Verantwortung getragen haben, ihre Fühler in unsere Nachbarstaaten ausgestreckt noch bevor der eiserne Vorhang gefallen ist. Und dass wir uns heute so gut haben entwickeln können, dass wir dort so etabliert sind, ist auch dieser vorausschauenden Politik zu verdanken.
Darum möchte ich gerne, dass wir auch gemeinsam etwas erarbeiten, wo man vielleicht noch in 20 Jahren sagen kann, das ist etwas, wozu damals die Grundlage gelegt wurde und wo Sie, meine Damen und Herren, mitgewirkt haben, dass das in eine sehr gute Zukunft Österreichs führt.
Ich möchte Sie daher bitten, dass Sie mir zuarbeiten in der gewohnten Qualität. Ich möchte Sie darum ersuchen, dass Sie mir auch so begegnen, wie Sie das gegenüber Ursula Plassnik und Hans Winkler getan haben. Nämlich mit Loyalität, aber auch mit einem klaren Profil. Sagen Sie mir, was Sie meinen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ich Sie auch einschätzen kann und die Lage besser beurteilen kann. Ich werde mich auch zu Ihnen begeben, ich werde sehr schnell versuchen, durch alle Zimmer zu kommen, Ihnen nicht nur die Hand zu schütteln, sondern den Kontakt mit Ihnen zu suchen. Ich möchte Sie gerne kennenlernen, und freu mich auf diese Zusammenarbeit und ich bin überzeugt, wenn wir wirklich alle fest arbeiten, werden wir bei unserer Weihnachtsfeier 2009 vielleicht schon erste Ergebnisse sehen.
In diesem Sinne lade ich Sie ein, mit mir eine gute Zusammenarbeit zu führen, denn ich werde alles dazu tun, auch Sie gut nach außen hin zu vertreten, auch für Ihre Rechte einzutreten und dieses Haus hochzuhalten, so wie das Ursula Plassnik und Hans Winkler getan haben, so wie mir der Herr Generalsekretär auch in Zukunft helfen wird, das auch in Zukunft zu tun.
In diesem Sinn, auf eine gute Zusammenarbeit. Ich bedanke mich sehr herzlich und bitte, dass wir gemeinsam ein großes Ziel vor Augen haben. Danke.
